(Svart Records / Cargo Records) Ich muss zugeben, bislang musikalisch noch so gar nichts von den Finnen von BEASTMILK gehört zu haben. Der Name spukt zwar seit 2010 schon durch den Underground als heisser Tip (Fenriz von Darkthrone ernannte das Demo zu seinen Top Faves des Jahres), aber ging komplett an mir vorbei. Fehler passieren. Es könnte aber auch am Namen gelegen haben, der mich persönlich immer irgendwie abgeschreckt hat, wenn er meine Augen passiert hat. Nun ja… Nach zwei E.P's. die in Eigenregie, bzw. über das feine finnische Vinyl-Only Svart-Label veröffentlicht wurden, hier also der erste Longplayer. Und was für einer. Sich selbst titulieren BEASTMILK als „Apocalyptic Death-Rock“, was soweit auch gut passt, aber dem Gesamtbild der Musik wiederum auch nicht vollends gerecht wird. Das Album ist einfach noch viel mehr. Zwischen düsterer Melancholie ('Strange Attractors') und furiosen Goth-Rock Dancefloor Smashern ('Nuclear Winter' und 'Genocidal Crush' - die kommende Düster-Hymne!!) bewegen sich die Songs. Dazwischen gibt es mit 'Ghosts Out Of Focus' eine großartig ausufernde Komposition, die mit ganz deutlichen Anleihen an den früh-achtziger New Wave Sound daherkommt. Mit anderer Produktion könnte man sich Teile dieses Songs, fast als A-Ha goes Joy Division vorstellen. Traumhaft. Die erste Video-Auskopplung 'Death Reflects Us' wird diesen Winter in jeder Alternativ-Disse, die etwas auf sich hält, rauf und runter laufen. beastmilk-climax-5109Die Finnen haben ein rundherum mitreissendes Album auf die Beine gestellt. Getragen von einem Schlagzeug, dass uns in das eigene Verderben marschieren lässt, versüssen uns die traumhaft-traurigen Gitarrenmelodien und der Gesangsstil vom Sänger Kvhost, der irgendwo zwischen Samhain und Danzig - III, How The Gods Kill liegt, den Trip. Hinter allem liegt eine Hauch von Verzweiflung und Paranoia. Depressive verregnete November-Nachmittage auf der Fensterbank waren selten so tanzbar. Etwas ganz anderes, dass unbedingt Erwähnung finden muss, ist die Produktion von Kurt Ballou (Converge, God City Studios), sich meiner bescheidenen Meinung nach zu einem der wichtigsten Produzenten der Gegenwart macht. Vielen (Metal-) Produzenten muss man anlasten, den Bands „Ihren“ Sound aufdrücken. Mr. Ballou hingegen scheint in der Lage zu sein, die Bands zu nehmen wie sie sind und das Beste aus Ihnen rauszuholen, den Sound der Band erst richtig herauszuarbeiten. "Climax" klingt so, als könnte es auch 1980 aufkommen sein, allerdings mit der Dynamik einer modernen Produktion ohne die „Muffigkeit“ alter Aufnahmen. Lange schon habe ich nicht mehr so grundehrlich klingende Schlagzeug- und Basssounds gehört. Die dezent verhallt gemischten Gitarren und der 80ties-mäßige Gesang tun ihr übriges. Tut euch einen Gefallen, glaubt dem Hype, holt euch das Album. Am besten als LP, dass dürfte den warmen Sound noch besser rüber bringen. Schöner kann Winter nicht klingen. Album-VÖ: 29.11.2013 (Photo courtesy of Svart Records)