Kurz nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Bones“ sind die jungen Briten von YOUNG GUNS in aller Munde. Ihre erste Headlinertour durch Deutschland ist im Gange und sie sind bereits als Support von Enter Shikari in unseren Gefilden angekündigt. Jeder scheint eine Meinung zu der Band zu haben, meist eine gute. Also gilt es, herauszufinden, ob die Band hält, was der Hype verspricht.
Als ich kurz vor Konzertbeginn um 20 Uhr den Comet Club erreiche, gibt es die erste Überraschung: Das Konzert wurde ins Magnet verschoben. Welche „Freude“, wenigstens ist der Club gleich nebenan. Dort haben sich schon zur Supportband LOWER THAN ATLANTIS Scharen von Mädchen in den ersten Reihen eingefunden, was mich gleich zu einem vorgefertigten Urteil gegenüber jener Band verführt. Ich kannte vor diesem Abend so gut wie keine ihrer Songs, hatte sie aber in die Riege dieser britischen Gruppen, mit sonderbar ozeanischen Namen eingeordnet (Twin Atlantic, We Are The Ocean, alles wie eine Band für mich). Nachdem ich vor kurzem schon von einer dieser Bands überzeugt wurde, muss ich nun zugeben, dass mir LOWER THAN ATLANTIS auch ganz gut gefallen.
Ihr Set bietet eine gute Mischung aus härteren Songs, mit knallendem Bass und dem häufigen Einsatz der Cowbell an den Drums, was für Nerds wie mich, das Sahnehäubchen auf dem Schlagzeug ist. Das kleine, junge und größtenteils weibliche Publikum geht für einen Support verhältnismäßig gut mit, was Sänger Mike Duce allerdings immer noch zu wenig zu sein scheint. Während die restlichen LTA-Mitglieder unbeirrt weiterspielen, sieht man dem Frontmann einen säuerlichen Missmut an. Kurz bevor die Band ihr gut halbstündiges Programm beendet, werfen sie noch das Ass aus dem Ärmel: Ein Medley mit Elementen aus Everlong und The Pretender, das in einen ihrer Songs (offenbar ‚R.O.I.‘) übergeht. Keine schlechte Idee, den Leuten gefällt es.
Schon während des Umbaus füllt sich das Magnet langsam aber sicher, es sieht nun nicht mehr ganz so traurig leer aus. Vorne wird tatsächlich auch ab und zu gedrängelt. Da der Club nicht voll wird, wundere ich mich, warum das Konzert verlegt wurde. Bands dürfte es schließlich mehr Spaß machen, in einer noch kleineren verschwitzten Spelunke zu spielen, wenn sie dafür wenigstens voll wirkt. Aber genug davon. Um etwa 21 Uhr geht es los: Die YOUNG GUNS erklimmen bzw. betreten die niedrige Bühne und legen mit ein paar Stücken von ihrem Debütalbum los, darunter die Single ‚Weight of The World‘ und ‚Stitches‘.
Gleich von Anfang an wird deutlich, dass der Publikumsenthusiasmus während LOWER THAN ATLANTIS tatsächlich nur auf Sparflamme stand.Möglicherweise liegt es am mobileren und aktiveren Sänger Gustav Wood, der wie wild über die Bühne springt, alle Seiten besucht und immer wieder Fans abklatscht oder sogar ins Mikro singen lässt. Es herrscht eine andere Atmosphäre als zuvor. Die Menschen sind gelöst und aufgedreht, es wird erstaunlich viel und textsicher mitgesungen. Musikalisch gesehen ähneln sich die Bands des Abends, wobei die YOUNG GUNS mehr in Richtung Alternative gehen, was die Möglichkeit dazu abzufeiern allerdings nicht beeinträchtigt.
Die Jungs ziehen ihr Programm straff durch. Es gibt einige Animationsrufe, Deutschversuche („Danke, danke“, „Sehr gut“) und die oben beschriebene Tourinfo. Dazwischen wird pausenlos gerockt, wobei auch das neue Album „Bones“ nicht unbeachtet gelassen wird. „Ich hoffe ihr habt Spaß mit dem Album, mir ist egal, ob ihr es auf legalem Weg bekommen habt oder als Download besitzt. Hauptsache ihr habt Spaß.“ Nun ja, sehr sympathisch, aber man sollte schon zweimal darüber nachdenken. Ich jedenfalls werde mir nach diesem Konzert mindestens ein YOUNG GUNS Album kaufen und zwar auf die gute alte und legale Art.


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