(Unsung / Galileo) Das italienische Trio INVIVIO ist im progressiven Soundkosmos Zuhause. Zu Beginn des Bandbestehens muckte Hauptsongwriter, Sänger und Gitarrist Marco Celotti „lediglich“ mit Drummer Elvis Fior. Und diese beiden sollten es auch sein, die 2008 die erste EP einspielten. Damals war die Musik noch eher im Alternative zu Hause, wies aber schon eindeutige Prog-Trademarks auf. 2009 erweiterten INVIVO das Line Up auf drei mit Michele Orselli am Bass. In dieser Besetzung nahmen sie ihr Debüt und zugleich selbst produziertes Album "Change Tomorrow" auf, das 2010 erschien. Doch erst mit ihrer im gleichen Jahr aufgenommenen zweiten EP wurde der Bandsound progressiver, ohne allerdings weniger zu rocken. Im Gegenteil: Ihr fordernder, energiegeladener Stil kann sowohl von anspruchsvollen Prog Rock-Fans genossen werden und unterhält gleichzeitig alle, die es direkter mögen, prächtig, nicht zuletzt dank eingängiger Hooklines. Dies wird durch den Anspruch, sowohl handwerklich aber auch kompositorisch auf der zu Höhe sein, erreicht, wodurch die technischen Momente nie die Oberhand gewinnen und stets der Song im Vordergrund steht. Die Italiener beeindrucken auf ihrem zweiten Longplayer mit gereiften Arrangements und einem fetten und transparenten Weltklassesound. Kein Wunder: Für ihr neustes Werk „ARISE“ haben die drei weiter intensiv am Songwriting gefeilt und sich mit Produzent Fabio Trentini einen richtigen Rocker und gestandenen Musiker ins Boot geholt, der schon aus Größen wie Guano Apes, H-Blockx, Subway To Sally oder den Donots das Optimum herausgeholt hat. Soll man die Musik des „Trio Infernale“ beschreiben, kann man den Vergleichen des „Beipackzettels“ der Plattenfirma fast ausnahmslos zustimmen. So hört man Einflüsse von Muse, auch wenn INVIVO deutlich proggiger sind. Auch Tool-Ansätze sind vorhanden, doch sind die Südländer hörbar straighter. Karnivool lassen ebenfalls grüßen, wenngleich INVIVO eingängiger daherkommen. Porcupine Tree-Verweise schimmern hier ebenfalls durch, obschon INVIVO spannender und kurzweiliger agieren. Gesanglich ist der Vergleich mit einer Art progressiveren Variante von A Perfect Circle eine passende Beschreibung. Am ehesten erinnern INVIVO in ihrer Gesamtheit allerdings an die italienischen „Brüder“ im Geiste von Inme (leider kennen die wenigsten diese ebenfalls großartige englische Progband!), die wie die Italiener als Alternative Band begannen und nun munter rockig proggen. Doch INVIVO sind deutlich mehr als die Summe der beschriebenen Teile. Durch ihre große Live Erfahrung dank diverser Auftritte haben sie Routine erhalten und eine eigene Identität entwickelt. Die technischen Fähigkeiten der Musiker sind über jeden Zweifel erhaben: Schlagzeuger Elvis trommelt seit seinem achten Lebensjahr. Er studierte Schlagzeugspielen und wurde von zahlreichen bekannten Drummer-Größen unterrichtet. Seine Mitgliedschaft in diversen Bands unterschiedlicher Couleur hat seinen breit gefächerten Stil geprägt, der sich durch große Kreativität auszeichnet. Auch Sänger und Gitarrist Marco studierte sein Instrument. Der Soundtüftler benutzt seit einiger Zeitz ein speziales Tuning, welches ihm erlaubt, unkonventionelle Akkorde und Arpeggios zu spielen, die den Sound von INVIVO so einzigartig machen, wie auch sein herausragender mittelhoher Gesang. Michele ist der einzige Autodidakt. Er fing mit zehn Jahren an Bass zu spielen. Vor seinem Bandeinstieg besuchte aber auch er eine Musikschule, um sich weiterzubilden und seinen Können zu erweitern. Seine Stil-Offenheit erlaubt es ihm, dem INVIVO Sound seinen eigenen Stempel aufzudrücken, indem er unterschiedliche Techniken zum Besten gibt vom Picking bis Slappen. Das Trio hat mit "Arise" ein beeindruckendes Langeisen geschmiedet, das bald hoffentlich auch live in unseren Breitengraden vorgestellt wird. Wer Fan der oben zitierten Kapellen ist, muss hier unbedingt ein Ohr riskieren – sonst entgeht ihm eine sehr sehr aufregende Scheibe!!! Album-VÖ: 27.09.2013 (Photo courtesy of Unsung)