(Bridge 9 / Soulfood) Mal ehrlich - das ist ein saugeiles Jahr. Unglaublich, was für gute Platten rauskommen. Ich muss mich schon zurücknehmen, nicht ständig nur Superlative zu verwenden - ist ja auch irgendwie blöde. Die Messlatten hängen hoch, quer durch alle Musikstile. Gut so. Durchschnittliche Musik gibt es ja schließlich mehr als genug. Und da kommt noch mehr Großes in diesem Jahr. Bevor Touché Amoré und die frisch reaktivierte Über-Band Modern Life Is War im Herbst Ihre Longplayer nachschieben, dürfen DEFEATER uns erstmal den Sommer versüßen. Die Story um die beiden Brüder im Post-WWII-Amerika geht also in die nächste Runde. Musikalisch geht es eher wieder in Richtung "Lost Ground" und "Travels". Das Album ist wieder aufgeräumter, zwar nicht weniger vertrackt, aber nicht so chaotisch wie einige der Songs auf "Empty Days and Sleepless Nights". Auch die Akkustik-Songs sind in der Schublade geblieben. Keine Experimente also, und auch kein Zurückstecken. "Letters Home" ist ihr härtestes Album bislang. Der neue Schlagzeuger Joe Longobardi scheint den Jungs wirklich gut getan haben. Das Bass / Schlagzeug-Zusammenspiel ist grandios, vom Sound knochentrocken, grundehrlich und dadurch brutal hart. Man möchte fast meinen, die Riffs wären nur loses Beiwerk um dieses Rhythmus-Monster ein wenig „aufzufüllen“. Ist es aber nicht. Gerade die Gitarren sind eine Spur effizienter und punktierter eingesetzt. Die schrägen Post-Rock Riffs sind aber natürlich immer noch da. Discord-Sound alá 2013. Doch wo die ersten Sound-Snippets von den oben genannten Wegbegleitern Touché Amoré andeuten, es könnten sich Ambient-Sounds eingeschlichen haben, scheinen DEFEATER sich vorgenommen zu haben, der Wut freuen Lauf zu lassen. Der Opener 'Bastards' macht unmissverständlich klar, dass hier keine halben Sachen gemacht werden. Mitreissend wie 'The Red, White And Blue', aber eben härter. Die Riffs treffen genauer und Derek Archaumbault hat nie besser gesungen. Wie er allerdings die ca. 1000 Worte umfassende Strophe bei 'Blood In My Eyes' ohne Druckluftanschluss im Allerwertesten live singen will, ist mir ein Rätsel. Ansonsten bekommen wir die bekannten DEAFATER-Trademarks geliefert. Wie beim zweiten Song 'Hopeless Again'. Rockende, treibende Beats, Breaks an den richtigen Stellen und Gesangslinien, die eigentlich nicht zum Singalong geschrieben worden sind, aber eben doch genau dazu animieren. Bei 'No Relief' taucht ein etwas merkwürdig anmutender Gastsänger auf. 'No Faith' erinnert zunächst ein wenig an 'White Nuckles' vom letzen Album "Empty Days..." und ist für mich DER Song des Albums. Hier sind DEFEATER am besten, weil am intensivsten. Gänsehautsong. Danach wird es düsterer mit 'Dead Set'. Anfänglich baut er auf einem ruhigen Drumbeat und Archambaults eigentümlichen Gesang im Erzählstil auf, um dann in ein schweres Mitd-Tempo Gewitter überzugehen. Das über 6-minute 'Bled Out' schließt "Letters Home" ab und hinterlässt uns - tja wie eigentlich? Zufrieden? Ja. Überrascht? Nicht mehr so sehr. Wir haben bestellt und es wurde geliefert. Dazu ist "Letters Home" zugänglicher als alle Alben davor. Alllerdings fehlt ein Überhit wie 'Empty Glass'. Album-VÖ: 19.07.2013 (Photo courtesy of Bridge 9)