Am diesjährigen Halloween-Abend, dem 31.10., stellte ein gutaufgelegter Zach Cooper, Bassist von COHEED & CAMBRIA, uns seine Zeit für ein sehr sympathisches Interview zur Verfügung, bevor es wenige Minuten später auf die Bühne ging… Okay, wie läuft die Tour mit Fighting With Fire bisher? Oh, eigentlich ist das unser erster Tag mit ihnen. Bisher läuft glaub ich aber alles gut. (lacht) Ich kannte sie bisher noch nicht, aber es scheinen alles gute Leute zu sein, es sieht also nach einer Menge Spaß aus. Wie seid ihr auf die Idee gekommen, die Liveshow in einen akustischen und einen elektronischen Part zu teilen? Ich glaube, COHEED & CAMBRIA haben das schon früher öfter gemacht. Es ist ein Weg, um der Show noch etwas Besonderes zu geben. In den Staaten haben wir mitten im Set den akustischen Part eingebaut und sind dann wieder elektrisch geworden, in Europa spielen wir erst das ruhigere Set und legen danach richtig los, einfach um diesen Wechseleffekt zu erhalten. Gibt es irgendwelche Unterschiede zwischen dem Touren in Europa und Amerika? Oh ja, es ist absolut unterschiedlich. Zuerst einmal sind die Busse sehr verschieden, natürlich auch die Sprachbarrieren, was sehr interessant und lustig ist. Es ist immer sehr spannend, hier zu sein. Was genau sind die Unterschiede bei den Tourbussen? Amerikanische Busse fühlen sich erst einmal größer an und ja, irgendwie ist es wie ein amerikanisches Klischee, die „big-headed Americans“, alles muss größer sein. Vielleicht fühlen wir aber auch einfach nur so. Dann gibt es noch kleine Unterschiede, die wir immer für selbstverständlich ansehen: unsere Telefone funktionieren hier nicht und man hofft immer, dass die Location Wi-Fi hat und man z.B. eine Mail an die Familie schicken kann. Es ist immer sehr interessant. Irgendwelche Unterschiede in der Crowd? Ich denke nicht unbedingt. In Amerika ist es schon manchmal verrückt, es gibt sehr ruhige Plätze, an denen wir versuchen, die Leute zu animieren und sie stehen nur rum und an anderen drehen sie einfach nur durch. … so wie auf der Neverender-Tour? Ganz genau! Hier denkt man aber, alle wissen: „Hey, wir werden gefilmt, lasst uns durchdrehen und wir sind auf der DVD!“ Das ist natürlich auch ein Plus. Werdet ihr etwas ähnliches wie die Neverender Tour in Zukunft machen? Es gibt Überlegungen, man spricht darüber, aber es gibt noch nichts Konkretes. Wann und wie bist Du ein Teil von COHEED & CAMBRIA geworden? Ich bin jetzt ungefähr ein Jahr bei der Band, seit November letzten Jahres. Es ist ein bisschen verrückt, ihr wisst ja, was mit Michael passiert ist. Also brauchten sie einen neuen Bassisten, mehrere Leute spielten vor, um jemanden zu finden, den sie mögen. Ich wohne ein paar Minuten von dem Ort entfernt, wo das neue Album aufgenommen wurde, Woodstock, New York. Dort war ich schon im Studio und kannte den Tontechniker Chris, der zunächst den Bass für das Album einspielen sollte. Er dachte wohl, er würde damit Interessenkonflikte auslösen und rief mich an. So spielte ich vor, dann rief mich die Band später wieder an, dann noch mal, dann noch mal… Es gab nie einen Punkt, an dem gesagt, wurde „okay, du bist in der Band“, es wuchs alles Stück für Stück sehr organisch zusammen. Der Manager rief mich an, um einen Song einzuspielen, später bekam ich Claudios Privatadresse und er wohnte nur eine halbe Stunde von mir entfernt, so fuhr ich morgens hin, wir tranken Kaffee und spielten gemeinsam ein paar Songs ein. Danach regelte ich alles direkt mit der Band und wurde häufig angerufen, ob ich den nächsten Tag ins Studio kommen wolle. Ich hatte einen Vollzeitjob zu der Zeit und fehlte regelmäßig drei bis vier Tage die Woche. Wie gesagt, es wuchs einfach zusammen. Nach „The Amory Wars“ und dem Prequel „Year Of The Black Rainbow“, worum geht es in “The Afterman”? “The