(Epitaph Records) Als ich mit ‚Alone’ die erste Auskopplung ihrer neuen Scheibe hörte, waren mir FALLING IN REVERSE gleich ans Herz gewachsen. Als Mann der Mode und immer auf der Suche nach neuen Trends und Inspirationen, begrüße ich auch in der Welt der guten Musik neue und stilistische Wandlungen. Natürlich müssen diese gut gemacht sein und meinen hohen Standard der Unterhaltung grundsätzlich erfüllen. Nun flattert mir mit „Fashionably Late“ der komplette Erguss der Mannen aus dem US-Bundesstaat Nevada ins Haus. Mal schauen, wie der Cocktail aus Post Hardcore, Elektro, Punk und Hip Hop mundet. Mit ‚Champion’ starten wir in die erste Runde und bekommen waschechten Post Hardcore mit viel Melodie im Chorus serviert. Die treibenden Drums fallen hier besonders prägnant ins Gewicht und gegen Ende kommt dann auch noch die neu definierte Hip Hop-Attitüde dazu. ‚Bad Girls Club’ hingegen schlägt in eine andere Kerbe. Hier regiert, wie der Titel vermuten lässt, das weibliche Geschlecht. Dazu gesellen sich Nintendoklänge und Bloodhound Gang-artige Anlagen. Das Ganze wirkt zwar ein wenig aus dem Kontext gerissen, wird aber sicherlich ein Live-Spaßkracher. Mit ‚Rolling Stone’ verwischen die Grenzen zwischen dem ersten und zweiten Song ein wenig, erinnert auch ansatzweise ein wenig an Blessed By A Broken Heart, ohne allerdings deren endgültige Klasse zu erreichen. Der Titelsong ‚Fashionably Late’ war die zweite Katze, die aus dem Modesack gelassen wurde und lässt nicht nur den Teufel den Prada tanzen. Melodischer Punk trifft auf Ohrwurmpassagen und eine Menge Swing. Das macht Spaß und Party gleichermaßen. Der Eingangs erwähnte Song ‚Alone’ ist richtig gut und das Video dazu leider gar nicht. Hier hätte Ronny Radke ein bisschen weniger Ehrgeiz und mehr Humor in eigener Sache gut gestanden. Was aber diese klasse Nummer trotzdem nicht schmälern soll, schaltet man das Bild dazu eben einfach weg. Das Tempo wird mit ‚Born To Lead’ dann zeitweise richtig hoch und auch die Gitarren- und Bassfraktion darf sich ordentlich austoben und zeigt die technischen Fertigkeiten. Ebenfalls in der 8bit Nintendowelt sind die Nebenklänge zu ‚Its Over When Its Over’ angesiedelt. Ansonsten bietet der Song schmissigen Rock mit einer Prise sich selbst überschlagendem Hip Hop. ‚Game Over’ macht im Anschluss Nintendo zum Hauptakteur. Was zuvor leicht eingestreut wurde, ist hier und jetzt Hauptcharakter, auch die lyrische Seite beschäftigt sich intensiv mit Nippon & Co. Heavier wird es wiederum mit ‚Self-Destruct Personality’. Zum klebrig süßen Chorus gesellen sich harte Shoutparts, die glücklicherweise am Härtegrad drehen. Ein Wauwau bellt und schon haben wir wieder die Bloodhound Gang am Hals. Irgendwie scheinen FALLING IN REVERSE zwei Seiten vereinen zu wollen. ‚Fuck The Rest’ spielt erneut die punkige Hälfte aus, bis gegen Ende die Breakdowns doch noch kurz vorbei schauen. Zarte Gemüter finden in den Pianoklängen von ‚Keep Holding On’ ihre chilligen Momenten und schwelgen im Midtempo dahin. Zum Ende wird noch einmal ein wenig „gedrifted“ und zwar Richtung Country. Ja, richtig gehört. Oben zwar keine Erwähnung gefunden und trotzdem wird der Strohhalm zwischen die Zähne gesteckt. Harte Traktorenklänge wären mir in diesem Falle lieber gewesen. Der Gesamteindruck fällt ein wenig ernüchternd aus. Zwar hat „Fashionably Late“ seine neuen, frischen Erlebnisse, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, Ronny Radke und Bande wissen nicht genau wo sie hin wollen. Mir persönlich gefällt die Hip Hop-Prise gut, allerdings in durchgängig härterem Gewand präsentiert. Die Musikpresse dieser Welt hingegen wird die neue FALLING IN REVERSE größtenteils zerreissen. Da bin ich mir sicher. Album-VÖ: 14.06.13 (Photo by Cale, courtesy of Epitaph Records)