(RCA Int.) Was sich in den letzten Jahren bei den KINGS OF LEON ereignete, ist wohl der Kindheitstraum aller Musiker. Ausverkaufte Stadien, weltweite Charterfolge und mehr als einen Hit verhalfen den Jungs aus Tennessee zu Ruhm und Ehre. Doch wie so oft folgte nach dem riesen Hype der große Absturz mit Alkohol-Eskapaden, Band Zoff und abgesagten Konzerten. Dann die Pause. Und danach kam die Ernüchterung, die nicht nur beim Hörer, sondern auch vor der Band selbst keinen Halt machte. Kürzlich wurde berichtet, dass das KINGS OF LEON sich fortan weigern werden ihren Gassenhauer 'Sex On Fire' weiterhin auf ihren Konzerten zu spielen. Ist das nun also die Wende? Wieder ein Stück weg vom Kommerz, den sie dank der Hilfe von Weichspüler-Produzent Joaquin King doch so gut erreichten, wieder hin zu Herzblutmusik mit Charakter? Ihre dreijährige Tour- und Tonabstinenz bot schließlich genug Zeit, um mal in sich zu gehen und alles zu verarbeiten. „Und dieses Nachdenken inspirierte uns auch – wir beschlossen eine Platte zu machen, die uns ganz einfach Spass macht“ berichtet Sänger und Gitarrist Caleb Followill. Gesagt, getan. "Mechanical Bull" heißt nun der neuste und mittlerweile sechste Spross der Truppe. Der Sound klingt wieder ein wenig urbaner, nicht mehr ganz so seicht gemischt, wie bei den Vorreitern. Ausschlaggebend hierfür war unter anderem die Zusammenarbeit mit Angelo Petraglia und der Wechsel der Produktionsstätte von den renommierten Black Bird Studios zurück ins heimische Privatstudio. Das Ergebnis wirkt nicht mehr ganz so perfekt und lässt einen Willen zurück zum früheren, rauen Ton der Band erkennen. Wer aber auf eine Rückkehr zu Schätzen à la 'Mollys Chamber' hofft, wird enttäuscht. Eröffnet wird das dreizehnstückige Werk von 'Supersoaker', einem dynamischen Vorgeschmack auf die durchaus gelungene erste Hälfte des Longplayers. Inspiration für den Song war ein Kindheitsfreund des Sängers, der auf dem Weg zu großem Erfolg abgeschreckt aufgab. Eine Geschichte, die auch wunderbar auf die Band selbst passt. Das sich gleich anschließende 'Rockcity' bietet der großartig charakteristischen Stimme von Followill sehr viel Raum und macht seinem Namen, dank der derben Arrangements, alle Ehre. Thematisch schwankt das ganze Album irgendwo zwischen erwachsenem Jungvater-Dasein und dem leisem Wunsch, zurück in die leichte und hoffnungsvolle Jugend zu entfliehen. 'Dont Matter' erinnert mit seinem schnellen Tempo an den wahnwitzigen Sound von Muse, treibend, groß und über allem schwebend. Dies wird besonders durch ein starkes Schlagzeug und ausgereizten Gitarren bewirkt. Deutlich ruhiger geht es bei 'Beautiful War' zu, welches neben ordentlich Pathos, auch die erste Liebesschmonzette liefert. An den riesen Erfolg der Vorgänger wird dieses Werk wohl nicht mehr anschließen können, dies ist vielleicht auch gar nicht gewollt. KINGS OF LEON sind zwar eine der größten Rockbands der letzten Jahre. Bedeutend sind sie dennoch nicht mehr. Jedoch ist es schön zu sehen, dass eine Band, die fast am Erfolg zerbrochen wäre, sich wieder aufgerafft hat. Allein das ist bedeutend genug. Album-VÖ: 20.09.2013 (Photo by Dan Winters)