(Victory Records / Soulfood) Die selbstbetitelte „The Band you love to hate“ ist zurück und der Trend, jedes Jahr ein neues Album zu veröffentlichen, wird von THE BUNNY THE BEAR mit "Stories" weiterhin aufrechterhalten. War das erste Album "If You Don’t Have Anything Nice to Say" etwas ziemlich Neues und wurde entweder komplett in der Luft zerrissen oder dafür gelobt, dass es ein neues Musikerlebnis war, wirkte "The Stomach For It" wie eine schnell zusammengeschusterte Fortsetzung ohne Überraschungen. Warum sich aber auch eingefleischte Fans den Kauf von "Stories" überlegen sollten, soll hier begründet werden. Als erstes muss wohl gleich etwas festgestellt werden: Waren die zwei ersten Alben ganz klar Metalcore-Alben mit Tranceeinflüssen, handelt es sich bei dem vorliegenden Album eher um ein Trancealbum mit Rockeinflüssen. Bereits beim ersten Song 'Eating Disorder' wird die neue Marschrichtung deutlich. Wer Gitarren hören will, muss schon ziemlich genau hinhören, man hört eigentlich nur einen elektronischen Dancetrack mit einigen Drumschlägen, zu dem die Cleanvocals des Bären ganz gut passen. Das hat allerdings zur Folge, dass das Shouting und Growling des Hasen aufgrund der fehlenden Härte zum ersten Mal recht deplatziert wirken. 'In Like Flynn' ist die erste Singleauskopplung des Albums und erschlägt einen gleich am Anfang mit seinem prolligen Technobeat und gegen Mitte des Songs gibt es sogar Gitarren zu hören. Zu 'Hey, Allie' gibt es auch nicht mehr zu erzählen. Ganz im Gegensatz zu 'It’s Not Always Cold In Buffalo', welches noch eine passende Frauenstimme und durchgehende Gitarrenklänge bietet und dabei Growls und Shouts komplett außen vor lässt. Das Ergebnis ist ein eher ruhiger, aber immerhin stimmiger Track. Darauf wird es mit 'Another Day' wieder sehr elektronisch, aber der Hase singt hier fast nur clean und man merkt, so funktioniert das Stück wenigstens als Tanzmusik. War man sich gewiss, dass sich das Album nun langsam aber sicher einspielt, kommt auch schon 'The Frog' daher. Elektronische Klänge und fast nur Growls und Shouts tun hier alles, nur nicht harmonieren. Ein fast schon nerviger Song ist das Ergebnis. 'Melody' hat wirklich eine gute Melodie, die zumindest bei Elektronikfans Anklang finden dürfte. So gefällt vor allem der Refrain und der Ausklang; aber genau wie im darauf folgenden 'Imagine': Hätte der Hase nicht dazwischen gekreischt, wäre es besser gewesen. So und nun wird’s verrückt: Mit 'Your Reasons' befindet sich nämlich tatsächlich ein richtig toller Song auf dem Album. Melodie und Refrain gehen sofort ins Ohr und werden da auch länger bleiben. Es handelt sich um recht verträumte elektronische Klänge, der Hase singt nur clean und am Ende überrascht uns ein Gitarrensolo. Wer hätte das gedacht. In dieser Form weiß auch der überarbeitete Stil durchaus zu überzeugen. Gewohntes gibt es dann mit 'What We’re Here For': Stark elektronisch und Hase klingt ohne Gitarrenklänge, als ob er gerade abgestochen werden würde. Zum Abschluss wissen die zwei Herren allerdings noch einmal zu überraschen. In 'Sadie' hört man ein Klavier, sehr ruhigen Gesang, auch die elektronischen Klänge werden etwas zurückgefahren und es kommt eine Akustikgitarre zum Einsatz. Das Ergebnis ist ein schnörkelloser Popsong. Wer hätte das erwartet? Die "Stories", die THE BUNNY THE BEAR zu erzählen haben, lassen einen ziemlich zwiespältig zurück. Als erstes wird man geschockt sein, wohin die Metalcore-Einflüsse verschwunden sind und das Album wahrscheinlich verteufeln. Nur bewertet man ein Album nicht nach dem einmaligen Hören. Hat man sich nämlich damit angefreundet, dass es nun mal eher ein Dancealbum ist, wissen auch diese Songs zu gefallen. Zumindest so lange, bis der Hase wieder anfängt: Denn eins muss die Band einfach einsehen, Shouts und Growls passen einfach nicht in den neuen Stil. Als Hintergrundmusik mag das Album noch gewisse Qualitäten haben, aber live gezielt auf solche Songs zu rocken, sollte schwierig werden. Vielleicht wollten die zwei ja auch nur die Zielgruppe der Discogänger für sich erschließen. Da ist es fast schon schade, dass ein gelungener Track wie 'Your Reasons' sich den Platz mit einem Desaster wie 'The Frog' teilen muss. Sollte nächstes Jahr gemäß den Erwartungen Album 5 folgen, ist es bestimmt interessant zu sehen, in welche Richtung es dann weitergeht. Wenn es in die eingeschlagene sein sollte, kann die Band auch gleich zu dritt also mit zwei Sängern und einer Person am Turntable auf Tour gehen. Allerdings könnte man sich dann auch gleich vom Mann hinter der Hasenmaske verabschieden. Da dies nicht der Sinn der Sache sein kann, hoffe ich einfach mal, dass "Stories" nur ein Konzeptalbum darstellt. Anspieltipps: 'Your Reasons', 'Sadie' Album-VÖ: 19.04.2013 (Pic courtesy of Victory Records)