Es ist nicht oft der Fall, dass man für ein Konzert die Landesgrenzen hinter sich lassen muss. Wenn eine Band aber nach sieben Jahren zunächst fast nur auf Festivalbühnen zurückkehrt, ist es immer eine Überlegung wert. So auch bei GARBAGE. Die Mannen um Sängerin Shirley Manson beehren Deutschland erst im November und dann auch nur mit zwei Konzerten. Grund genug also, für einen kleinen Städtetrip in die niederländische Hauptstadt zu gondeln, um sich live von dem Quartett überzeugen zu lassen.
Im Saal „The Max“ herrscht um 19.30 Uhr eine gemütliche Atmosphäre, als die 1500 Besucher aus allen möglichen Ländern sich zum Rocken bereitmachen. Ich selbst stehe umgeben von Spanierinnen, Lateinamerikanern und einem Neuseeländer! Jegliche Vorstellungen eines perfekten Konzertes erfüllen sich schon fast allein dadurch, dass es an diesem Abend keine Vorband gibt. Um kurz nach neun gehen die Lichter aus und es ertönt das Intro des Album-Openers ‚Automatic Systematic Habit‘. Nach Gitarrist Steve und „Fill-In-Bassist“ Eric Avery von Jane’s Addiction (Duke ist aufgrund eines Trauerfalls in der Heimat) erklimmt die überraschend kleine Producer-Legende Butch Vig ihr Drumpodium, bevor mit Shirley Manson der rote Tornado auf schrecklich hohen Highheels den Platz hinterm Mikrophon einnimmt. Was für eine Präsenz diese kleine Frau besitzt! Von der ersten Sekunde an, hängt das gesamte Publikum, Männer, Frauen und alles dazwischen, an ihren roten Lippen!
Die Band führt in den folgenden gut 100 Minuten durch ihr gesamtes Repertoire. Nach 3-4 schnellen Klassikern wie ‚Shut Your Mouth“, Why Do You Love Me‘ oder ‘Metal Heart’ kommen meist Verschnauf-Balladen wie ,Queer’ und ‚#1 Crush‘. Aber selbst, wenn sie das Tempo herunterschrauben, verlieren GARBAGE nichts von ihrer Intensität. Zwischendurch wechselt Shirley in bequemere Schuhe um und die Band überbrückt kleinere Pausen mit Fragerunden, bei denen auch gleich die einzelnen Mitglieder vorgestellt werden.
Weiter geht es dann mit ‚Cherry Lips‘, bei dem das Publikum schließlich komplett die Ruhe verliert. Darauf folgt die Single ‚Blood For Poppies‘, dann wieder Fanlieblinge wie ‚Special‘, ‚Milk‘ und ‚Paranoid‘. Shirley Manson ist ohne Zweifel das Zentrum der Aufmerksamkeit und sie weiß auch sehr genau, wie sie einen in ihren Bann ziehen kann. Sie tanzt, zwinkert einzelnen Fans zu, singt zu verschiedenen Personen und zeigt in die Menge. Leider beginnen von nun an fast alle um ihre Aufmerksamkeit zu buhlen und sie über den schmalen Bühnengraben anfassen zu wollen, was dann doch ziemlich nervt. Mit ‚Push It‘ bringt die Dame selbst es schließlich auf den Punkt „You can look but you can’t touch“, nehmt das doch bitte mal wörtlich, Leute!
Nach 18 Songs verlassen GARBAGE die Bühne für einen kurzen Moment, bevor sie für eine Zugabe zurückkehren. Es gibt den neuen Song ‚Big Bright World‘, ‚The Trick Is To Keep Breathing‘ und endlich den zeitlosen Klassiker und meinen ewigen persönlichen Favoriten ‘Vow’ vom Debütalbum. Das Konzert beweist, dass GARBAGE noch lange nicht zum alten Eisen, wohl aber zu den echten Profis im Geschäft gehören. Die Bühnenshow ist geradezu spartanisch, es gibt wirklich überhaupt keine Effekte, nicht einmal störendes Lichtgeflacker. Und die Band hat so etwas auch tatsächlich nicht nötig. Jedes einzelne Mitglied kann allein unterhalten und überzeugen, gemeinsam sind sie dann geradezu unschlagbar gut. Die Reise hätte sich also nicht mehr lohnen können!

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