(Cooperative / Frenchkiss / PIAS) Fünf neue Songs! Fünf Songs, die in der Tat „neu“ für mich sind... Seitdem Til Schweiger 'I Still Remember' in den Soundtrack einer seiner schmalzigen Nullhirn-Filme gestopft hat, wurde meine Zuneigung für BLOC PARTY so ein bisschen auf die Probe gestellt. BLOC PARTY-Fanatiker, es tut mir Leid, es könnte jetzt möglicherweise echt hart für euch werden... Der Opener 'Ratchet' ist mit Abstand der einzige Titel, den man sich anhören kann und der möglicherweise sogar hängen bleibt. Es deutet sich sogar ein leichtes Zucken im Bein an. Ein prägnantes Gitarrenriff und eine markante Basslinie begleiten den Hörer durch den Song. Einprägsam ist auch die Melodie und Keles Gesang, den wir ja so lieben. Insgesamt ein recht hoher BLOC PARTY-Faktor, obwohl man sehnsüchtig darauf wartet, dass irgendwas explodiert oder eskaliert. Aber wir warten vergeblich. Auch 'French Exit' ist ähnlich aufgebaut. Es bloc-partyed so vor sich hin, kommt aber insgesamt nicht aus dem Knick, obwohl die Grundvoraussetzungen ja doch eigentlich stimmen: markante Gitarre, einzigartiger Klang. Der Rhythmus ist zu langsam, um zu tanzen und durchzudrehen und zu schnell, um angewurzelt da zu stehen. 'Montreal' ist der Träumersong der EP. Langweilig, einfallslos, schleppend und somit: Prädikat Möchtegern-träumerisch. 'Children Of The Future' reiht sich in diese Kategorie nahtlos ein. Sie beiden Songs reichen nicht mal als nachdenklicher „Nachts-durch-die-Straßen-lauf“-Soundtrack. Und das erste Mal habe ich sogar das Gefühl, dass Keles Stimme mir auf den Senkel geht. Und das macht mich traurig. Und über 'Obscene' möchte ich lieber gar nicht reden... Vor ein paar Wochen trat die Band auf dem Hurricane-Festival auf. Für viele der kleinen Festivalbesucher, die sich mit dem Besuch dort für ihr Abi belohnen, scheint BLOC PARTY's Musik eher fremd. Tanzflächenkracher wie 'Banquet', 'Helicopter', 'Hunting For Witches' oder 'The Prayer' sind musikalische Fremdworte. Die Stimmung ist mäßig, obwohl die Band fleißig ihre Hits abhakt. Mittendrin stehe ich und wundere mich, dass der Funken nicht überspringt. Tanzen geht nicht nur aufgrund des tiefen Matsches schlecht; es passiert einfach nichts. Die männlichen Zuschauer gaffen bloß die neue, nicht all zu hässliche Schlagzeugerin an, die auffällig oft auf den Leinwänden zu sehen ist, an. Schade, BLOC PARTY! Ihr habt euer Mojo verloren. Wenigstens Til Schweiger freut sich: er kan diese EP komplett für seinen nächsten Film verwursten! 2 Blitze von mir. 1 Blitz, weil es halt Bloc Party ist und 1 Blitz, weil man generell Platten-Aufnehmen honorieren sollte. EP-VÖ: 09.08.2013