(Hassle Records) Die Basisfrage für alle WE ARE THE OCEAN-Fans in den vergangenen zwei bis drei Monaten war, in welche musikalische Richtung würde man sich auf dem kommenden Album nach dem Ausstieg von Dan Brown bewegen. War er doch in den vergangenen Jahren der einzige Aggressionsfaktor in der Band. Die Differenzen lagen ja bekanntlich in musikalischer Hinsicht und man konnte wohl über eine weitere Reduzierung der Härte spekulieren. Zumindest wurde kein Ersatz mehr an der Font verpflichtet. Spätestens beim ersten Video Output ‚The Road (Run For Miles)’ war dann klar, wo die musikalische Reise einen weiteren Höhepunkt finden soll. Meiner Meinung nach wäre auch ein Ausstieg von Liam Cromby katastrophaler gewesen, gehört er doch zu den besten Sängern, welche die englische Szene zu bieten hat. Live allerdings wird das Ganze dann aber etwas anders aussehen und die Leute vor der Stage müssen sich mit der Dynamik des Liedgutes zufrieden geben. Da wird sicherlich keiner mehr a la Dan Brown durchs Publikum marschieren. Genannter hat im Übrigen jetzt den Posten des Managers inne (wenn man sich das Interview im aktuellen Fuze durchliest, hat er mit der Band gar nichts mehr am Hut! - Zosse) Kommen wir zu der Analyse von „Maybe Today, Maybe Tomorrow“. Mit dem Intro ‚Stanford Rivers’ geht es  sehr beschaulich los. Eine Tür und knarziger Fussboden sind zu vernehmen. Liam Cromby hat wohl den Raum betreten und marschiert zu einem Klavier, um das Ganze sehr behutsam einzuleiten. Dann allerdings gibt es mit ‚Bleed’ richtig auf die Nase. Viel Power, Tempo und der Gesang in Höchstform. Ein sehr guter Spagat zur hervorragenden letzten Scheibe „Go Now And Live“. Ein bisschen vom Gas geht es dann mit ‚Young Heart’, einem Song, der massgeblich die Richtung für das gesamte Werk vorgeben soll. Akustisch im Raumklangmodus startet ‚Story Of A Modern Child’. Tanzbar und großes Mitsing-Potential bietet dieser Ohrwurm mit großem Chormoment gegen Ende. Ein geiles Schlagzeugspiel am Anfang von ‚Machine’ lässt selbige anrollen und klingt ein wenig nach den großen 30 Seconds To Mars. Übergangslos geht es zum anfangs erwähnten, ersten Video Output ‚The Road (Run For Miles)’, ebenfalls eine geile Mitsingnummer, die im Mittelpart ein wenig an ‚The Waiting Room’ durch ihren abwechselnden Gesang erinnert. Der längste Song auf „Maybe Today, Maybe Tomorrow“ heißt ‚Golden Gate’ und geht relativ smart zur Sache. Aber in gewisser Hinsicht sind alle Songs der Mannen aus Essex,England absolut radiotauglich. Der Titeltrack geht wieder mit etwas mehr Speed zur Sache, zumindest zeitweilig. Der Gesang darf hier auch mal wieder ein wenig kratzen. Im Chorus allerdings setzen WE ARE THE OCEAN auf große Momente. Der Rest der Scheibe liest sich auf ebenfalls hohem musikalischen Niveau inklusive einer akustischen Abschlussnummer. Dass Liam Cromby und Co diesen Part draufhaben, davon konnte sich neulich ein ausgewähltes Berliner Publikum live überzeugen. Was am Ende bleibt, ist eine schwierige Entscheidung für den Fan, ob sich der Kurswechsel von WE ARE THE OCEAN positiv auswirkt, oder sich Abwanderungsgedanken ob des Dargebotenen breit machen. Ich finde es einerseits auch schade, dass sich die letzten Aggressionen aus dem Sound der Band verflüchtigt haben, andererseits hat man aber auch kein bisschen an musikalischer Qualität eingebüßt. Eine gute Freundin von mir meinte neulich zur neuen Scheibe: „Die sind aber ganz schön weich geworden.“ Fügte aber trotzdem einen positiven Eindruck an und genauso geht es mir eben auch mit „Maybe Today, Maybe Tomorrow“ und so ziehe ich für Ex-Frontmann Dan nur einen Blitz ab. Album-VÖ: 21.09.2012