(Universum Film) Achtung, Vampir-Film! Aber bevor ein Twilight-Geschädigter entnervt abbricht... ein Vampir-Film, der dem Genre neue Impulse bringt und es aus dem Schwulen (sorry, aber Vampire, die im Hellen golden glitzern? Was ist das sonst?) herausführt. Wo True Blood in den erstem Staffeln noch besonders und innovativ war, Sookie aber leider zur Untoten-Gemeinschafts-Matratze verkam und die Serie dadurch ein Daily Soap-Flair erfuhr, fehlt mal wieder der zündende Scheit aus Holzpflöcken. Und dieser kommt mit BYZANTIUM. Und dabei bricht dieser Film mit so ziemlich allen Blutsauger-Klischees. Aber vielleicht macht ihn das auch so gut? Vampir wird man nicht durch Bisse, Vampire haben keine übermenschlichen Fähigkeiten, sind Daywalker wie Blade, man sieht sie im Spiegel, sie können recht unspektakulär (durch Rübe abschlagen) in die ewigen Jagdgründe katapultiert werden, leben nur verdammt lange. Und bereiten den Biss mittels Anritzen eines auf Wunsch fix wachsenden Daumennagels vor. Und was noch wichtiger ist... fallen unter den Menschen nicht auf, sind scheinbar Warmblüter, denn eine der beiden Hauptfiguren ist prinzipiell eine Dame des horizontalen Gewerbes. Und da würde ein Eisklotz im Bett doch jedem Freier auffallen? Zur Story, allerdings in aller Kürze und ohne Details, BYZANTIUM sollte man fließen lassen, der Film ist ein kleines Kunstwerk: Eleanor (Saoirse Ronan) und ihre Mutter Clara (Gemma Arterton) befinden sich ungefähr 200 Jahre auf der Flucht. Clara wird zu Beginn des Films gejagt und kann sich des Angreifers entledigen, Eleanor ist müde vom Weglaufen, einsam und schreibt ihre Geschichte auf, zerknüllt die Blätter aber immer in einem kleinen Ritual und wirft sie in den Wind. In einem verschlafenen Seebad-Örtchen werden die Beiden nach einer weiteren Flucht in dem alten Hotel Byzantium aufgenommen. Und dort endet ihre Reise oder beginnt erneut. Byzantium_Szenenbilder_04.72dpiDie Laufzeit von 118 Minuten ist zwar hart an der Grenze und offenbart die ein oder andere Länge, dieser Fakt wird aber vom Darsteller-Ensemble in den Hintergrund gespielt. Allen voran Saoirse Ronan. Mit ihren roten Haaren und den unglaublich blauen Augen verzaubert die 19-Jährige den Zuschauer, während Gemma Arterton den Sex in den Streifen trägt. Ich habe einige Rezis auf einschlägigen Onlinehandel-Portalen gelesen und die Meinungen sind einhellig. Arterton ist bildschön und aufregend, wobei sie mir im James Bond-Teil Ein Quantum Trost damals nicht so aufgefallen ist. Diese beiden Frauen buhlen um die Gunst des Zuschauers, wobei Ronan wahrlich eine der Entdeckungen schlechthin ist und zwischen Unnahbarkeit und magnetischer Anziehung pendelt. Und das nur mit ihrer Mimik! Sam Riley und Jonny Lee Miller bilden den männlichen Gegenpart, unterstützt von Caleb Landry Jones, wobei besonders Miller wie immer wandlungsfähig heraussticht. Regisseur Neil Jordan (Interview mit einem Vampir) hat mit BYZANTIUM einen stimmungsvollen Film geschaffen, der ohne CGI auskommt und neben einer neuen Mythologie mit exzellenten Darstellern begeistert! Sollte man sich angucken, ob Vampir-Fan oder nicht! Was bleibt, ist eine Liebesgeschichte in diversen Ausführungen. DVD/Bluray-VÖ: 27.12.2013