(Century Media / EMI) Im letzten Jahr waren sämtliche Musik-Foren vollgepackt mit Diskussionen über die doch erhebliche Kurskorrektur im Stil der ARCHITECTS. Mir persönlich waren die Jungs aus England im alten Soundgewand meist zu sperrig und daher äußerst anstrengend. Wohl wissend, was Sam Carter und Co ihren DieHard-Fans mit „The Here And Now“ antun würden, spricht der erreichte Erfolg eine deutliche Sprache. Neue Fans haben sich erschlossen –mich inklusive- und die wenigsten der alten Fans sind abgesprungen, da bin ich mir sicher. An Aggressivität hat es dem 2011er Output auch wahrlich nicht gefehlt, nur war der Wiedererkennungsfaktor deutlich höher, die gesamte Scheibe sehr eingängig und daher auch meine persönliche Scheibe des Jahres. Und dass die Brightoner fleissige Bienchen sind, zeigt sich nicht nur in ihren umfangreichen Liveaktivitäten u.a. mit Bring Me The Horizon, sondern auch in der Tatsache, dass mit „Daybreaker“ bereits der Nachfolger im Kasten ist und bereit, das Licht der Welt zu erblicken. Mit der Single und dem dazugehörigen Video ‚Devil's Island’ hat man bereits Ende letzten Jahres aufhorchen lassen und sich zu diesem Zeitpunkt mit den vergangenen Unruhen in Englands Hauptstadt auseinander gesetzt. Der Song an sich gab eine gute Mischung aus altem und neuem Soundgewand. Mathige Strophen, melodiöser Chorus. Zwar im Grunde in dieser Konstellation nichts Neues, aber für eine Band im vermeintlichen Wandel doch äußerst interessant. Nun ließ sich im Vorfeld und nach Sichtung der Songs darüber spekulieren, ob es in einer neu und alt gemischten Form weiter gehen soll. ‚The Bitter End’ zumindest bildet einen eher ruhigen, atmosphärischen Start in die Scheibe. ‚Alpha Omega’, das zweite Video, hämmert dann nach kurzer Gruselsound Phase los und bildet den Anschluss an den Vorgänger „The Here And Now“. Man merkt aber auch hier, dass es mit einem Durchgang der Scheibe nicht getan sein wird, um sich weitestgehend zurecht zu finden. Auch ‚These Colours Don't Run’ geht mit einer kurzen, bedrohlichen Introsequenz los und zum ersten Mal bildet sich ein deutlicher Spagat zwischen neuen und älteren ARCHITECTS. Auch im Laufe der Scheibe wird man das Gefühl nicht los, der Fünfer sucht den Kompromiss und ist gewillt alle sich bietenden Möglichkeiten zu verarbeiten. Dazu gehören sowohl diverse Elekto-Spielereien, wie ebenfalls vorhandene, klassische Pianoeinsätze wie z.B. bei ‚Truth, Be Told’, aber auch diverse laut und leise Dynamiken geben dem ARCHITECTS-typischen Sound die gewisse Kennung. Wie weiter oben bereits erwähnt, braucht „Daybreaker“ sicherlich mehr als nur einen Durchgang, damit man nicht enttäuscht den Vorgänger im MP3-Player zu suchen beginnt, ist doch eine ganze Menge „Math“ in den Post Hardcore zurück gekehrt. Für eine gute Aufstockung des Livematerials sind aber eine Menge neuer Perlen dabei und so haben die ARCHITECTS zwar keinen erneuten Rundumschlag gelandet, aber sicherlich auch einige der abgewandeten Oldschool-Fans wieder glücklich machen können. Weil aber „The Here And Now“ einfach eine unschlagbare Scheibe ist, bekommt "Daybreaker" von mir nicht die volle Punktzahl. Album-VÖ: 25.05.2012