(Pandastorm Pictures/Ascot Elite Home Entertainment) THE FLOATING CASTLE prangt es in großen golden glitzernden Buchstaben auf der Hülle des Films. Zu sehen sind viele Samurai und die Tagline „Sie waren 500 gegen 20.000“. Dazu serviert man uns Werbezeilen wie: „Ein spektakuläres Action-Epos“ Screen „Actiongeladen und blutrünstig“ Variety „Die japanische Antwort auf Frank Millers 300“ Geek of Oz Erwartet einen also ein über 146 Minuten gehendes Schlachtengemälde über eine wirklich stattgefundene Schlacht im Japan des 16. Jahrhunderts? Die Antwort ist ernüchternd einfach und sie heißt NEIN. Wer den Werbemachern bei diesen Film auf dem Leim geht, hat leider schon verloren. Action-Fans sind nämlich bei THE FLOATING CASTLE an der komplett falschen Adresse. Stattdessen ist der Film eher eine Katastrophen-Historien-Doku-Drama-Komödie. Der Film ist tatsächlich die Verfilmung eines wirklich in der japanischen Historie passierten Ereignisses. Bereits zu Beginn des Films werden daher sehr viele historische Persönlichkeiten eingeführt, bei denen der nicht fachkundige westliche Zuschauer schnell mal die Übersicht verlieren kann. Hat man dies geschafft, kann sich ein neues Problem im typisch japanischen Humor ergeben. Der Film ist nämlich teilweise sehr komödiantisch, was vor allem an bestimmten recht trottelig dargestellten Charakteren liegt. Worüber Japaner hier gerne lachen, lässt den meisten westlichen Zuschauern wohl nur die Stirn runzeln, wobei gesagt sein sollte, dass so eine Art von Charakter fast schon zum Standardrepertoire eines Samurai-Films gehört. Nun handelt es sich hier aber wie gesagt nicht um ein Schlachtenepos. Wenn nach einer Stunde die Action beginnt, mag ein mancher nun glauben, diese gipfelt wie in Takashi Miikes 13 Assassins in nun einer überlangen Endschlacht. Dem ist allerdings nicht so, bereits nach 15 Minuten ist die Schlacht geschlagen und die nun noch fehlende letzte Stunde soll komplett ohne Action auskommen. Nun wird das Werk nämlich zum angekündigten Katastrophenfilm, wenn das namensgebende Schloss geflutet wird und Wassermassen alles mitzureißen drohen. Von den Schauspielern her gibt es nicht viel zu berichten. Mansai Nomura gibt einen guten aufspielenden Nagachika Narita ab, bei dem man nie wirklich weiß, ob er wirklich so trottelig ist oder nur sein wahres Genie verbergen will. Auch Koichi Sato als exzentrischer Kriegsherr Tanba Masaki weiß einem zu gefallen. Das war es dann aber eigentlich auch schon. Optisch ist der Film ziemlich zwiespältig, brilliert in Sachen Make-Up und Kostüme, sieht in den Bereichen der SFX-Verwendung aber schon ganz anders aus. Von manchen Panoramaaufnahmen, bei denen man deutlich erkennt wie sich Darsteller vom Hintergrund abheben, bis zum ziemlich mies getricksten Wasser und CGI-Pferden ist alles dabei. Das ist ziemlich schade, wo der Film doch sonst eine wirklich gute Atmosphäre aufbaut und vor allem in Massenszenen schon epische Ausmaße annimmt. Leider ist der Film auch mit gut 2,5 Stunden deutlich zu lang ausgefallen. Da es wie gesagt auch kaum Action zur Auflockerung gibt, die gibt das historische Ereignis nun mal nicht her, fängt der Film an sich teilweise ziemlich in die Länge zu ziehen. Ein gesundes Maß an Interesse für die japanische Geschichte sollte da schon vorhanden sein, wenn man vor hat, sich den Film anzuschauen. Mal wieder ein typischer Fall von Etikettenschwindel, anstatt Historienaction befindet man sich erzählerisch eher in einer TV-Doku. Wer Interesse an Japanischer Geschichte hegt und sich durchaus bewusst ist, dass einen hier ein ruhigerer Film erwartet, kann sich den Streifen mal ausleihen. Wer aufgrund der Werbung tatsächlich einen Film im Stil von 300 erwartet, wird die Disc wohl noch vor Beginn der einzigen Action Szene aus dem Player nehmen. Film-VÖ: 27.08.2013