(Fearless Records / Rough Trade) Konstanz kann man kann man den Jungs von BLESSTHEFALL nicht gerade bescheinigen. Was natürlich jetzt nicht die musikalischen Fähigkeiten und deren mitbringenden Erfolg beschreiben soll, vielmehr ist die Besetzungscouch gemeint. Kaum ein Jahr verging nach Bandentstehung, in dem kein Wechsel an diversen Fronten stattgefunden hätte. Erstaunlicherweise hat man es aber immer wieder geschafft, die Kurve zu bekommen und eine weitreichende Fanschar weltweit aufzubauen. Vor ihrem nunmehr vierten Album "Hollow Bodies" haben die Jungs aus Arizona das Mitgliederkarussell nicht erneut gedreht und so geht man mit aktueller Besetzung die neue Aufgabe 2013 an. 'Exodus' heißt der Opener und bringt zuerst einmal ein wenig Elektronik auf den Tisch, bevor die dröhnende Gitarrenfront einsetzt. Auch die Arbeit mit den Stimmbändern haut einem erst einmal wohltuende Wut entgegen, zumindest bis zum typisch melodischen Chorus. Auch gegen Ende wird es zarter und zeigt wie sich BLESSTHEFALL anno 2013 sortieren möchten. Die vorab veröffentlichte Single 'You Wear A Crown But You’re No King' steht als nächstes an und bietet außer dem unsäglich langen Namen eine gute Weiterführung des ersten Songs. Elektronika werden zwar etwas zurück geschraubt, dennoch vernimmt man im Instrumental einige Sampleeffekte. Wer Die Hard-Metalfan ist wird es verfluchen, aber für diese Gruppe ist "Hollow Bodies" eh nicht gemacht. Vielmehr müssen hier die Freigeister entscheiden, wie modern sie es möchten. Der Titelsong steht an Position drei und ballert etwas härter durch die Gegend. Auch wenn die Gesangsparts überwiegend melodischer Natur sind, so werden die Instrumente zumindest ordentlich gequält. Ein nahtlos angrenzendes 'Deja Vu' bekommen wir darauf zu Ohren. Die Vocals gehen in die höheren Gefilde, ohne aber alte Dimensionen zu erreichen, die ja jetzt bei Escape The Fate zuhause sind. Zarte Pianos und sphärische Klänge gibt es zu Beginn von 'Buried In The Walls'. Als der Gesang einsetzt, weiß man, dass es sich nicht um einen Filler handelt, sondern um eine nicht rockende Verwirklichung auf Soundtrack-Ebene. Das kann man getrost in einen Hollywood-Blockbuster einbauen, wenn der Held seine sentimentale Zeit hat. 'See You On The Outside' startet punkig und steigert sich zu echtem Mainstream-Rock, ohne allerdings im Kitsch zu versinken. Radiotauglich ist es trotzdem, auch wenn das Tempo immer mal wieder etwas anzieht. Ich glaube, in diesem Jahr habe ich noch keinen krasseren Unterschied zwischen zwei nacheinander folgenden Tracks gehabt, wie den gerade beschriebenen und der Folgenummer 'Youngbloods', denn hier haben sich BLESSTHEFALL mit Jesse Barnett von Stick To Your Guns den richtigen Balleraugust ins Boot geholt. Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich die Jungs aus Orange County vergöttere und so war ich auf diese Nummer besonders geil. Aber Achtung! Es gibt keinen Mainstream, kein Gejammer (außer einen genialen Chorus) und auch keine Gefangenen, denn dieser Auswurf ist purer Hardcore. Und es geht mit ‚Standing On The Ashes’ hart weiter, auch wenn es nicht ganz an gerade Gehörtes heran reicht. Trotzdem macht man durch gehobenes Tempo wieder einiges an Melodie wett. Noch einen Gastsänger gefällig? Bitteschön, Brüllwürfel Jake Luhrs von August Burns Red haucht ins Mikro und bringt so die nächste, neue Härte ins Spiel, auch wenn BLESSTHEFALL’s Frontmaster Beau Bokan seine cleanen Einwände mit in den Ring wirft. Aber Samples dürfen natürlich auch nicht länger fehlen und so bringt 'The Song Of Starting Over' auch diesen Fetisch wieder auf den Tisch, auch wenn sich der Rest erfreulich metal hält. Diese Nummer ist zum Tanzen da und wird live mit ihrer Dynamik glänzen. Wer möchte denn am Ende noch eine Hymne? Die längste Ansage auf "Hollow Bodies" ist 'Open Water'. Unterstützt von Lights ist BLESSTHEFALL hier ein kleines Meisterwerk gelungen. Augen zu und genießen, denn nicht viele Bands sind in der Lage, eine solche Stimmung einzufangen. Unser Marcel „Marci“ Hübner hat bei Facebook bereits über das phänomenale Ende des Tracks geschwärmt, bevor es aber soweit ist, kann man sich ganz der Struktur hingeben und gerät von einer Klangwelt in die nächste. Es klingt sehr hochgegriffen und theatralisch, aber genau das ist der Punkt, den BLESSTHEFALL setzen wollten. Perfekt. Wenn der letzte zu beschreibende Song so ausufernd umwerfend ist, muss man sich für ein gesamtes Fazit wieder ein wenig sammeln, um nicht Punkte/Blitze zu zücken, deren Anzahl es gar nicht gibt. Aber nüchtern auf das Komplettwerk einzugehen, haben BLESSTHEFALL mit "Hollow Bodies" eigentlich alles richtig gemacht, da mir aber ein paar Genrekollegen in diesem Jahr einen Tick besser gefallen haben, ziehe ich einen halben Blitz ab. Nicht das das jetzt schlimm wäre. Album-Vö: 23.08.2013 (Photo by Douglas Saunders)