(Prosthetic Records / Sony) ANACONDAS - nein, nicht der B-Movie mit J-Lo (der ausserdem ohne „S“ geschrieben wird) - sondern eine britische Sludge/Doom/Noise/Hardcore-Band, hauen uns hier ihr Debüt-Album um die Ohren. Die drei Jungs aus Brighton sind so ganz jung und unbedarft allerdings nicht. Immerhin stecken hinter der Band die beiden Hunter-Brüder Stuart und James, die der ein oder andere von Johnny Truant her kennen mag. Johnny Truant waren in den Nuller-Jahren für ziemlich progessiven Metalcore bekannt, der auch heute noch einen Großteil der aktuellen Bands an Spielfreude und Ideenreichtum locker an die Wand fährt. Musikalisch hat ANACONDAS mit der Vorgängerband jedoch überhaupt nichts zu tun, außer vielleicht, dass es auch hier häufig dissonant vor sich geht. SEHR dissonant. Gewollt wie ungewollt. Grundsätzlich ist die Gitarrenarbeit eigentlich mal echt super. Schwere, monolithische Soundwände kommen mir entgegen, die mich an Bands wie Torche, Helmet und Unsane erinnern. Oder aber auch an die alte englische Industrial-Garde von Fudge Tunnel und sogar den erhabenen Godflesh - zumindest was die Gitarrenarbeit angeht. Allerdings ohne die künstlerische Monotonität der vorgenannten Bands. Das ganze wird dann noch aufgepeppt durch depressiv-melodische verschrammelte Parts, so dass man mit etwas Wohlwollen, sogar den im Bandinfo genannten Vergleich zu Alice in Chains gelten lassen kann. Beim Titelsong möchte man sogar fast meinen, da hat jemand Pre-Production-Tapes aus dem Deftones-Proberaum stibitzt. anacondas-sub-contra-blues-4949Wo da allerdings jemand die ebenfalls im Bandinfo genannten Meshuggah hört, lassen wir mal offen. Nur weil's auch mal arythmisch wird, hat's mit den Djent-Göttern so gar nichts zu tun. Die Produktion der Platte passt und ist herrlich unmodern, eher an die 90-iger angelehnt und weiß mit viel Charme zu gefallen. Leider kommt dann irgendwie doch kein Album dabei heraus, dass mir durchgängig zusagt und es öfter unter die Play-Taste schaffen wird. Das Hauptproblem ist für mich die Gesangsarbeit. Denn die ist leider sehr häufig auch dissonant - soll heissen: Schief. Und zwar von der anstrengenden Sorte. Sicherlich, es blitzen echt gute Ideen und Harmonien durch, wie zum Beispiel bei 'River' oder auch beim besten Song des Albums 'This Night Will Last Forever'. Aber unterm Strich reicht das leider nicht, um im kleinen und sehr vollen Teich der Stoner/Sludge/Post-Metal/usw.-Bands oben zu schwimmen. Zu dünn ist der Gesang, häufig zu schief, und die eingestreuten gebrüllten Parts zu selten. Die Songs haben Potential, sehr viel mächtiger rüber zu kommen, wäre da mehr Power in der Stimme. Unvorteilhaft abgemixt ist sie ebenfalls. Vielleicht muss man die Jungs live sehen. Mit den vorgenannten Kritikpunkten geht dann auch einher, dass die Songs etwas an einem vorbeispulen, dass sie wenig strukturiert und komponiert wirken. Fans der vorgenannten Bands und Genres sollten mal ein Ohr riskieren. Für den Moment gibt es ausbaufähige, aber gute 3,5 Punkte. Album-VÖ: 18.10.2013 (Photo courtesy of Prosthetic Records)