(Island / Universal Music) Nicht wenige Punk Rock-Fanatiker werden dem VÖ der neuen FALL OUT BOY mehr als nur entgegengefiebert haben. Da "Save Rock And Roll" mit viel mehr Beats und noch mehr Elektro-Spielereien aufwartet, sind die Meinungen zum 11 Song umfassenden Werk allerdings zwiespältig. Doch schon das letzte Werk "Folie à Deux" war eine Gradwanderung hin zu großen Arrangements, R'n'B-Anleihen und pompösen Chorus-Einsätzen. Wer diese Kehrtwendung vom Punk Rock nachvollziehen konnte und die Platte mag, der wird auch mit dem neusten Streich keine Probleme haben. Wer allerdings den Titel zu wörtlich nimmt und eine Rock-Keule erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Doch was zählt sind Stücke mit Herzblut, die sich fest im Langzeitgedächtnis verankern! Und kann dies "Save Rock And Roll" leisten? Zunächst wird der geneigte Hörer erstmal überrascht. Das Intro zu 'Phoenix' kennt man von einem deutschen Künstler. Und richtig, Peter Fox verwendete den gleichen Streichereinsatz in seinem Hit 'Alles Neu'. Aber auch der war geklaut/gesampelt aus dem 4. Satz. der 7. Symphonie von Dimtri Shostakovich aus dem Jahre 1941. Was darüber hinaus sofort auffällt, ist das elektronische Schlagzeug, und der stark reduzierte Gitarreneinsatz bzw. der gesteigerte Einsatz von Gitarren-Synthis. Diese Stilmittel ziehen sich wie die auf Pop getrimmten Gesangs-Arrangements durch das ganze Album und bringen die Band damit in die Nähe ihres Idols Michael Jackson, den sie ja unlängst gecovert haben. Doch damit verabschiedet man sich auch fast völlig vom Rock And Roll, den man doch retten wollte. Track Nummer zwei 'My Songs Know...' bietet noch mehr künstliche Töne und erinnert vom Aufbau an eine Rihanna-Nummer. Und auch 'Alone Together' ist trotz druckvollerem Gitarreneinsatz moderner Pop pur. 'Where Did The Party Go' und 'Just One Yesterday' beginnen wie White Stripes-Songs, kokettieren mit Blues-Einsprengseln, wandeln dann aber ebenfalls auf Dancefloor-Pfaden. Kein Wunder, wenn bei 'The Mighty Fall' dann Rapper Big Sean zu hören ist. Der Einsatz im Mittelteil klingt allerdings sehr gewollt und aufgesetzt. Diese Kollaboration schreit nach Big Money und weniger nach künstlerischen Aspekten. 'Miss Missing You' ist Pop pur und ist recht belangloses Liedgut. 'Death Valley' nimmt dann zum ersten Mal richtig Fahrt auf, wird aber durch den four on the floor Beat eine Disco-Tanznummer mit wenig Gesicht. 'Young Vulcanoes' startet als schöne Akustik-Ballade, wird dann aber ebenfalls mit einem typischen Tanz Rhythmus unterlegt. 'Rat A Tat' mit Courtney Love ist eine typische Rock Nummer, die geradezu nach realem Schlagzeug und Gitarre schreit. Dieser Schrei bleibt aber ungehört und so plätschert das Duett vor sich hin. Der Abschluss 'Save Rock And Roll' ist ebenfalls eine Zusammenarbeit. Diesmal mit Elton John himself! Doch auch der kann kein 'Saturday's Allright For Fighting'-Feeling entfachen und so ist die Nummer eine Hymne mit Disney Film-Charakter. Wenn sich FALL OUT BOY ein wenig von Bands wie Foo Fighters oder Biffy Clyro inspirieren lassen würden, hätte das Ergebnis eine richtig gute Rockplatte sein können, so kann man eher attestieren, dass die vier den Rock And Roll getötet haben. Einige gute Ideen und tolle Refrains sind vertreten aber hier kickt nix und kein ROCK-Gefühl will sich einstellen. Wer gerockt werden will, legt lieber "From Under The Cork Tree" auf und weiß sofort, wie sich echte Herzblut-Songs anhören... Das hier klingt viel zu steril und lieblos! Amen! Album-VÖ: 12.04.2013 (Photo courtesy of Universal Music)