(Superball Music / EMI) Die Band mit dem wohl prägnantesten Kürzel seit QUOTSA ist zurück! Der Einfachheit halber wird sie im alltäglichen Sprachgebrauch aber einfach als TRAIL OF DEAD bezeichnet. Die Band, über deren Geschichte mehrere Legenden verbreitet werden, hat stets anders geklungen als alles, was man sonst so hören konnte. Haben die Mitglieder es nach fast 20 Jahren noch in sich, einen auch mit dem neuen Album „Lost Songs“ nicht zu langweilen? Die Frage kann man sogleich getrost bejahen. Die ausgefallenen Herren, die 2005 in meinen Fokus gerieten, als man mir zum Geburtstag "Worlds Apart" schenkte, bleiben sich auf ihrem neuesten Werk treu. Es gibt unzählige Klangfragmente, aus denen am Ende tatsächlich eine Melodie erwächst, wenn auch im höchst unkonventionellen Sinne. Dazu noch das eine oder andere sonderbare Instrument, ein Studio am Ende der Welt (Hannover, Niedersachsen, Deutschland! Wer kommt denn auch auf so etwas?), fertig ist das TRAIL OF DEAD-Album. „Lost Songs“ beginnt in alter Frische mit der Perle ‚Open Doors‘, die dem Album einen guten Weg ebnet. Conrad Keelys ausgefallene Stimme steht über allen noch so merkwürdigen Instrumenten, wobei ich sagen muss, dass der Sound dieser Scheibe im Vergleich zu früher sehr stimmig und für TRAIL OF DEADs Verhältnisse zahm bzw. fast „leicht“ ist. Damit ist nicht gemeint, ihre Musik wäre nun anspruchsloser und gar langsamer, sie ist ungestüm wie eh und je, eben nur nicht mehr schwer verdaulich. Die Vorab-Veröffentlichung ‚Catatonic‘ ist da allerdings eine Ausnahme. Track Drei ‚Up To Infinity‘ ist ein wunderbares Beispiel zur Veranschaulichung: Der Song beginnt schnell, die Gitarren werden immer wilder, schrammelnder, es gibt ein paar Geräuscheffekte und Distortion, dann mitten im Song eine Verschnaufpause, totaler Tempowechsel und geradezu liebkosende Gitarren. Die Ruhe nimmt immer mehr ab und steigert sich wieder in das Geräuschinferno vom Anfang, der Gesang wird fast zu Geschrei. Wenn man sich vor Augen führt, dass der Song, den die Band zu Promozwecken veröffentlichte und Pussy Riot widmete, von den Geschehnissen in Syrien handelt, bekommen diese musikalischen Verläufe eine ganz neue Bedeutung. Überhaupt ist auf „Lost Songs“ viel Gesellschaftskritik bzw. Politik zu finden. So handelt ‚Catatonic‘ nach Keelys eigenen Worten von einer „leidenschaftslosen, überprivilegierten und katatonischen Jugend“, die uns allen vielleicht nicht ganz unbekannt ist. Das melodische ‚Lost Songs‘ (auf der Bonus CD sogar als ‚Verschollene Lieder‘ zu finden) handelt davon, dass es in der Masse der heutigen Veröffentlichungen für viele Songs schwierig wird, noch Hörer zu finden, obwohl sie es verdient hätten. Es wird problematisiert, wie aufgrund von Quantität oft die Qualität der Musik gelitten hat und heute noch leidet. Ein Problem, mit dem TRAIL OF DEAD sicherlich auch persönlich zu kämpfen hatten. Wer nun aber denkt, „Lost Songs“ wäre voll von bedeutungsschweren Songs, irrt. Es gibt auch Stücke, die von Games Of Thrones oder Charakteren aus dem Roman von Allround-Künstler Keely ‚Strange News From Another Planet‘ handeln.  Außerdem endet das reguläre Album mit einem ausgesprochen fröhlich klingenden Song ‚Time and Again‘, dessen Lyrics dem lockeren Albumausgang auch keinen Abbruch tun. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal über seinen Tellerrand hinauszublicken und „Lost Songs“ eine Chance zu geben. Man muss die Bandmitglieder oder ihre Art nicht mögen oder verstehen, um ihre Musik schätzen zu können. Ich jedenfalls hoffe, dass „Lost Songs“ nicht das Schicksal der im Titeltrack besungenen Lieder erleidet, denn das wäre eine Schande. Ich muss allerdings anmerken, dass man sich die Texte auf jeden Fall durchlesen muss, um sie zu verstehen, da der Gesang manchmal etwas im Klangteppich versinkt. Das lohnt sich! Anspieltipps: 'Pinhole Cameras', 'Up To Infinity', 'Lost Songs', 'Awestruck',… eigentlich hat fast jeder Song seinen Charme. Album-VÖ: 19.10.2012 (Photo by Patrick McHugh)