(Distiller / Rough Trade) Seit dem Release Ihres Debütalbums “Casually Dressed And Deep In Conversation“ vor nicht ganz 10 Jahren gehören FUNERAL FOR A FRIEND zu den weltweiten Speerspitzen des Post-Hardcore / EMO – Genres. Seitdem haben Sie ihre Fans immer wieder mit Sounds und Songs überrascht. Unzählige Hits wurden geschrieben und sie gelten vielen Nachwuchs-Bands als Vorbild. Mit “Conduit“ kommt nun Ihr sechstes Album samt neuem Drummer auf den Markt. Ist dies nun der von so vielen Fans geforderte gebührende Nachfolger des meisterhaften Erstlingswerks? Was bereits im Voraus auffällt, ist die Länge der CD. Keine 30 Minuten für 11 Songs – Es sieht so aus, als würden keine Gefangenen und keine unnötigen Stopps gemacht werden. Also anschnallen und Song 1 auswählen. Dieser, welcher auf den Namen 'Spine' hört, macht dem Hörer sofort klar, welche Band hier am Werk ist. Das Intro brennt sich gleich in mein Ohr - schöne Gitarrenmelodien werden von einem treibenden Schlagzeug und Bass vorangetrieben. Der Sänger Matthew Davies-Kreye setzt mit seinem typischen Gesangstil in der ersten Strophe ein, um dann unmittelbar in einen leicht hymmnenhaften Chorus überzugehen. Kaum wird das Ganze noch einmal wiederholt und durch einen wunderschön verspielten Mittelpart erweitert, ist der Song auch schon vorbei und lässt mich ganz benommen über das kraftvolle Werk zurück, doch ich hab keine Zeit dafür, denn schon klopft der 2. Song an die Tür. ’Conduit’ geht gleich von Beginn an in die Vollen. Ein Brett lassen hier Kris Coombs-Roberts und Gavin Burrough an den Gitarren los, dass einem die Spucke wegbleibt. Bass, Drums und Gesang untermalen und unterfüttern das ungestüme Voranpreschen nahezu perfekt. Am Ende gewinnt der knapp 2 Minuten lange Song noch durch einen Moshpart an Härte. Der nächste Song ’The Distance’ ist wieder sofort als FUNERAL FOR A FRIEND zu erkennen. Verspielte Gitarren treffen auf einen stampfenden Beat und super harmonierenden Gesang. Der Chorus lädt wieder mehr als ein, den Finger in die Luft zu strecken und lauthals mitzusingen. Hammer! ’Best Friends And Hospital Beds’ beginnt sehr punkig und gibt der ganzen Sache Schwung. Auch hier zeigt das Songwriting keinerlei Schwächen. Ein knackiger Chorus trifft auf einen verspielten Mittelpart, der dann soweit aufgepumpt wird, dass das Ganze noch einen ordentlichen HC-Einschlag bekommt. Ich bin begeistert. Ein Video hierzu kann im Netz in Augenschein genommen werden. Der nächste Song ’Nails’ beginnt recht sphärisch und könnte auch gut von 30 Seconds To Mars kommen. Das waren dann aber auch schon die Gemeinsamkeiten mit den Jungs. Es folgt eine drückende Strophe, welche durch treibende Bridge und Chorus eine Auflockerung erfährt. Ein etwas bedrückend klingender Song, der aber gut auf die CD passt und ein wenig Abwechslung bringt. ’Death Comes To Us All’ knallt gleich von Anfang an für FUNERAL FOR A FRIEND-Verhältnisse ohne Gnade los. Die Instrumentalfraktion haut ein Riff raus, welches auch härteren Moshbands gut zu Gesicht stehen würde. Matthew Davies-Kreye zeigt auch hier seine rauere Seite. Der Gesang ist meist an der Grenze zum Schreien. Alles wirkt mehr als stimmig, besonders am Ende wird nochmal ein schönes Rifffeuerwerk abgefeuert. Ein Highlight der Scheibe. Auch der nun folgende Song ’Travelled’ hat einen gehörigen HC-Einschlag. Schnelle Riffs treffen auf einen groovigen Chorus mit einem Hammer Basslauf. Nun wird wieder einen Gang raufgeschaltet. Alle Regler auf 11. Der Song ’Grey’ kommt heftig daher. In 2:13 min wird ordentlich aufgeräumt. ’Sun Less’ prescht im Intro genauso los, dies ändert sich allerdings gleich zu Beginn der Strophe, in der es durch den reduzierten Einsatz der Instrumente sehr gemäßigt bis locker zugeht. Allerdings sind spätestens im Refrain die Finger wieder in der Luft. Bereits nach dem ersten Durchlauf hatte sich dieser Song in meinen Gehörgang gefressen. Der vorletzte Song ’Elements’ ist der ruhigste Song der Platte, wobei der Begriff ruhig das ganze schlecht beschreibt, denn die Gitarren bleiben verzerrt. Allerdings zaubern sie hier eine nach der anderen Melodie und geben dem ganzen Song eine ganz eigene Stimmung. Bei ’High Castles’ wird aber das Gaspedal wieder durchs Bodenblech gedrückt. Harte schnelle Gitarren treiben den Song gnadenlos voran und Matthew gibt dem Ganzen die besondere FUNERAL FOR A FRIEND-Note. Der Song, welcher auch fast schon Metalcore-Anflüge zeigt, wurde bereits auf der EP “See You All In Hell“ veröffentlicht. Hier sind auch noch die Screams vom alten Drummer Ryan Richards zu hören. Ein mehr als würdiger Abschluss des Songs und der CD. Und ist dies nun der lang gesuchte Nachfolger?? Vorab – “Conduit“ ist für Fans ein Muss und weiß auch Neulinge sofort zu begeistern. Dennoch muss sich die Frage jeder selbst beantworten. Die fünf Jungs müssen weder sich noch anderen etwas beweisen und dies zeigen sie auch. Sie machen genau das, wozu sie Lust haben. Ich finde diese Spielfreude hört und fühlt man. Die Produktion ist fett, ohne dabei künstlich zu wirken. Alle Songs zünden gleich beim ersten Hören. Schwächen gibt es keine und so wird die CD noch einige Durchläufe machen. Album-VÖ: 08.02.2013 (Pic courtesy of Distiller Records)