(Napalm Records) Nachdem mich Placebos neue Platte in jeder Hinsicht an der Großartigkeit meiner ehemals Lieblingsband hat zweifeln lassen und mich Caspers Album inzwischen auch etwas nachdenklich gemacht hat, baue ich in 2013 nun auf den erprobten und bewährten Sound meiner Stoner Rock-Urgesteine MONSTER MAGNET. Dave Wyndorf (du geile Sau), enttäusch’ mich nicht! Drei Jahre liegen zwischen der letzten Platte "Mastermind" (2010) und ihrem neuen Projekt "Last Patrol". Doch irgendwie blieb von "Mastermind" nur der Song 'Gods And Punks' kleben, ansonsten war das Machwerk eher unbedeutend. Möglicherweise sah die Band das ähnlich, denn während man die letzten Jahre fleißig um den Globus tourte, konzentrierte man sich eher darauf, spezielle Albumtouren zu spielen. Ich selbst sah sie im November 2011 auf ihrer Dopes To Infinity-Tour. Konsequent ratterte man das Album herunter und hängte dem Set abschließend noch 'Spacelord' an, sodass der Pöbel glücklich und beseelt nach Hause entlassen werden konnte. Ihre Festival- und damit Greatest-Hits-Auftritte im gleichen Sommer zündeten deutlich mehr! Währenddessen nun fleißig getourt und Diät gehalten wurde - so wurde mir berichtet, denn Dave soll inzwischen ein paar Alkohol- und Drogenkilos weniger auf den Rockerhüften haben - warteten Anhänger der Band sehnlichst auf Nachschub. Welche bedeutungsvollen und grandiosen Texte würde Dave inzwischen zu Papier gebracht haben!? Er ist schließlich eine der geilsten Säue des Business und wird, was diese Angelegenheit angeht, definitiv unterschätzt. Denn als Songwriter kann er seinen Kollegen absolut das Wasser (oder den Whiskey) reichen! Tatsache: Dave schrieb fleißig und setzt mit seinen Mitmusikern erneut auf Altbewährtes: typischer Sound, Lyrics, Songaufbau und Arrangements - nichts Neues! Und wieder sind auch in "Last Patrol" die Effektgeräte auf Anschlag gedreht. Die Gitarre wird bis zur Schmerzensgrenze verzerrt und Daves Gesang mit Echos gedehnt und gezogen, sodass man glaubt, noch Sekunden nach Songende die Stimme im Kopf herumgeistern zu hören. Aber komischerweise verlange ich von Dave und seinen Jungs auch keine Ausflüge in ein anderes Genre oder in unbekannte Sphären. Sich neu erfinden? Sich ausprobieren? Etwas wagen? Im Fall von MONSTER MAGNET pfeife ich auf Wandlung und Weiterentwicklung! Stattdessen schätze ich in dieser Angelegenheit tatsächlich die musikalische Stagnation. So klingen sie eben und genau aus diesem Grund liebe ich sie schließlich auch. "Last Patrol" bietet zu 100 Prozent MONSTER MAGNET. Und selbst beim Albumcover gibt es keine Experimente: rot-bräunliche Farbtöne, das momentan total angehipsterte Universum-Galaxy-Gesternen-Muster und der obligatorische Bandstier natürlich, der in Denkerpose über Gott und die Welt zu sinnieren scheint. Hübsch hässlich. MONSTER MAGNET 2013Der Titelsong 'Last Patrol' zeigt in über neun Minuten, dass die Band zu den alten Hasen im Stoner Rock-Geschäft gehört: musikalisch-verspielte Genialität, gepaart mit der typischen, manchmal fast schon plumpen Rauheit und einer gehörigen Portion Psychedelic Rock nehmen den Hörer mit auf eine absurde Reise. Viele der Tracks wirken noch lange nach. Das schleppende, aber nicht träge 'Three Kingfishers' packt einen sofort. Der inzwischen charakteristische Einsatz des indischen Instruments, der Sitar, den man schon aus diversen anderen MONSTER MAGNET-Songs kennt, ist zart und treffend dosiert und schafft erneut eine ganz eigene Atmosphäre. Der Track 'Hallelujah' ist hingegen alles andere als sphärisch; er ist Sex pur und vielleicht einer der ersten Songs der Band, die es auf die Tanzflächen der Rockclubs schaffen könnte. Mitreißend, direkt, prägnant und frech ist nicht nur das kleine Gitarrenriff, sondern einfach alles in diesem Song. Trotz des vertrauten und höchst geschätzten Sounds fehlt "Last Patrol" das gewisse Etwas. Vielleicht doch mal etwas wagen und sich etwas aus dem musikalischen Fenster lehnen?! Ach, lieber nicht – MONSTER MAGNET, bleib’ so, wie du bist! Und Dave: egal, wie dick du bist und wie zugedröhnt du vor deinem Mikrofonständer stehst und dich dabei vom Ventilator belüften lässt – ich bete dich trotzdem an! Anspieltipps: 'Hallelujah', 'Three Kingfishers', 'End Of Time' Album-VÖ: 18. Oktober 2013 (Photo courtesy of Napalm Records)