(Relapse) Wenn sich zwei musikalische Abrisskommandos zusammentun: BRUTAL TRUTH sollte den meisten Lesern bekannt sein. Dan Lilker (ja, der von Anthrax und Nuclear Assault), kürzestes Musikvideo aller Zeiten. Klingelt’s? Na also. BASTARD NOISE ist ein Man Is The Bastard-Sideprojekt. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es hier aber nicht um Powerviolence, sondern um Noise im eigentlichen Sinne. Harshnoise. Beide Bands für sich sind schon nix für zartebesaitete Gemüter, aber zusammen? Au weia! "The Axiom Of Post Inhumanity" erscheint auf CD, Vinyl und als digitaler Download. Normal. Außergewöhnlich ist allerdings, dass sich die Tracklists der einzelnen Medien unterscheiden. Der Digital-Kunde bekommt die Vollbedienung (über 1,5 Stunden „Musik“), CD und Vinyl enthalten jeweils Teilmengen. BASTARD NOISE kombinieren in ihren Songs sehr schön dunkle, tiefe Drones mit Sounds, die irgendwie nach einem verzerrten Theremin klingen. Die hohen Sounds sägen jedenfalls ordentlich und sorgen für die nötige Bewegung in den Songs. Auf Dauer könnten für meine Ohren ruhig weitere Klangtexturen auftauchen, aber möglicherweise ist der Minimalismus auch Konzept. Songtitel wie 'The Duel Of The Ant And The Dragonfly' und 'Horned Beetle Conflict' sind jedenfalls absolute Gewinner. BRUTAL TRUTH wuchten mit jeweils fast 30 Minuten Spielzeit zwei Monster von Songs auf die Schlachtbank. Wer die Band bisher "nur" als Grindcombo kennt, wird vielleicht enttäuscht sein, denn auch BRUTAL TRUTH bieten hier reine Geräuschmusik. Wobei die Herren immerhin hier und da einen echten Beat auftauchen lassen, anstatt nur in abstrakten Soundkulissen zu verweilen. Mich erinnern die beiden Songs sehr an Grunt. Was ganz gut passt, wo doch Herr Aspa auch der Geräusch- UND der Gitarren-Musik fröhnt. Die klinisch, maschinelle Atmosphäre rückt die Songs in die Nähe zu Steel Hook Prosthesis. BRUTAL TRUTH bieten jedenfalls etwas komplexere Klangskulpturen, als ihre Split-Partner. Viele werden vermutlich ziemlich enttäuscht sein, wenn sie "The Axiom Of Post Inhumanity" das erste Mal hören. Oft wird es wahrscheinlich auch bei einem Hördurchgang bleiben. Kein Grind, nur Klangexperimente. Mir gefällt das Album gerade deswegen ausgesprochen gut. Musik, die Extreme auslotet – das sollte eigentlich auch auf Grind zutreffen. Relapse hatte auch in der Vergangenheit schon einen Fuß in der Harshnoise-Szene. Irgendwie passt also alles zusammen. Ich hoffe, es finden sich genügend Käufer, die bereit sind, mal über den Tellerrand zu schauen. Album-VÖ: 08. 11. 2013