(Peaceville / Edel) Wenn man aus purer Langeweile und kleinem Interesse am CD-Cover (von Metalcover-Experte Travis Smith) anbietet, die Rezension zu einer Band zu schreiben, die fast genauso alt ist wie man selbst, ohne vorher je von ihr gehört zu haben, stellt sich das meist als schlechte Idee heraus. Wenn man dann statt einer physischen CD, nicht einmal einen Download, sondern einen unbequemen, unrund laufenden Internetstream bekommt, um sich die Platte vor Veröffentlichung anzuhören, ist man fast schon gewillt sie einfach höflich abzulehnen. Im Falle von KATATONIA und ihrem neuen Album "Dead End Kings" ist es bei solchen Luxusproblemen aber gut, wenn man sich durchbeißt. Die Schweden schaffen es insgesamt, das Interesse vom ersten Song an zu halten. 'Parting' beginnt wuchtig, entlädt aber recht schnell seine angekündigte Melancholie. Bei aller Wehmut, die sich durch das Album zieht, ist die Stimmung oder Musik trotzdem nie weinerlich, man darf also beruhigt sein. Selbst wenn KATATONIA bei 'The One You're Looking For Is Not Here' von Silje Wergeland (The Gathering), einer typischen nordischen Sängerin mit fast opernhaftem Stil unterstützt werden, klingen sie nicht lahm. Ab und an mischt sich ein etwas schleppender Song wie zum Beispiel 'Hypnone' unter die Nummern. Solche kleinen Stolpersteine werden allerdings sogleich von den Folgeliedern, geglättet. In diesem Fall übernimmt die Wiedergutmachung dann die schöne Ballade 'The Racing Heart'. Gleich darauf knallt einem 'Buildings' entgegen und auch 'Leech' kann mit einem wunderschönen Gitarren- und Klavierhintergrund wieder Emotionen entfachen. Gar nicht übel! Alles, was ich mir zuvor über die Band zusammengesucht habe, scheint zu stimmen: KATATONIA wagen sich in (für sie) unerforschte Gefilde vor und schaffen einen Soundtrack, für graue Herbsttage oder alle anderen Zeiten, in denen man sich einmal stilvoll ein wenig den düsteren Nachdenklichkeiten des Lebens hingeben mag. Das alles geht bei den Schweden ganz ohne Wut und Aggression, aber trotzdem nicht ohne eine Portion Härte. Ihre Art Metal/Rock ist aber definitiv sehr eingängig und könnte bei einigen Hardlinern schon wieder als "mainstream" verschrien werden. Die zweite Hälfte des selbstproduzierten "Dead End Kings" wirkt bis auf 'Undo You' im Vergleich ein wenig unauffällig, was daran liegen könnte, dass man die Kniffe der Band eben doch schon kennt und auf dem Album keine ganz großen Überraschungen oder gar Tempiwechsel zu finden sind. Somit ist KATATONIA's neuester Streich vielleicht kein neues Lieblingsalbum, kein neuer Klassiker, aber sicherlich für einige Stunden gut! Album-VÖ: 24.08.2012