(Spinefarm Records/Universal) Diese Jungs sind verrückt - Punkt! Schon das Debüt war ein wahnwitziges Konglomerat aus traditionellem Heavy Metal und Progressive Rock, gepaart mit einem unglaublich technischen Vermögen. PROTEST THE HERO zu lauschen, ist ein wahrer Trip. Es hat schon etwas katharsisches, denn man kommt nur über körperliche bzw. geistige Anstrengung in den wahren Genuss dieser sehr anspruchsvollen Musik. Die kopflastigen Riffs, das hohe Tempo und die technischen Gimmicks an allen Ecken und Enden, machen es nicht leicht, diese Band zu lieben und zu verstehen. Selbst ich als Fan, kann die um höchste Aufmerksamkeit des Rezipienten gemahnende Musik nicht immer in den Gehörgängen "ertragen". Aber wenn man sich mit den Werken der revolutionären Metal Gruppe eingehend beschäftigt, ist es wie beim „Umgang“ mit wahrer Kunst und ein ästhetisches, erhabenes Gefühl stellt sich ein, hier an etwas ganz Besonderem Teil zu haben! Ähnliches widerfährt sicherlich nur Klassikfreunden beim Lauschen eines Klassik-Opus. Technisches Know How macht natürlich noch lang keine gute Musik aus, aber ähnlich wie die komplex denkenden Dream Theater zelebrieren PROTEST THE HERO niveauvolle Arrangements, die sie zur Auflockerung mit viel Wortwitz unterfüttern. Dabei ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit die Truppe ihr Material live performt. Auch auf dem vierten Output "Volition" regieren wieder massig filigrane Riffs, unglaubliche Schlagzeug-Fills, Finger verknotende Bassläufe und theatralische Stimmenakrobatik. Doch die Kanadier haben es diesmal geschafft, trotz Zurschaustellung ihres Könnens, eingängigen Songstrukturen noch mehr Platz einzuräumen. Die Lieder strotzen zwar immer noch so vor Bombast, Flitzefinger-Akkorden und hoher Geschwindigkeit, doch haben sich die Musiker entschieden, mehr wiederkehrende Abschnitte in ihre Stücke einzubauen und Refrains und Bridges mehr Platz einzuräumen. Der charismatische Gesang von Mr. Walker ist nicht mehr nur in schwindelerregenden Höhen unterwegs und die Fingerfertigkeit der Saiteninstrumentalisten wird vermehrt dem Spielfluss untergeordnet. Trotzdem der neuen „Catchyness“ ist die Grundausrichtung weiterhin progressiv und das zum Niederknien geeignete Stück 'A Life Embossed' das wohl schnellste, schrägste und komplexeste Liedgut bislang. Auf der anderen Seite sind die Texte zum Teil ernster geworden und so richtet sich 'Plato’s Tripartite' ganz klar gegen Frauenfeindlichkeit und 'Tilting Against Windmills' klagt den Schwulenhass religiöser Fundamentalisten an. Gut, wenn eine Band so klar Stellung bezieht! PTH_new-8Kurz vor der Fertigstellung von "Volition" verließ Drumer und Gründungsmitglied Moe Carlson die Band. Der bislang einzige (!) Mitgliederwechsel der Bandgeschichte traf die Jungs zwar schwer, doch was Bandkumpel Chris Adler (Lamb Of God), der die Aufnahmen zu Ende brachte, auf diesen Tracks leistet, ist schlicht und einfach phänomenal. Da wird es nicht leicht werden, einen ähnlich fähigen Drummer zu finden, der das nachspielen kann! Fans werden sich die aktuelle Scheibe eh zulegen, doch wer bislang um die Band einen Bogen gemacht hat, weil ihm die Musik zu „konzeptlos“ erschien, der sollte PROTEST THE HERO eine neue Chance geben. "Volition" ist eine tolle Symbiose aus Anspruch und Eingängigkeit, die ein größeres Publikum ansprechen sollte, ohne alte Fans und Freunden technischer Mätzchen zu vergraulen! Album-VÖ: 01.11.2013 (Photo courtesy of Spinefarm Records)