(Redfield Records)
Ich weiß gar nicht, wie oft ich jetzt schon den Anfang dieser Rezi geändert habe. Ich bin mir einfach nicht sicher, wie ich anfangen soll. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich nicht einmal weiß, wie ich das Album “Bury Me In Vegas” von ESKIMO CALLBOY finden soll, selten war ich so ambivalent, was ein Album angeht.
Vor mir liegt das EMP-exklusive Special Bundle, einfach, weil ich Fan von Deluxe Versionen bin, ich hätte es mir sparen sollen. Survial Package für eine unvergessliche Nacht nennen sie das…aha…wow…ein Kondom ist dabei, ich flippe aus, wie einfallsreich das ist. Außerdem gibt’s noch einen völlig wertlosen Jeton, einen Fuchsschwanz und einen kleinen Samtbeutel dazu. Als sinnvoll entpuppt sich der Samtbeutel, da kann ich nämlich den anderen Schrott reinstecken…weg damit.
Ich nehme mir die CD vor und durchstöbere erst mal das Booklet, für mich nach wie vor eine super Sache, die einiges über eine CD bzw. eine Band aussagt. Party Guide steht da in goldener Schrift. Nomen est Omen und anscheinend soll das Party Image, dieser Happy Metal, dieser Soundtrack für geile Abende auf Biegen und Brechen an den Mann gebracht werden. Die Texte, mit sehr wenigen Ausnahmen, hätten von einem 13jährigen stammen können, der gerade das Onanieren und Youporn für sich entdeckt hat. Ähnlich präsentieren sich die Künstlernamen der sechs Postpupertären aus Castrop-Rauxel…ich will sie nicht aufzählen, ist mir einfach zu blöd, ich hoffe, „The clitrubbing tank“ und Co. werden es mir verzeihen. Spätestens bei den Danksagungen u.a. für KiK, Tedi und H&M Kids weiß ich, wofür der kleine Samtbeutel gedacht war. Es war eine Deluxe Kotztüte und ich könnte sie gut gebrauchen.
Und schon hier geht es los mit der Ambivalenz, vielleicht sollte man ESKIMO CALLBOY einfach nicht zu ernst nehmen, vielleicht zielen sie genau darauf ab. Sie werden ihr Publikum dafür finden.
Ab weiter zur Musik und schauen, was uns die knapp 35Min bescheren werden, lyrisch ist ja schon mal nicht viel zu holen, aber wenn es der angepriesene Party Guide ist, dann bin ich zumindest mal gespannt und hoffe, dass es nicht in einer Metal-Polonaise endet.
Der Opener ist, wie das Album betitelt und das Gewitter kann starten, nach dem ersten Growl klimpern die doch ziemlich billig wirkenden Synthie Arrangements los, danach die bekannt quitschige Stimme und wieder Growls…und im Prinzip hab ich so jeden Song des Albums beschrieben.
Produktionstechnisch wurde hier ganz schön geschliffen, alles glatt und für sich stimmig. Ich persönlich muss angesichts der 90er EuroDance Synthie-Einlagen sogar ab und zu mal schmunzeln, die Growls sind mir schon zu derbe, man kann nicht ein Wort verstehen…manchmal besser so. Aber sie haben Humor, dass muss man ihnen lassen. Sich über Auto Tune bei anderen Bands aufzuregen und dabei so was von im Glashaus zu sitzen, trifft mein Komikzentrum schon.
Ansonsten bleibt musikalisch zu sagen, dass schon auf eingängige Songs geachtet wurde, auch wenn sie nicht die Götter des kreativen Songwritings sind, so sind es doch eingängige, aber nicht immer sehr einfallsreiche, Songstrukturen oder um es schön zu sagen, nette Melodien.
Ich bin nicht die Mukke-Polizei, jeder soll das machen, was er möchte und wird sein Publikum finden…oder eben nicht. ESKIMO CALLBOY haben bereits eine große Anhängerschaft und es kommen durch Festivals und Tour mit Sicherheit noch einige dazu. Wer vorm CD Regal bei E steht und sich auf all dies auf Party getrimmte einlassen kann, ohne den Anspruch zu haben, eine geile Songzeile für das nächste Unterarmtattoo zu finden, dass einem persönlich doch so viel bedeutet, der ist mit “Bury Me In Vegas” ganz gut bedient. Es macht schon Spaß, dieses Album zu hören, mir bleibt vor allem der letzte Song ‘Snow Covered Polaroids’ in den Ohren, vielleicht auch deshalb, weil es dann doch ein Songtext geschafft hat, die Pupertät zu verlassen.
Album-VÖ: 23.03.2012

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Toll geschrieben!
Ich mag das Album. Das Review ist nett geschrieben und trotz negativer Kritik, versöhnlich. Danke dafür.
Ich finde viele der Songs einfach mächtig. Die Produktion dieser Debut-Platte ist doch erstaunlich! Ich mag die Lieder besonders wegen der Melodien gepaart mit den wuchtigen Vocals. Ich höre auch gern Asking Alexandria und Enter Shikari, insofern erweitern Eskimo Callboy da eigentlich nur mein Audiobefriedigungsrepertoi. Hier gehts eben mal nicht um Politik, oder Tod und Rache, sondern bullshit. Ist doch okay.
Lyrics sind dabei doch egal, solange es gut klingt. Das muss ich als bekennender The Mars Volta -Fan doch einfach mal so unterstreichen!