(PIAS / Rough Trade) Nach dem ausgehungerte EDITORS-Fans bereits am Montag dank der Liveschalte zum Berliner Konzert von Spiegel Online und Tape TV die Möglichkeit hatten, in den Genuss neuer und alter musikalischer Schöpfungen der Jungs aus Birmingham zu kommen, folgt heute nun die langersehnte Platte „The Weight Of Your Love“ . Was live so unsagbar gut gelang, wird glücklicherweise auch gepresst zum reinsten Vergnügen. Der Vorreiter 'A Ton Of Love' bot uns in den letzten Wochen vor Veröffentlichung schon einmal einen Vorgeschmack auf das Album, dank eines fantastischen musikalischen Arrangements, fordernd leidenschaftlicher Stimme des Sängers Tom Smith und abfärbender Energie. Ohrwurmqualität ist diesem Song mehr als zuzuschreiben. Er vereint all das, was die EDITORS auszeichnet und ragt noch darüberhinaus. Wunderbar überraschend auf einer ganz anderen Ebene ist 'Nothing'. Ein ruhiger sanfter Song untermalt mit Streichinstrumenten, wodurch eine erschütternde Melancholie transportiert wird und dennoch, dank einer unglaublichen Stärke, durchaus hoffnungsvoll wirkt. Spannend ist auch der Titel 'The Phone Book' der ganz unerwartet und bisher untypisch für die Band im folkigen Gewand daher kommt. Mit der Hauptthematik Liebe funktionieren die Lieder dank der musikalischen Aufbereitung oft konträr und wirken somit kaum als Liebeslieder im klassischen Sinne. Die Aussage der Songs wird dadurch aber nicht versteckt, es ist eher überraschend, dieses Thema in einem so starken unabhängigen und facettenreichen Sound wiederzufinden. Exemplarisch ist dafür 'Bird Of Prey' mit hallend, schmetternden Drums und gefasstem großen Gesang. Diese Entwicklung der Band von ihrem düsteranmutenden elektronisch verzerrten Sound, der immer ein wenig zwischen Joy Divison und Interpol schwankte, hin zu einem klarere rockigerem und urbanerem Stil ist den Jungs ausgesprochen gut gelungen. Dabei lief es in der frühen Phase der Arbeit an „The Weight Of Your Love“, Berichten zufolge, gar nicht so rund. Der Umschwung folgte erst, nachdem Gitarrist Chris Urbanowicz gebeten wurde, die Band zu verlassen und mit Justin Lockey und Elliott Williams neben neuem Input auch noch gleich ein fünftes Mitglied dazukam. Nach Angaben Smiths erledigten sich die Arbeiten am mittlerweile vierten Studioalbum wie von selbst und waren innerhalb weniger Monate fertiggestellt. Aufgenommen wurde das Teil in dem berühmten Blackbird Studio in Nashville und unter den Fittichen von Jacquire King (Tom Waits, Of Monsters And Men, Norah Jones) produziert. Nach dem dieser schon dem vorletzten Cold War Kids-Album den Garn aufgemacht hatte und Kings Of Leon zu einer seelenlosen Hitgebärmaschine hat verkommen lassen, stellt sich natürlich die Frage, ob auch die EDITORS nicht etwas zu viel ihrer Ursprünglichkeit durch King einbüßen mussten. Gemixt wurde das ganze von Craig Silvey, der Größen wie Bon Iver und Arcade Fire zu seinen Klienten zählt. Letztere dürfte besonders Sänger Smith als großer Fan der selbigen gefreut haben. Durch all diese Einflüsse klingt der neue Sprössling wesentlich organischer, strukturell klarer und eingängiger und verabschiedet sich, man muss fast sagen leider, zunehmend von dem elektronisch düsteren Synthies-Sound des Vorgängers. Eine Veränderung zum Streben nach Größerem ist nicht zu übersehen. Die EDITORS wollen endlich große Halle füllen. Das Potenzial dafür hat dieses Album. Auch wenn eingefleischte Liebhaber dieser Band die schroffen elektronischen Arrangements etwas vermissen werden. Solange sie ihre Seele dem Teufel nicht ganz verkaufen, können wir uns über dieses Album vollends freuen und alle gemeinsam unter tausenden feierfreudigen Fans in riesigen Hallen schreien “Desire, Desire“. Album-VÖ: 28.06.2013 (Photo by Matt Spalding) Kaufen bei Finest Vinyl