(Hassle Records) Am 06.09.2013 erschien BALANCE AND COMPOSURE's mittlerweile zweites Album unter dem Titel "The Things We Think We're Missing" auf Hassle Records. Die Musik der fünf Recken aus Doylestown/USA wird auf diversen Internetplattformen als Indie / Alternative / Alternative-Rock oder Post-Hardcore beschrieben. Für mich ein leidiges Thema, Bands immer in bestimmte genretypische Schubladen zu stecken! Braucht man allerdings einen Anhaltspunkt dafür ,was BALANCE AND COMPOSURE musikalisch darbieten, würde man in einer Plattenschublade neben bisherigen Veröffentlichungen der Band wahrscheinlich Alben von Title Fight, Citizen, Seahaven, Basement, By A Thread oder auch Small Brown Bike finden können. Meine erste Bekanntschaft mit BALANCE AND COMPOSURE fand im Jahre 2011 statt, als sie ihr erstes Album "Separation" veröffentlichten. Schon damals war ich von der Musik der Band durchaus angetan. Ein absolut eigenständiger, charismatischer Sound, der einfach so gar nicht nach 2011 klang. Mit Ihrem zweiten Langspieler bleiben die Jungs ihren ursprünglichen Klängen treu und brachten am 06. September ein Album auf den Markt, welches so gar nicht nach 2013 klingt. Das ganze lässt sich schwer mit Worten fassen, aber wer inzwischen auf Konzerten zur älteren Generation gehört, die den direkten Bereich vor der Bühne dem wilden Nachwuchs überlässt, um sich das Geschehen in Ruhe von weiter hinten, im Idealfall von der Theke aus, anzusehen, dem sei gesagt: Es klingt nach guter alter Musik, die sich nicht über Neon-Bandshirts, populistische Politikparolen, die geilsten Tattoos, die schönste Emofrisur, den sweetesten Frontmann oder die brutalste Crowd versucht zu profilieren. Mit "The Things We Think We're Missing"ist BALANCE AND COMPOSURE ein wunderbares Album gelungen. Schon mit dem Opener 'Parachutes' nimmt es den Hörer an die Hand und nimmt ihn eine Dreiviertelstunde lang mit auf eine traurige, wütende, Hoffnung suchende Reise. Im Mittelpunkt des Geschehens steht dabei sicherlich Sänger Jonathan Simmons, der mit seiner Stimme und dem Wechsel zwischen klaren und raueren Gefilden die Atmosphäre des Albums wunderbar unterstreicht. Auf der einen Seite gelingt es BALANCE AND COMPOSURE den Hörer hier und dort absolut genial zu überraschen. So geht beispielsweise das so seicht und melodiös beginnende 'Notice Me' spielend in einen musikalischen Ausbruch und wütend schreienden Simmons über. Spitzenklasse! Doch auf der anderen Seite gelingt es halt leider nicht über das ganze Album hinweg, dieses Niveau beizubehalten, so dass vor allem gegen Ende etwas die Ideen auszugehen scheinen. Hörenswert sind die Songs aber allemal, denn Lyric-technisch ist das komplette Album durchweg bärenstark! Kommen wir zur Benotung, was leider etwas schwierig ist. Wenn ich mir anschaue, was für Punkte hier manche Alben mancher Bands von manchen meiner Rezensions-Kollegen bekommen, müsste ich diesem Album hier im Vergleich 1000 Blitze geben. Allerdings ist ja das Schöne, das solche Rezensionen immer noch 100% subjektiv sind und somit orientiere ich mich mit der Bewertung von "The Things We Think We're Missing" an der Plattenschublade, die ich weiter oben schon einmal zum Vergleich aufgemacht habe. BALANCE AND COMPOSURE haben hier, wie bereits erwähnt, ein absolut empfehlenswertes Album abgeliefert, das ein oder zwei Durchhörgänge benötigt, um seine Schönheit voll entfalten zu können. Letzten Endes fehlt dann aber meiner Meinung nach der letzte kleine Tick und die letzten kleinen Überraschungen hier und da, um auf Augenhöhe mit Alben wie Title Fight's "Floral Green" oder Citizen's "Youth" bestehen zu können. Album-VÖ: 06.09.2013 (Photo courtesy of Hassle Records)