(End Hits Records / Cargo Records) Da ist er wieder, der altbekannte Junge. Und bereit, ein weiteres Feuer zu legen. Fragt sich nur, was für eins? Ein Stroh- oder Fegefeuer? Und was hinterlässt der neue Silberling? Brandgerodete Erde oder nur ein störendes Brandloch im Teppich? Aber genug der auf der Hand liegenden Metaphern und auf zum Album! Mit ''While A Nation Sleeps…'' melden sich BOYSETSFIRE nach sieben Jahren musikalischer Abstinenz, Auflösung, Nebenprojekten und Reunion wieder zurück und verweisen mit dem Titel sogleich auf die Anfänge der Band, in denen sie Flyer mit dem Aufdruck 2While America Sleeps2 verteilten. Nun schauen wir mal, ob sie mit ihrem sechsten Longplayer an wegweisende Alben wie ''After The Eulogy'' anschließen können. Keine leichte Aufgabe als eine der prägenden Bands der letzten 19 Jahre… 'Until Nothing Remains' eröffnet den Reigen mit etwas, was man noch häufiger in den kommenden 48 Minuten hören wird: Auszüge der Charlie Chaplin-Rede aus dem großen Diktator, welcher den moralischen Faden des Machwerks vorgibt. Nach einer kurzen Einleitung überlässt Charlie dann aber doch Ausnahmefrontmann Nathan Gray die Bühne, der recht erzürnt aus dem Hintergrund daherkommt, um dann in einem Oldschool-Hardcore Gewand aufzugehen und in der Folge zu zeigen, was BOYSETSFIRE ausmachen und immer ausgemacht haben: einen Mix aus Hardcore und punkigen Riffabfolgen, gepaart mit der Power aus Nathan Greys Kehle, entweder schnörkellos rausgeschrien oder als absolut prägnant cleanen Gesang hervorgebracht. Der Opener hat davon alles! 'Closure' wurde schon zuvor als Musikvideo verewigt und klingt nach "Ach, lasst uns jetzt mal einen Hit schreiben"!. Die Leadgitarre nimmt einen bei der Hand und man muss nur noch folgen. Eingängig, Singalong, wunderbar! Nun darf wieder geshoutet werden, denn 'Heads Will Roll' hält, was er verspricht und trabt kurz und knapp nach vorne und macht den Weg frei für 'Phone Call'. Ein Stück, welches eine gewisse Schwere aufkommen lässt und durch steigende Gesangsmelodien besonders in Bridge und Refrain glänzen kann. Zurück zum Hardcore mit 'Everything Went Black', düster und angepisst, da gibt’s nichts weiter zu sagen und auch nichts zu meckern. Melodischer wird es wieder mit mit 'Save Yourself', schöne Rocknummer, aber da kommt noch mehr. 'Reason To Believe' bringt nämlich genau diese eigene Melancholie rüber, die irgendwie nur BOYSETSFIRE drauf haben, schöner Song! Aber das alles wird sofort wieder von 'Far From Over' platt gemacht. Ich weiß nicht genau warum, aber dieser Hammer lässt mich nicht mehr los. Könnte daran liegen, dass Nathan Gray einem jedes Wort gnadenlos ins Gesicht peitscht. Kleiner Tipp: Super nach einem stressigen Tag auf der Arbeit, danach geht’s wieder! Ein weiteres Highlight des Albums liegt mit 'Let It Bleed' vor, geht gut ab und hat Tendenz dazu, den ganzen Tag im Kopf herumzuschwirren. Man hat nur wenig Chance, sich dem zu entziehen. Auf Platz zehn finden wir eine wirklich schöne BOYSETSFIRE-Ballade, 'Never Said'. Genau richtig gesetzt, bevor 'Wolves Of Babylon' wieder brachialere Wege einschlägt. 'Altar Of God' ist mit knapp sechs Minuten der längste und auch gewaltigste Song von ''While A Nation Sleeps...''. Schöner Aufbau, super Refrain, langes Interlude mit erneutem Aufbau und feinem Solo, lehrbuchmäßig! 'Prey' rundet das Ganze etwas schleppend, aber nicht weniger gut als die Vorgänger mit versöhnlicher Soundkulisse ab und verschwindet klammheimlich in den eben noch hämmernden Boxen… Was bleibt dem Hörer nun am Ende? Ich schließe mit der Anfangsfrage und sehe unglaublich deutlich von einem Fegefeuer brandgerodete Flächen vor mir! Das Album macht an jeder Ecke Spaß und bietet regelmäßige Abwechslung. Auch nach Auflösung und Reunion nebst Nebenprojekten zeigen BOYSETSFIRE wieder einmal, dass nichts am Original vorbeikommt. Kaufen, hören, noch mal hören, Tickets zulegen, live umhauen lassen! Album-VÖ: 07.06.2013 (Pic courtesy of Uncle M)