(Victory Records) Ich muss zugeben, dass ich seit fast einem Jahrzehnt nicht viel von TAPROOT gehört habe. Als sie 2002 noch auf dem Höhepunkt der Nu Metal-Hardrock-Welle die Single 'Poem' veröffentlichten, wurden sie allerdings auf den einschlägigen Rock-Radiosendern (ich sag nur Project 89.0) rauf und runter gespielt. Inzwischen haben sie einige unauffälligere Alben veröffentlicht, den Drummer ausgetauscht, das Label gewechselt, also alles, was man eben als mittelerfolgreiche Rockband so macht. Jetzt melden sich die vier Amerikaner mit ihrem sechsten Streich "The Episodes" zurück. Gleich beim ersten Hören fällt mir auf, was man dem Album sicherlich vorwerfen wird: Es klingt zu einem großen Teil wie aus dem Jahr 2001/2002. Man findet viele typische, softe, melodische Metalanteile, die zwar nicht gerade überrappt werden, aber doch irgendwie einfach wie eine Mischung von P.O.D., Blindside und auch Limp Bizkit in ihren "Glanzzeiten" klingen. Daraus entsteht für mich kein Problem - ich mochte die oft belächelte Musikrichtung und höre "The Episodes" fast schon aus nostalgischen Gründen gern - allerdings könnte man vermutlich sagen, dass sich TAPROOT nicht groß weiterentwickelt haben. Das Album schwingt hin und her zwischen einer Mischung aus harten Klängen und schönen Melodien (heute würde man dazu wohl "Emocore" oder so ähnlich sagen), darüber ein meist cleaner Gesang vom versierten Stephen Richards. Seine Stimme ist je nach Song unterschiedlich, erinnert aber permanent an verschiedene, besondere Sänger. Das kann nur gut sein. "The Episodes" funktioniert nach dem allgemeinen, altbewährtem Prinzip; es gibt die etwas schweren Nummern, mit 'The Everlasting' die fast obligatorische Schnulze und schnelle Songs wie 'No Surrender'. Bei 'Memorial Park' fühlt man sich sogar musikalisch an die Deftones erinnert und zum Ende des Albums hin werden TAPROOT ein wenig elektronischer. Es kommen viele Synthesizer ins Spiel, was aber den Songs ganz und gar nicht schadet. 'Strange & Fascinating', ein sowieso schönes Lied, wird dadurch für mich fast perfekt. Es gibt noch ein paar Voice-Overs - ich tippe auf Zitate- et voila, fertig ist der Hit. Ich könnte noch ewig irgendwelche Kleinigkeiten und Vergleiche aufzählen, die das Album zwar sehr hörenswert, wenn auch nicht zum weltverändernden "Oberknaller" machen, aber ich erspare uns das und sage: "The Episodes" bietet nicht wirklich Überraschungen, aber es ist eine grundsolide, runde Sache. Es wird eines von diesen Alben, die man vielleicht nicht ständig hören will, aber dann irgendwann - aus Lustlosigkeit oder Abwechslungssinn- doch einmal statt seiner absoluten Lieblings-CD auflegt und denkt: Warum mache ich das eigentlich nicht öfter? Album-VÖ: 13.04.2012