(Universal) Pünktlich zum 20. Band Jubiläum bringen TOCOTRONIC ihr neues Album "Wie Wir Leben Wollen" auf den Markt. Wenigstens dieser runde Geburtstag ist ein Anlass zu Freude, denn beim reinhören in die gute Scheibe muss man schnell feststellen, das das mittlerweile 10. Studioalbum der drei Hamburg-Herren nicht ganz so viel Euphorie für sich einfahren kann. Worum geht’s: "Wie Wir Leben Wollen" beschäftigt sich textlich hauptsächlich mit dem Thema Körper und Befreiung. Diese Begriffe werde in verschrobene, skurrile und schrullige kleine Geschichten verpackt. Von oben, unten und überall beleuchtet. Natürlich ist der Band eine gewisse Lebenserfahrung gerade nach stattlichen 20 Jahren Bandgeschichte nicht abzuschreiben. Und natürlich bekommen wir bei TOCOTRONIC nicht auf dem Tablett serviert, wie wir denn nun leben wollen?! Bekannt für doch eher „intellektuelle“ Texte dürfen wir uns das aus den kleinen Anekdoten schön selbst zusammen friemeln, in der Hoffnung etwas Erleuchtung zu erfahren und nicht komplett in dem Wirrwarr sitzen gelassen zu werden. Nun gut, die Texte sind bei Tocotronic nun wirklich kein Grund zur Aufregung, dafür kennt man sie und mag sie. Naja zumindest mochte man sie dafür in den 90ern. Und ein kleines Schmunzeln darf sein. Musikalisch wandern TOCOTRONIC auf alt bekannten Pfaden. Für die Aufnahmen haben sich die Herren in den im Berliner Tempelhof ansässigen Candy Bomber Studios verschanzt. Ungewöhnlich ist die Technik, mit der sie im Studio gearbeitet haben. Dort lässt sich nämlich eine analoge Telefunken-T9-Vier-Spur-Tonbandmaschine finden und es sollte sich herausstellen, dass diese Gerätschaft der perfekte Partner für die neuen 17!!! Tracks sein sollte. Einige Unschärfen, ein wenig Hall hier und da, ein bisschen was Verschrobenes und schon wird zumindest der leidenschaftliche TOCOTRONIC-Fan ganz verzückt darüber sein, dass die Lieder dadurch wirklich an Klangqualität und Spannung gewonnen haben, um so noch stärker in den Genuss einzelner hervorgehobener Passagen zu kommen. Warum genau es jetzt siebzehn Stücke werden mussten, ist nicht ganz nachvollziehbar, andererseits gibt das Thema ne Menge an Stoff her und nach 20 Jahren hat man ja auch einiges zu berichten. Und so speziell dieses Album ist, und ich wette auch ganz bewusst sein will, die erste Single-Auskopplung 'Auf dem Pfad der Dämmerung' ist ein wirklich guter, harmonischer und eingängiger Pop-Song geworden. Schlussendlich gibt es dann doch wohl ganze zwei Gründe zu Freude. Album-VÖ: 25.01.2013 (Photo by Michael Petersohni)