Viele werden Regisseur Jaume Balagueró wegen seiner beiden letzen Filme [Rec] und [Rec²] kennen. Diese beiden Handkamera-Horrorfilme im Stil einer (unechten) Dokumentation mit ihren graphischen, blutigen Szenen ließen der eigenen Vorstellung nicht gerade viel Raum, sorgten aber selbstverständlich für den gewünschten Gruseleffekt. Ganz anders nun das neueste Werk: SLEEP TIGHT verzichtet zum größten Teil auf explizite Darstellungen von Gewalt, schafft aber trotzdem eine Atmosphäre des puren Grauens.
Hauswart César ist deprimiert. Ständig. Seine einzige Freude besteht darin sich eine therapeutische Radioshow anzuhören, bei der Anrufer über ihr eigenes trauriges Leben klagen können. Ebenso stiftet er in „seinem“ Haus gerne Unfrieden unter den einzelnen Parteien, immer versteckt hinter einem Mantel von übertriebener Untergebenheit und Freundlichkeit. Eine Bewohnerin, Clara, hat es ihm besonders angetan. Sie nimmt alle (von César geschaffenen) Hürden und Widrigkeiten des Alltags hin und verliert nie ihre positive Einstellung, sodass ihr Unglück für den Hauswart zur Obsession wird. Seine Versuche, ihr das Lächeln aus dem Gesicht zu wischen, reichen von verstopften Abflüssen über aggressiven Hautausschlag bis hin zur Insektenplage. Wem das alles irgendwie verkraftbar oder gar langweilig erscheint, der mache sich bitte klar, dass dieser Mann für seine Gemeinheiten stets heimlich in Claras Wohnung eindringt, wo er außerdem unter ihrem Bett auf sie wartet, sie im Schlaf betäubt und sich dann neben sie legt. Abartiger geht es wohl gar nicht.
Logischerweise kann es nicht ewig so weiter gehen und so beginnt die Situation zu eskalieren, als Claras Freund auftaucht, sie eine Schwangerschaft feststellt und César immer mehr Gefahr läuft, entdeckt zu werden. Bis hierhin entstand der Horror auf feinste Psycho-Thriller-Art nur in unserem Kopf, jetzt aber wird die ganze Grausamkeit Césars doch noch explizit auf die Leinwand gebracht. Meiner Meinung nach, hätte man den gewaltlosen Horror den gesamten Film über durchziehen sollen, aber es gibt sicherlich viele, die die stilisierte Eskalation à la Argento bevorzugen.
SLEEP TIGHT ist technisch und schauspielerisch gesehen schon ein gelungener Psycho-Horrorfilm, aber eher nichts für ein weibliches Publikum. Frauen sind hier die Opfer schlechthin, sei es das kleine Mädchen, das von César bedroht wird, die alte Mieterin, deren Hund César quält, Clara oder Césars Mutter, die im vegetativen Zustand in einem Krankenhaus liegt und sich seine widerlichen Geschichten anhören muss. Ich könnte jetzt noch seitenweise darüber schreiben, wie verstörend aufschlussreich ich den (zu erwartenden) Zuspruch für diesen Film finde, aber da ich nicht ein ganzes Genre und seine Fans beleidigen möchte, spare ich mir das und sage einfach: SLEEP TIGHT ist sicherlich besser als viele andere Thriller oder Horrorfilme und wenn man kein Problem mit gewollt schockierenden Plots hat, bei denen man als Zuschauer absolut mit einbezogen wird (schließlich ist Widerling César unsere Bezugsperson, aus deren Sicht wir alles sehen), wird man bei diesem Film ganz sicher auf seinen Kosten kommen. Ob das erstrebenswert ist, ist eine andere Frage.
Filmstart: 05.07.2012


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Nun, ist es nicht so, dass das Wesen von Genrefilmen genau darin besteht, Konventionen und Publikumserwartungen zu erfüllen? sicherlich kann man auch damit spielen, aber Deine unterschwellige Abneigung Menschen gegenüber, die sich solche Filme gerne anschauen, ist an dieser Stelle höchst fragwürdig. Schließlich ist das hier kein Gender-Seminar…
Wenn ich gegen irgendetwas eine unterschwellige Abneigung habe, dann dagegen, dass es Gender-Seminare überhaupt gibt und ich damit in einen Topf geschmissen werde, wenn ich es widerlich finde, dass jemand andere im Schlaf missbraucht. Ich habe nebenbei mit Freude verschiedene GENREseminare belegt ohne mich selbst oder meine Kommilitonen zu verurteilen oder uns gegenüber Ekel zu empfinden.
Ich möchte mit meiner offensichtlich subjektiven Meinung (wir sind ja hier nicht Die Zeit oder so) wirklich niemanden beleidigen. Ich behalte mir aber vor, dass ICH eine Allgemeinheit, die solche Gewalt ohne Hinterfragen “genial” findet (andere Presse), nicht erstrebenswert finden darf. Ich habe echt schon ganz andere Filme gesehen, aber keiner hat je Übelkeit verursacht (und das lag echt am Film
).