(BMG Rights Management / Rough Trade) Ein Sprichwort besagt zwar, dass das Beste zum Schluss kommt, doch hier drehen wir den Spieß um. Für alle, die sich nicht alles durchlesen wollen, können oder dürfen, hier die Schnellzusammenfassung: Alle, die die aktuelle The Gaslight Anthem mögen oder sogar im CD-Regal stehen haben, können und sollten auch hier zugreifen! Alle, die etwas mehr Zeit haben, können sich jetzt auch noch durchlesen, warum man sich dieses Album gönnen sollte. DEAF HAVANA haben in den letzen Jahren und den letzen beiden Alben "Meet Me Halfway" und "Fools And Worthlees Liars" eine beachtliche Wendung hingelegt. Dies war unter anderem dem Weggang des Schreihalses Ryan Mellor geschuldet, welcher die Band 2010 verlassen hat. Weg vom Screamo / Post – Hardcore / Punk hin zum Alternativ Rock. Ein nicht ganz einfacher Weg. Getauft wurde der neueste Output auf den Namen "Old Souls" und ich bin gespannt, auf welchem Teilstück sich die Jungs befinden oder ob das Ziel bereits erreicht wurde. Die CD beginnt mit der bereits veröffentlichen Single 'Boston Square', zu der auch vorab ein Video abgedreht und präsentiert wurde. Gitarren, Schlagzeug und Streicher bereiten das Intro, bevor die Stimme von James Veck-Gilodi zur Strophe einsetzt, die mich sofort mitreißt und nicht mehr loslässt. Der Refrain kann und wird bereits im 2. Durchlauf mitgesungen. Was für ein Opener-Track. Ich bin mehr als begeistert. 'Lights' beginnt zurückhaltender und zeigt gleich die weitere Stärke der Engländer. Der Song wirkt weder schlaff noch kraftlos. Die Stimme ist immer präsent und leitet durch den Song. Das Songwriting, die Melodielinien und die Produktion sind ausgefeilt und durchdacht. Selbst nach mehrfachen Rotationen hört man Nuancen und Stimmen, die dem Ganzen die Wirkung geben. Der dritte Song startet gleich kraftvoll und temperamentvoll, er lädt gleich ein, im Beat zu nicken und zu tanzen. Passenderweise hört der Song auf den Namen 'Everybody's Dancing And I Want To Die'. Auch hier wurden alle wichtigen Bestandteile eines Rocksongs mit eingebettet, samt einem kleinen Bläsersolo. Meine Begeisterung hat keinen Deut nachgelassen. 'Subterranean Bullshit Blues' schlägt da wieder eher in die ruhigere Kerbe, steigert sich aber immens zum Schluss hin. Mit Song Nummer Vier, 'Night Drives' sind wir nun bei der ersten, ja man kann es schon Ballade nennen, angekommen Auch diese Disziplin wird mehr als gut bestritten, im Mittelpart kommen mir durch den Einsatz einer Mandoline Erinnerungen an R.E.M. hoch. Ein wirklich starker Song. Bisher konnte ich noch nicht mal den Ansatz einer Schwachstelle hören. 4 Songs - 4 Hits. Auch '22' und 'Speeding Cars' bringen die Serie nicht in Gefahr. Kraftvolle Songs, deren Melodien wieder sofort im Gehörgang hängen bleiben. DEAF HAVANA schaffen es mit straighten Songs, die nicht langweilig wirken, die Hörer zu begeistern. Reduzierte Instrumentierung lässt der Stimme von James bei 'Saved' genau den Platz, um die Geschichte authentisch erzählen zu können. Bei 'Mildred' geht es nach einer aufbauenden Strophe in einen mitreißenden Refrain, der die in den ruhigen Stücken geschonten Knochen wieder in Bewegung bringt. Auch wieder ein Song mit unglaublichem Ohrwurm-Potential. Mit 'Tuesday People' nehmen DEAF HAVANA ein wenig den Vorschub raus, und geben den Zuhörern die Chance, sich fallen zu lassen in der Songführung. Nun folgt mein persönlicher Lieblingssong meiner neuen Lieblings-CD, 'Kings Road Ghosts'. Bevor ich mit Superlativen um mich schmeiße, sage ich zu dem Song nichts und genieße nur. Die CD schließt mit einem Song, in dem sich der Sänger mit dem Weggang seines Vaters auseinandersetzt. Ich finde diesen persönlichen Bezug kann man nicht nur hören, sondern auch schon fast fühlen. Knapp 50 Minuten dauert ein Durchlauf, welcher auf mich weder langweilig, noch gekünstelt wirkt. Verglichen mit dem Vorgängeralbum wirkt es erwachsener und ausgereifter. Vergleiche zu The Gaslight Anthem sind mehr als berechtigt, wenn auch DEAF HAVANA eine Ecke softer und nicht ganz so raubeinig klingen. Radiotauglich sind alle 12 Stücke. Wie bereits erwähnt, ist die Produktion und der Sound auf internationalem Niveau. Da DEAF HAVANA über ein Major-Label die CD an den Mann oder die Frau bringen möchte, hätte mich auch alles andere verwundert. Wie bereits geschrieben kann jeder, der Rock / Alternativ hört, ein Ohr riskieren. Ich hoffe, die Fanbase erfährt durch diese Full-Length eine gehörige Aufstockung. Für mich bisher mit DIE CD 2013. So, genug der Lobhudelei. KAUFEN! Album-VÖ: 20.09.2013 (Photo by Tom Barnes)