(Mascot Records) “I’ve seen the future of Rock’n’Roll and its Tracer.” – Planet Rock Das ist mal eine gewagte Ansage. Ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt. Aber - je weiter man sich in der Tracklist dieser Platte vorarbeitet, sich von dieser Musik catchen lässt, desto nachvollziehbarer wird die oben genannte Aussage schon etwas... Das zweite Studioalbum der australischen Power-Rock’n’Roll Band TRACER heißt "El Pistolero". Inspiration für den Albumtitel habe man sich übrigens vom Rodriguez-Streifen Desperados geholt. „Der Film ähnelt dem, was wir tun: er ist laut und schrill.“ Laut würde ich unterstreichen. Stoner- und Powerrock sind immer laut! Vor allem live werden wohl jedem Konzertbesucher die Ohren schlackern. Man sagt, dass sie für drei Leute einen Haufen Lärm auf der Bühne machen sollen. Mit dem „schrill“ habe ich so meine Probleme; ist schrill nicht eher schnell, verrückt, wild, undurchsichtlich, unkontrollierbar? Hat „schrill“ nicht auch immer etwas leicht Negatives? Etwas, das einem schnell auf den Zeiger geht, weil jemand zu hoch singt z.B.? Wenn die Songstruktur so verwirrend ist, dass sie einen kirre macht? Denn dann sind TRACER nicht schrill. TRACER sind fett. Punkt. Der Sound ist durch die Bank weg stonerrockig, die Gitarrenklänge abgöttisch gut und auch sonst gibt es nichts zu motzen. Ich finde nichts. Und ich motze sonst leidenschaftlich gerne. Bislang wurden die Australier mit hochkarätigen Acts wie Soundgarden, Queens Of The Stone Age, Pearl Jam oder den Foo Fighters verglichen. Einen Chris Cornell-Touch hat die Stimme des Sängers Michael auf jeden Fall. Manchmal klingen beide sogar erschreckend ähnlich. Der Soundgarden (vielleicht auch Audioslave)-Vergleich ist also durchaus nachvollziehbar. Höchsterfreulich finde ich die Tatsache, dass auf "El Pistolero" kein Einheitsbrei zu finden ist. Die abwechslungsreiche Tracklist macht Spass, weil man von eben den Stonerrockhymnen, wie sie im Buche stehen, bis hin zu gefühlvollen und dennoch kräftigen Balladen wie 'Scream In Silence' alles geboten bekommt. In den letzten Monaten habe ich selten so eine bunte, unterschiedliche klingende und kreative Platte vorliegen gehabt! Produzent Kevin Shirley (Led Zeppelin, Iron Maiden, Slayer) hat gute Arbeit geleistet; er hat zusammen mit der Band ein Album erschaffen, dass den rockigen Sound des 21. Jahrhunderts repräsentiert. TRACER spielen und leben Rock’n’Roll, wie er ursprünglich gedacht war: heiß, laut und schweißtreibend. Es gelang ihnen, die Energie der vielgepriesenen Liveperformances in gerade einmal sieben Tagen im Studio einzufangen und auf Platte zu bannen. Besondere Leckerlis sind für mich Opener 'El Pistolero'. Des Weiteren lohnen sich 'Scream In Silence', 'There’s A Man' und 'Until The War Is Won'. Alle anderen Songs sind ebenfalls toll, aber die hier genannten Beiträge sind noch ein bisschen besser, weil, weil... ach, weil: einfach geil! Wenn so die Zukunft klingt, dann freue ich mir jetzt schon einen Ast! Wer die außergewöhnlichen Liveperformer TRACER live erleben möchte und unbedingt frenetischer Jubelperser sein will, fährt am 05. Juni in die Hauptstadt – da spielen die Australier nämlich im Magnet Club in Kreuzberg. Hin! Album-VÖ: 26.04.2013 (Photo by Bjwok)