(AFM Records / Soulfood) Die Pioniere des Adidas-Metal sind back. Die Aufnahmen zu diesem Live-Werk sind zwar bereits gut ein dreiviertel Jahr her, aber das Label wird schon wissen, warum man der Fan-Schar dieses DVD/CD oder Blu-Ray/CD-Bundle so lange vorenthalten hat. Zu Ehren ihres letzten Albums „The Path Of Totality“ wurde im Palladium zu Hollywood eine amtliche Release Party auf die Beine gestellt. Die Kalifornier haben bereits eine beachtliche Karriere hinter sich gebracht. Der gesamte Globus wurde bereist und zu jeder wichtigen Dekade in vergangener Musik-Historie ein Album heraus gebracht. Egal ob man die klassischen Elemente des Rock bedient, oder neue und elektronische Pfade beschritten wurden, stets haben KORN eine amtliche Zahl an Scheiben verkauft und stets ihre Fans bedient. Streitbar sind Stilwechsel immer und so haben die Mannen um Jonathan Davis Lob und Kritik gleichermaßen für ihren Mut und Ausflug in den von Rock-Fans nicht gerade geliebten Dubstep-Bereich einstecken müssen. Aber letztendlich hat man sich in der Vergangenheit der Musikgeschichte stets an die Mutigen erinnert. Dass man sich an KORN nicht erinnern muss, sondern dass sie totale Gegenwart sind, sollte nun in diesem doch recht kompakten Club in Hollywood abermals bewiesen werden und da es sich, wie eingangs erwähnt, um ein Release-Konzert handelt, hat man sich für eine strickte Trennung ihrer beiden Musikeinflüsse entschieden. Heißt in kurzen Worten Elektro vorne, Metal hinten. Wenn man sich schon eine ganze Schar an Tanzmusik-Experten in den Kader holt, muss man sie natürlich auch auf der Bühne präsentieren. Egal ob Skrillex, Excision, 12th Planet, Kill The Noise, Datsik, Downlink oder auch Flinch alle waren sie erschienen. Die Gastmusikerauflistung mag sich nun in gelesener Form nach Begeisterung anhören, ich musste sie aber von meiner Labelnotiz ablesen, ausser Skrillex und Kill The Noise kenne ich als Dubstep-Nicht-Nerd keinen einzigen von den Genannten. Nachdem ich nun die Asche auf meinem Haupt verteilt habe, sieht das Bühnentreiben von KORN so frisch aus wie eh und je. Die Bühne ist zwar recht übersichtlich in ihrer Größe, gibt den Mannen aber trotzdem genug Raum, sich zu entfalten inklusive amtlichen LED-Wänden, die man zwar bereits aus vergangenen Tagen kennt, aber die fast komplette Decke über den Zuschauerköpfen in der Mitte? Das ist neu und gibt der Showausrichtung geile Effektmöglichkeiten. Das einzige was zu Showbeginn an Metal erinnert, sind das mit zwei Bassdrums ausgestattete Schlagzeug von Drummer Ray Luzier. James „Munky“ Shaffer, Fieldy Arvizu und Co. zupfen zwar gelegentlich an ihren Geräten, aber die Gastmusiker haben hier die Vormachtstellung. Wenn man sich „The Path Of Totality“ angehört hat und sich nicht sicher ist, ob man es mögen soll oder nicht, der wird spätestens nach der visuellen Sichtung des Materials eine Meinung haben und ich wette es ist eine positive. Denn das Ganze kommt live verdammt gut rüber. Egal ob der Opener ‚Get Up’, ‚Chaos Lives In Everything’, ‚My Wall’ oder der gesamte Rest, hier kann man eindeutig abgehen. Bis auf die ersten paar Minuten, wo das Publikum lieber Handys und Kameras hoch hält, geht beim Rest der Punk ab. Was der Zuschauer aber stets erleben will, sind die Momente, in denen er mitsingen kann und spätestens ab Song Nummer acht ist es dann auch soweit. Mit ‚Here To Stay’ beginnt der rockige Teil im Palladium und auch meine Couch fängt nun an sich deutlich mehr zu bewegen. Und da sind sie auch schon, die Klassiker. ‚Falling Away From Me’, ‚Freak On A Leash’, ‚Got A Life’ und ‚Blind’. Auch ‘Another Brick In The Wall’ darf nach dem schier endlosen Anklingen lassen nicht fehlen. Als Jonathan Davis dann noch seine obligatorische Dudelflöte aus der Ecke holt, ist die Menge vor der Bühne endgültig verzaubert. Mit freiem Oberkörper spielt es sich eben besonders sexy. Nach amtlicher Spielzeit und kurzer Sichtung des Interview-Materials bleibt ein insgesamt positiver Eindruck, der selbst von einigen stimmlichen Querschlägern Davis' nicht getrübt wird. Im Endeffekt muss man als KORN-Anhänger selbst entscheiden, ob man im ersten Teil weiter skipt oder sich dem Dubstep-Reigen hingibt. Ich find beide Seiten cool und gebe 5 amtliche Blitze. Album-VÖ: 07.09.2012