(Indie Recordings) Eins vorweg - es gibt Bands, die liebe und achte ich für Ihre Beständigkeit. Wenn ein neues Bad Religion, Motörhead, Slayer oder AC/DC-Album erscheint, dann weiß man, was einen zu erwarten hat. Wenn auch mal mehr, mal weniger qualitativ gut, aber der Rahmen passt. INTEGRITY sind für mich die Motörhead des Hardcore. Und sowieso: Hardcore?! Irgendwie haben sie da nie so wirklich reingepasst. Aber sie waren dennoch nicht nur mittendrin, sondern vor allem auch prägend. Wenn man heute über 90er Jahre Hardcore spricht, dann fällt der Name der Cleveland-Band als einer der ersten. Ich muss das wissen, schließlich war es doch "Systems Overload", dass mir bei einer Gesangs-Audition den Job am Mikro unserer lokalen Hardcore-Allstars verschafft hat. Nach dem ersten Vers des Songs („Systems overloading, fear envelopes me, cry out for redemption, blind, forgotten - seen“) hatte ich den Job. hehehe... Aber zurück zu INTEGRITY, als eine der wenigen 90er-Helden sind sie auch immer noch aktiv, bzw. die Unterbrechungen waren nicht so langfristig wie bei Ihren Wegbegleitern dieser Zeit (und ex-Labelmates) wie z.B. Earth Crisis und Strife. Dass sind ja auch die Kollegen, mit denen die Begründer der „Holy Terror Church of Final Judgement“ auch in einem Atemzug genannt werden. Dabei könnte man nicht weniger Gemeinsamkeiten haben. Sicher, am Anfang der Band, also so um 1990 spielte Straight Edge auch noch eine Rolle für INTEGRITY, aber nicht für sehr lange. Düstere Themen, apokalyptsiche Visionen, ja auch satanische Anleihen fanden schnell Einzug in die Lyrics von Frontmann Dwid. Gutes Stichwort: Dwid „Hellion“ ist auch die einzige Konstante bei INTEGRITY, letztendlich IST er die Band, stilgebend sowohl im textlichen, graphischen, wie sicherlich letztendlich auch musikalischen Bereich. Es muss so sein, denn anders ist es nicht zu erklären, warum man auch über 20 Jahre nach der "Those Who Fear Tomorrow" so unverwechselbar ist. Klar, der schräge, eigenwillige Gesangsstil vom Meister ist eindringlich. Aber eben nicht nur der. Die durchgekrachten schiefen Solos, die ranzigen, alles platt walzenden Riffs, diese unnachahmliche Mischung aus Hardcore, Metal, Crustpunk und Noise ist und bleibt einzigartig. Daran haben auch die angeblich über 60 Musiker, die die Band schon durchlaufen hat, nichts dran geändert. "Black Heksen Rise" besteht nur aus zwei Songs, die auch schon auf einer Split 7“ mit Rot In Hell veröffentlich waren. Allerdings mit anderem Mix/Mastering. Diese 7“ stellt die Erstveröffentlichung auf dem feinen norwegischen Indie-Label Indierecordings dar, welches uns schon mit der neuen Cult of Luna, die Scheibe des Jahres 2013 (jetzt schon !!!) gebracht hat. Der erwähnte neue Mix ist grandios. Düster, apokalyptisch und unterstreicht die Stimmung der Musik perfekt. Für diejenigen, die sagen wir z.B. auf die neue Killswitch Engange warten, wird das hier soundtechnisch eine echte Herausforderung. So dermaßen roh und erdig und unmodern, wie es produziert ist. Das ist nichts, aber auch nun wirklich gar nix für alle Fans des gesichtslosen Neuzeit-Metal-Pop-wasweisich-Core. Der INTEGRITY-Sound ist Trademark, eher schon Kunstform und Teil des Gesamtbildes, dass diese Band auch 2013 auszeichnet. Einerseits unmodern, aber vor allem zeitlos - und zwar zeitlos gut! Wer über diese 7“ stolpert, kann bedenkenlos den gesamten Backkatalog ordern (okay, INTEGRITY 2000 war nicht so dolle...). Also, wieder eine 7“ mehr, zu der mittlerweile schon ziemlich unüberschaubaren Discographie. Ein neues Album wäre mal wieder angesagt, 2010 kam zwar "The Blackest Curse" raus, aber dafür hatten sie sich auch 7 Jahre zeit gelassen. "To Die For" ist immerhin schon von 2003. Im August wirds wieder dunkel in deutschen Clubs, wenn INTEGRITY on tour sind - denn „the lamb and the goat have finally fused as one“. Weil's keine neuen Songs sind, leichter Punktabzug. Album-VÖ: 08.02.2013