(Razor & Tie / Soulfood) Früher im regelmäßigen Turnus, hat es nun ganze vier Jahre gedauert, bis die Jungs von P.O.D. ein neues Machwerk und somit ein kaum noch zu erwartendes Lebenszeichen von sich geben. Einst im Reigen der New- und Rap-Metal Szene gefeiert und erfolgreich, nahm mit den Jahren und abebbenden Trends auch die Qualität der Alben des Vierers deutlich ab. Die Scheiben „Testify“ und das 2008 erschienene „When Angels And Serpents Dance“ waren bis auf ein paar kleinere Lichtblicke nur mit lauen Lüftchen ausgestattet. Nie wurden Qualitäten von „The Fundamental Elements Of Southtown“ oder der Überscheibe „Satellite“ errreicht. Mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass Frontmann Paul „Sonny“ Sandoval einfach nicht singen kann und dadurch diverse Änderungsversuche im Stil einfach fehlschlugen. Was also tun, wenn man sich auf dem berühmten absteigenden Ast befindet und sämtliche Kritiker ein Ende der Ära P.O.D. herbei sehnen? Genau, man nimmt alles zusammen, was man gelernt hat und versucht es allen Zweiflern noch einmal ordentlich zu zeigen. Mit „Murdered Love“ soll nun jenen das Maul gestopft werden, bei denen im Bandnamen PAYABLE ON DEATH nur noch letzteres Wort als Zustand übrig bleiben soll. Mit dem Opener ‚Eyez’ geht es schon mal ziemlich groovig los. Ohne Zweifel erkennt man hier die Handschrift der Jungs aus San Diego, Kalifornien. Der Titelsong knüpft im Folgenden genau dort an und lässt zu Raps und diversen Wutausbrüchen einen gewissen Old-School-Flair aufkommen. Hoch hinaus wollen P.O.D. mit Song Nummer drei ‚Higher’. Zu coolen Beats und einem klasse Chorus, lassen hier Mitsingmöglichkeiten den Fans genug Raum, sich auszulassen. ‚Lost In Forever’, das erste Video-Output, stellt das Highlight auf „Murdered Love“ dar. Wer diesen Song nicht mag, kann sich den Kauf der Scheibe getrost sparen. Den Spaßpreis allerdings erhält die Nummer ‚West Coast Rock Steady’. Hier wird gebounct, mit Elektronik gespielt oder auch mal der Reggae-Slang in die Stimme gelegt. Könnte der ultimative Sommersong in der Rap-Rock/Metal-Welt werden. Auch die obligatorische Ballade darf natürlich nicht fehlen. Und so kann eine solche Schmuserei auch nur ‚Beautiful’ heissen. Bevor einem hier allerdings die Füße einschlafen, findet glücklicherweise zur Mitte des Songs ein kurzfristiges Riffing statt. Die rotzigen Gitarrenklänge von ‚Babylon The Murderer’ lassen aber alle Müdigkeit verfliegen und so darf der Abgeh-Faktor wieder Einzug halten. Wer danach noch ‚On Fire’ ist, darf getrost weiter pogen. Wenn man auf „Murdered Love“ überhaupt von harten Songs sprechen kann, so ist dieser Song sicherlich einer der derberen Vertreter. Who is the ‚Bad Boy’? Markante Rap-Vocals und straffe Bassläufe prägen diese Nummer und lassen im Chorus tanzbare Klänge regieren. Kurzes Vogelgezwitscher bei ‚Panic & Run’ werden von punkigen Gitarren im Anschluss abgelöst und legen im Rock/Reggae-Gewand den Grundstein der vorletzten Nummer. Viel Tempo und Abwechslung prägen diese Nummer und lassen sogar Aggroausbrüche zum Ende zu. Am Ende steht mit ‚I Am’ der längste Song auf dem Programm. Tief getunte Gitarren und druckvolle Raps bestimmen das Bild und werden nur gelegentlich durch cleane Einstreuungen aufgelockert. Was bleibt nun am Ende übrig? Sicherlich ist man als Old-School-P.O.D.-Fan hin und hergerissen. Einerseits weiß man, dass die Zeit für diese Art von Musik eigentlich vorbei ist, anderseits ist „Murdered Love“ aber auch nicht wirklich schlecht. Es fehlen wohl die großen Klötze wie ‚School Of Hard Knocks’, ‚Southtown’ oder ‚Satellite’, aber besser als die drei Vorgängeralben ist das aktuelle Werk allemal. Ob sich P.O.D. nach getaner Arbeit nun zur Ruhe setzen sollen, würde ich für mich nach einer erneuten Live-Sichtung entscheiden. Album-VÖ: 24.08.2012