Afterman” ist im Grunde eine Vorgeschichte der Vorgeschichte, in der Sirius das Keywork entdeckt. Er verlässt die Welt, für ihn sind es nur ein paar Stunden, auf der Erde sind es jedoch Jahre. Seine Frau denkt, er wäre tot und lebt ihr Leben weiter. Später kommt er zurück und findet sein zerrüttetes Leben vor, welches er versucht wieder in Ordnung zu bringen… Ähm… Ich glaube das ist es ungefähr. (lacht) Für Weiteres müsst ihr Claudio fragen. Auf jeden Fall ist es das erste Album, welches die Geschichte in chronologischer Reihenfolge erzählt. Welche Songs performst Du am Liebsten? Das ist schwer. Allgemein ist es wohl 'In Keeping Secrets'. Ich liebe diesen Song. Als das Album rauskam, war ich begeistert. Und den Song live zu spielen und zu sehen, wie die Leute abgehen, das ist klasse. Von den neuen Songs ist es 'The Afterman', ein softer Song, aber einer, der mich besonders lyrisch begeistert. Wie ist es in einer Band zu spielen, deren Geschichten wohl demnächst verfilmt werden? Es ist sehr interessant, momentan gibt es aber noch keine neuen feststehenden News. Claudio steht mit Leverage, der Produktionsfirma von Mark Wahlberg in Verbindung, die hoffentlich die Verfilmung machen wird. Es ist einfach unglaublich, momentan mit den Jungs auf der Bühne zu stehen und Claudio, der diese gigantische Story um sich herum gebaut hat. Wirklich toll, diese ganzen Entwicklungen mitzuerleben. Kannst Du uns ein paar Eindrücke des Aufnahmeprozesses von „The Afterman“ vermitteln? Es war ein spannender Prozess. Beim Vorspielen wurden nur neue Sachen gespielt, ein Song war 'Domino'. Ich hatte sie noch nie gehört und dachte einfach nur: „ Whaaat? Wie soll ich das machen? Ich muss jetzt was Cooles dazu spielen, diese vielen Parts…“ Später bekam ich für die nächsten Songs ein Demo von Claudio und wir trafen uns mit der ganzen Band bei ihm im Keller und arbeiteten an den Songs. Nun wurde diese ganze beängstigende, überwältigende Situation besser, Beziehungen wurden enger. So saßen wir eher locker gemeinsam im Keller, tranken Kaffee und übten. Dies war wie gesagt zu einer Zeit, wo ich versuchte, zwischen Job und Band einen Platz zu finden, an den ich gehöre, in den Songs so wie auch in der Gruppe. Es war ein sehr cooler Prozess, ich war ja der neue Typ und spielte den Bass ein. Ich bekam noch nicht Einblick in jedes Detail der Aufnahmen, später hörte ich dann die fertige Aufnahme mit Gesang und dachte nur: „Wow, das ist großartig!“ Alles noch ein bisschen aus der Fanperspektive, eine wirklich einzigartige Erfahrung für mich. Beste und schlechteste Aspekte am Touren? Am Einfachsten ist das Schlechteste, da ich eine Frau und ein Baby zu Hause hab und sie häufig nicht sehe. Das ist jedoch auch das Einzige, was schlecht am Touren ist. Das Beste ist natürlich mit drei der coolsten Jungs die ich kenne, Nacht für Nacht Shows zu spielen und um die Welt zu touren. In meinem alten Job wäre ich nie nach Deutschland gekommen. Ich meine, ich bin in Deutschland heute Nacht, das ist großartig!! Die Crew ist wie eine Familie geworden, die zusammen versucht, die Welt an sich zu reißen. Ich habe schon in vielen Bands gespielt, aber wir sind oft viele Stunden in kleinen Vans gefahren, um vor sechs Leuten ohne Soundcheck zu spielen. Es ist jetzt einfach ein Traum war geworden, hier zu sein. Das Ding heute ist bloß, dass unser Equipment nicht angekommen ist, wahrscheinlich wegen des Hurricans in New York. Wir mussten uns heute alle Instrumente in Hamburg ausleihen und damit auch die Setlist spontan umstellen, da z.B. Claudio keine Barritongitarre hat, die er für 'Domino' braucht. Es ist schade, den Song rauszunehmen, aber wir haben dafür den Akustikpart der Show ein bisschen verlängert. Ich kann’s nicht mehr erwarten, endlich zu spielen. Wir ebenso, vielen Dank für das Gespräch!