(Bridge Nine) Der Herr Chefredakteur (aka His Zöselness) jubelt mir doch immer wieder die ein oder andere schöne Platte zu, die sonst leider nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommen hätte, die sie verdient hat. Auch wenn OCTAVES mit ihrem zweiten Longplayer vermutlich nicht über einen Geheimtipp-Status hinwegkommen und nicht als große Bombe einschlagen werden - ihr solltet auf jeden Fall ein Ohr riskieren. Grundsätzlich gilt ja schonmal: wenn es auf Bridge9 rauskommt, kann es gar nicht schlecht sein. Allerdings sind die fünf Jungs aus Baltimore weit entfernt vom „klassischen“ Bridge9-Sound, insofern vielleicht doch erst mal weiterlesen. Was wir hier zu hören bekommen, hat nix mit H2O, Champion oder Terror zu tun, sondern liegt klanglich eher im Bereich „the Wave“ - ist also eher so ne Art Hipster-Sound des Hardcore. Ordentlich verkopft, schräg, und nach Soziologie-Studium klingende Songtitel. Klingt jetzt negativer von mir geschrieben, als ich es tatsächlich meine. Denn "Which Way The Wind Blows" ist tatsächlich ein schönes frisches Stück alternativer Underground Musik. Stark beeinflusst vom DC / Discord Sound, geprägt von Bands wie Scream oder Rites Of Spring, grooven sie sich durch die Songs der Longplayers. Acts der Gegenwart, die sich als Referenz zurate ziehen lassen sind am ehesten La Dispute - also eben eine der „the Wave“ Bands - um die mittlerweile abgehalfterte und ohnehin nie ganz ernst gemeinte Genre-Bezeichnung mal wieder zu bemühen. Ähnlich wie Jordan Dryer von La Dispute wechselt auch Phil Foslers Gesang permanent zwischen hohen und tiefen Tonlagen und verleiht dem Ganzen einen sehr eindringlichen, teilweise leicht panisch (manisch?) anmutenden Touch. Allerdings findet das Ganze hier die ein oder andere (...ähäm...) Octave tiefer statt und wirkt dadurch weniger verschreckend beim ersten Durchhören. Gewöhnungsbedürftig ist es allemal. Richtig großartig sind Bass und Drums, sehr sehr fett und treibend zimmern sie ein Grundgerüst für die teils sehr schrägen und eben aber sehr eigentständigen Gitarrenriffs. Ein Song wie 'Mister' ist ein Paradebeispiel dafür. Bei 'Tax Break' geht es zwischendurch auch mal verhaltener mit akkustischen Gitarren los, was dem Gesamtbild des Longplayers entgegen kommt. Unter Strich bleibt zu sagen, dass die Platte eine lohnende Sache für alle diejenigen ist, denen bei oben genannten Bands das Moleskine-Notizbuch vor Zittern aus den Händen fällt und die unter Post-Hardcore eben kein Disco-Elektro-Gefiepe verstehen. Leider könnten die Songs teilweise etwas besser im Ohr hängen bleiben, wenn Sie schon so sperrig sind, daher gibt es auch nur 4 Punkte. Die sind aber durchaus wohlwollend und zukunftsweisend gemeint. Album-VÖ: 26.04.2013 (Photo courtesy of Bridge Nine)