(Universum Spielfilm) 96 HOURS genießt Kultstatus! Die Kompromisslosigkeit, die Brutalität, mit der der Ex-CIA-Mann Bryan Mills (Liam Neeson) seine Tochter Kim (Maggie Grace) aus den Händen einer Mädchenhändler-Bande befreit, gehört zum Spannendsten, was in den letzten Jahren in der Riege der Revenge-Thriller über die Leinwand geflimmert ist. Mit gnadenloser Selbstjustiz-Härte gepaart mit einem Schuss 80er Jahre-Action-Kino Marke Stallone und Seagal und mit völligem Verzicht auf CGI-Effekten metzelt Mills die Menschenhandel-Mafia in Paris nieder, mit den bis dato satt und fett klingendsten Schussgeräuschen, die ich vernehmen durfte! Männerkino par excellence! Das letzte Mal, dass ich so mitfiebern konnte und den Bösen so das Ableben gewünscht habe, war damals bei Braveheart. Klar, dass Teil 2 vorprogrammiert war. Leider führte bei diesem Olivier Megaton Regie, der Typ, der bereits das komplette The Transporter-Franchise mit dem schlechten dritten Teil in die Grütze hat fahren lassen. 96 HOURS - TAKEN 2 nimmt sich Zeit, die erste Action kommt erst nach ziemlich genau 30 Minuten auf, bei einer Spielzeit von knappen 100 Minuten ist das ein recht langer Einstieg in die Materie! Zum Plot: Die Figuren sind bekannt, Bryan hat in Istanbul einen mehrtägigen Leibwächter-Job angenommen, seine Familie besucht ihn, die Familien der gefallenen Albaner aus Teil Eins wollen Blutrache und sind Bryan auf der Spur. Die erste Verfolgungsjagd beginnt, Bryan hat den Braten schnell gerochen und kennt sich scheinbar schon bestens in Istanbul aus, ein willkürlich gewählter Weg, den Lenore (Famke Janssen) als Fluchtweg wählen soll, beschreibt er ihr aus dem EffEff, sogar den Stoffladen am Ende der Gasse kennt er, als er bemerkt, dass Lenore und er verfolgt werden. Leider hat man Lenore und ihn kurze Zeit später in der Falle. Ein Telefonat darf er mit einer Waffe am Kopf seiner Frau noch führen, bei dem er Kim informiert, dass sie beide gekidnappt werden. Und ab da wird's echt unrealistisch(er). Bryan zählt auf dem Transfer in das Haus, in das sie verschleppt werden, die Sekunden, merkt sich, dass ein Mann singt, man auf ein Boot fährt, Hammer auf Metall, Vögel, Hundegebell, etc., Informationen, die er später seiner Tochter (per Mini-Handy, was er irgendwo am Bein getragen hat) mitteilt und die er später noch mal selber abruft, um ans Ziel zu gelangen. Vorher darf Kim noch mit ein paar Granaten von Daddy halb Istanbul in die Luft sprengen, um den Aufenthaltsort ihrer Eltern zu bestimmen. Hmmm, ich sag jetzt lieber nix mehr, ein wenig Spannung soll ja auch noch bleiben. Diese Dinge wirken wie nachträglich hinzugefügt, um eine scheinbar zusammenhanglose Sammlung von Schauplätzen zu verbinden, leider viel zu realitätsfern und hanebüchen. Aber auch einige andere Dinge sind strange und dienen scheinbar nur der Action. Man kachelt volles Programm mit einem Taxi in die amerikanische Botschaft, obwohl man die letzten Verfolger ausgeschaltet hat und hinterlässt einen Berg von Schrott. Die Liste an Fragwürdigem ist echt lang. Waren im ersten Teil noch alle Handlungsstränge wichtig für die Kontinuität, wirkt hier vieles wie am Reißbrett entworfen! "Hey, wir haben noch keine richtige Auto-Verfolgungsjagd!" "Stimmt..!" Kritzelkritzel... "Check!"... Schnarch! Zumindest ist der Film auf BD 5 Minuten länger, bei 1-2 Szenen, wo man sich im Kino noch fragend angesehen hat, fällt es dann auch auf! Waren damals wohl P.C.-Kürzungen aufgrund der Freigabe! Eine gute Standortbestimmung bei Filmen ist immer IMDB, da bekam der erste Teil noch 7,9 von 10 Punkten, Teil 2 schafft es dort nur auf 6,2! Und da würde ich ihn im 6-Blitze-Vergleich auch im Dreisatz anordnen, bei 3,5 Punkten nämlich! Teil Eins hätte noch fast volles Haus bekommen! Auch das Rachemotiv der Bösen ist irgendwie fragwürdig! Man will den Tod der Brüder, Söhne, Enkel, etc. rächen, die Mills in Teil Eins dahingerafft hat, entführt und quält aber im Gegenzug Frauen, die man darüber hinaus auch noch verkauft und die ja auch die Töchter, Schwestern, etc. einer anderen Person sind. Hallo? Super mit zweierlei Maß gemessen! Nervt! Klar kann man 96 HOURS - TAKEN 2 noch gucken, im direkten Vergleich zum Vorgänger stinkt er aber größtenteils nur ab und man wünscht sich für Teil 3 (irgendwer MUSS doch noch zu entführen sein!) einen besseren Drehbuchautoren und Regisseur! DVD/BD-Verkauf: 15.03.2013