(Columbia Records) "The world is up if you`re tough enough!" (Liam Gallagher - 'Second Bite Of The Apple') Im letzten Drittel der Neunziger Jahre war ich, leider viel zu kurz, in der Heimatstadt der damals größten Band der Welt, den Königen des Britpops. Ja, die Rede ist von Manchester (auch gerne mal Madchester genannt) und natürlich von der Band um die Gallagher - Brüder Noel und Liam -, Oasis. Sieben Studioalben später und auch sicherlich nach diversem,verbrauchtem, weißem Pulver, gehören Oasis, bekanntlich seit mittlerweile fast 5 Jahren,leider der Vergangenheit an. Die Gallagher-Brüder gehen seitdem getrennte musikalische Wege. Seit Freitag, 07.06. ist nun das zweite Album von BEADY EYE, schlicht "BE" betitelt,am Start. Auffällig gut klingt die Band um Liam Gallagher (der über sich selbst vor einigen Jahren sagte, es gebe Elvis und ihn und er könne nicht sagen, wer der Bessere sei) auf ihrem neuen Album "BE". Die Wahl des Produzenten Dave Sitek (selbst ein Teil von TV On The Radio) der zuvor schon Kelis und die Yeah Yeah Yeahs produzierte, erwies sich meines Erachtens als Glücksfall. So soll Sitek bei den Aufnahmen des neuen Albums "BE", unter anderem iPhone Apps, Musikkassetten und Protools eingesetzt haben. Besonders bereichernd wirken sich die von Sitek angeregten Bläser auf das Album aus. Die eingesetzten Brass-Sektionen sind insbesondere beim Vorabsong 'Flick Of The Finger' und der ersten Single 'Second Bite Of The Apple' fast schon elementare Bestandteile. Der vor über 200 Jahren verstorbene französische Publizist und nun von der Occupy-Bewegung wiederentdeckte, Jean Paul Marat, ist am Ende des wirklich starken Openers 'Flick Of The Finger' mit seiner Vorhersehung, dass dereinst eine Elite aus marmonen Banken heraus mit Massenvernichtungswaffen die Revolution niederschlagen könnte, zu hören. Generell, so mein Eindruck, zeigt "BE" hauptsächlich in der ersten Hälfte seine Stärken. Das eher ruhigere 'Soul Love', welches seine wahre Größe erst nach mehrmaligem Hören zeigt, profitiert, wie das ganze Album, vom recht cleanen, aber auch rauen und erfreulich effektarmen Gesang von Gallagher. Dieses könnte vielleicht eine der nächsten Singles sein. Es endet in einem langen,schön wabernden, leicht psychedelisch angehauchten Outro, welche übrigens auch noch an anderen Stellen der Platte vorkommen. Das folgende, druckvolle 'Face The Crowd' schreit darauf, live erlebt zu werden. Die aktuelle Single 'Second Bite Of The Apple', wieder mit tollen Brass-Bläsern, allerdings einer eher schwächeren Gesangsleistung von Herrn Gallagher auf diesem Album, sowie die Ballade 'Soon Come Tomorrow', zählen ebenso zu den Highlights von "BE". Danach folgt das eher durchwachsene und uninspirierte, nach „komm wir schunkeln mal im Pub“ wirkende 'Iz Rite'. Jay Mehler, Andy Bell, Gem Archer, Chris Sharrock und Liam Gallagher polierten den tollen "What's The Story Morning Glory"-Riff scheinbar nochmal auf und machten daraus 'I'm Just Saying', was mich, wie das darauf folgende 'Don't Brother Me', nicht so recht zu überzeugen weiß. Mit 'Shine A Light', dem intimen 'Ballroom Figured' und insbesondere 'Start A New', welches in einem Wall of Sound-artigen Finale das Album ausleutet, findet "BE" wieder zur Stärke seiner ersten Hälfte zurück. Insgesamt ist "BE" ein wirklich gut klingendes Album geworden. Ein Album mit einigen wirklich guten Songs. Allerdings nur Einigen. Mr.Gallagher, der laut neueren Berichten der britischen Regenbogenpresse, auch mal gerne nicht ganz nüchtern auf einem Hund im Pub reitet, streckt (so meine Interpretation) bei 'Don't Brother Me' seinem älteren Bruder vielleicht schon eine Friedenshand entgegen: "Come on now give peace a chance / Take my hand, be a man." Mal sehen, was die Zukunft bringt! Album-VÖ: 07.06.2013 (Photo by Nick Griffiths)