(Absentee Recordings/Warner) Knapp zwei Jahre nach Ihrem Erfolgs-Album “The Cold Still“ steht nun der Nachfolger “Promises“ in den Regalen. Die vier London-Boys haben hierbei keinen geringeren als Billy Bush (u.a. Garbage) an die Regler gelassen. Kann er die Musik auf ein neues Level heben und die außergewöhnliche Stimme von Sänger Nathan Nicholson ins rechte Licht setzen, um sie vom Szenetipp zur Genregröße à la Editors aufsteigen zu lassen? Die Latte liegt mit “The Cold Still“, welches mehrere Hits (z.B. 'Step Out of the Car') enthielt, ordentlich hoch. Die ehrgeizigen Ambitionen sind bereits beim ersten Songs 'Diamonds', welches auch gleich die erste Singleauskopplung samt Video ist, erkennbar. Ein luftiges Soundgewand aus sehr reduzierten Gitarren mit ordentlich Delay lässt viel Raum für den Sänger, den er hier sehr gekonnt nutzt und ausfüllt. Der Song lädt durch das Sphärische sofort zum Träumen ein. Ich bin sofort hingerissen und begeistert. 'Fragile' kommt vom ersten Ton sehr viel elektronischer / keyboardlastiger daher. Der Beat lädt bereits nach kurzer Zeit zum Tanzen ein. Zum Teil gerät hier die prägnante Stimme in den Hintergrund, was allerdings nicht all zu störend auffällt. An die Qualitäten des Openers kommt er allerdings nicht ran. Der dritte Song der CD, welcher auf den Namen 'Always' hört, kommt mir schon fast zu arg auf Hit poliert daher. Es klingt alles zu glatt und düst an einem vorbei, ohne Spuren im Kopf zu hinterlassen. Ein typischer Pop-Song, welcher der Band nicht optimal zu Gesicht steht. 'Take Me Back' kommt wieder sehr elektronisch um die Ecke – der Refrain wird von Nathan in Kopfstimme gesungen, was hier sehr gut mit dem Rest harmoniert, das letzte Drittel des Songs ist instrumental gehalten. Ein guter Song, der zum Tanzen nur so einlädt. Mit 'Low' sind wir nun bei Song Nummer 5 angekommen. Hier wurde der Stimme wieder ihre nötige Luft im Soundgewand gelassen. Dadurch bekommt der Song eine wunderschöne luftige Atmosphäre, die zum geistigen Entschwinden einlädt. Diesen Zustand kann der nächste Song 'Keep Moving' halten und ausbauen. Strophen und Refrain sowie Stimme und Instrumente ergänzen sich wunderbar. Einer der Ausreißer nach oben auf der CD! Nun folgt persönlich gesehen für mich der schwächste Song der CD, 'New York'. Er plätschert trotz energisch gespielter Toms an mir vorbei und kann die Stimmung der zwei vorangegangenen Songs nicht weitertragen. schade eigentlich. Der Song 'Safe House' kommt erst nach gut einer Minute in Fahrt, fährt dann allerdings so einiges auf (z.B. Glockenspiel), um den Hörer in seinen Bann zu ziehen. Zum Ende hin steigert sich der Song um eine Textzeile, um dann ruhig zu enden. Wirklich schön gemacht. Schon der Titel 'You Belong To Me' lässt eher auf einen ruhigen Song deuten. Und so ist es dann auch. Recht ruhig und seicht läuft der Song an einem mehr oder minder vorbei. Für echte „Gefühle“ klingt er mir wieder zu glatt und durchproduziert. 'Dream' und 'Promises' schaffen es dann auch leider nicht mehr, mich wieder ganz in den Bann zu ziehen. Es klingt zum Teil etwas zu verkrampft, wobei die doch leicht Bombast-Anleihen bei 'Promises' gefallen. Im Vergleich zur ersten Singleauskopplung fallen sie jedoch leider ein klein wenig ab. Die knapp 44-minütige CD weiß durchaus zu überzeugen und zu begeistern. Ob die Latte übersprungen werden kann und ob sich nun der kommerzielle Erfolg einstellt, kann und will ich weder bejahen noch verneinen. Die CD benötigt aber einige Anläufe und zündet nicht auf der ganzen Linie beim ersten Durchlauf. Album-VÖ: 17.05.2013 (Photo by Vincent Dolman)