(Search and Destroy Records) Gehen wir gleich mal ans Eingemachte. Es gibt geile Bandprojekte und es gibt Scheiße. Letzteres aber jetzt nicht unbedingt in musikalischer Hinsicht gemeint, sondern eher im Bereich Tiefe und Langlebigkeit. Hat man solch ein Projekt erst einmal ins Herz geschlossen, ist es entweder schon wieder vorbei, oder eine Weiterführung ungewiss. Beste Beispiele meinerseits sind da Times Of Grace oder auch The Damned Things, wobei man bei Letztgenannten noch ein wenig Hoffnung schürt, eine weitere Rille spendiert zu bekommen, waren doch die Aktivitäten der Zusammenrottung von hoher Nachhaltigkeit geprägt. Bei der kanadisch-britischen Formation AXEWOUND haben wir namhafte Musiker von Cancer Bats, Bullet For My Valentine, Pitchshifter, Rise To Remain und Glamour Of The Kill in der Mannschaft, wobei sicherlich Brüllwürfel Liam Cormier (Cancer Bats) und Matt Tuck (Bullet For My Valentine) die Hauptrollen spielen. Seit Mai treibt die Kombo bereits ihr Unwesen und da das Ganze auch etwas für die heimische Anlage, den Mp3-Player oder das Autoradio bringen muss, ist mit „Vultures“ nun das erste Full Lenght erschienen. Welche stilistische Richtung würde man aber bei dieser musikalischen Zusammensetzung einschlagen? Diese Frage beantwortet sich bereits nach den ersten Sekunden des Titelsongs, welcher zusätzlich noch von Avenged Sevenfold-Gitarrist Synyster Gates begleitet wird, von selbst. Tief brummende Langäxte und ein derbes Tempo, getrieben von fetten Drums, bringen Liam Cormier gleich in richtige Keiflaune. Diverse Breaks und ein klasse Solopart runden die erste Nummer ab und lassen die Hoffnung auf mehr zu. Allerdings geht es mit ‚Post Apocalyptic Party’ erst einmal im Midtempo weiter. Macht aber nix, denn die fetten Pantera-lastigen Gitarren machen richtig Laune. Kurze Verschnaufpause gibt es zur Mitte, wo auch ein Sprechgesangspart eingestreut wird. ‚Victim Of The System’ an Nummer drei darf die Schlagzahl gelegentlich wieder ein bisschen anziehen, wobei diverse Geschwindigkeitsvariationen herzlich willkommen sind. In den letzten Sekunden versucht man dann tatsächlich noch einen vermeintlichen Tempo-Rekord aufzustellen. Eine richtig geile Nummer bekommt man danach mit ‚Cold’ geboten. Nun darf sogar Matt Tuck gesanglich ran und bringt die melodische Note ins Spiel, wobei man aber kein Stück an Härte einbüßt. Ein Video gibt es zu dieser Ohrwurm-Nummer ebenfalls. Auch bei ‚Burn Alive’ darf das Oberhaupt von Bullet For My Valentine die gesangliche Nebenrolle spielen, hier bleibt die Songstruktur aber auf konstant hartem Niveau. Einige Gitarrenläufe dieses Tracks haben sogar ein wenig Melodic Death Metal-Charakter, die aber zum Ende hin wieder rockig aufgelöst werden. ‚Exochrist’, ebenfalls eine fette Midtemponummer, ist die bis dato rockigste Nummer auf „Vultures“ und hat gar etwas Tanzbares in sich. Pianoklänge sind in Mode und dürfen auch auf härten Alben einen Platz haben. Wer hier aber eine kurze Einleitung zur erneuten Apokalypse erwartet, wird eines Besseren belehrt. Zwar setzen abermals die fetten Gitarren ein, allerdings hält man den längsten Track der Rille erst einmal auf Streichelkurs. Selbst als die derbe Vocalisierung einsetzt, gibt es keinen Abgehfaktor. Der Einsatz von Synthies und zartem Cleangesang erzeugt eine dichte Atmosphäre und macht ‚Collide’ zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Aber nach der Ruhe kommt bekanntlich der Sturm und so vergessen wir das Geschmuse und preschen mit ‚Destroy’ wieder ordentlich nach vorn. Das der Name Programm ist, kann man sich denken, trotz dessen handelt es sich hier nicht um den härtesten Songs des Albums. Das erste, was einem bei ‚Blood Money And Lies’ entgegen hüpft, ist eine saugute Schlagzeugarbeit. Die Toms ballern und die Fußmaschine gibt das richtige Tempo vor. Auch bei der letzten Darbietung ‚Church Of Nothing’ darf das Schlagzeug den Anfang machen und den Schlussakt einläuten. Hingegen aber der Vermutung, es könne sich hier um eine Midtemponummer handeln, halten sich hier die schnellsten Zwischenspurts von „Vultures“ auf. Es kommt eben nicht immer nur das Beste zum Schluß, sondern manchmal geht es eben auch ganz schnell (hat das jetzt jemand verstanden?). Ob AXEWOUND nun von den betreibenden Musikern als kleine Unterhaltung, Zeitvertreib oder ernstes Projekt angesehen werden? Wir wissen es nicht. Jedenfalls macht „Vultures" eine Menge Fun und wird bei mir mit ziemlicher Sicherheit noch ein paar Mal rotieren. Einen Blitz ziehe ich aber ab, aufgrund der ungewissen Zukunft von AXEWOUND. Album-VÖ: 12.10.2012