(Redfield Records/Alive) Ich glaube eine der legendärsten Rezensionen in der Gestromt.de-Geschichte gab es im Jahre 2012 von unserem Timo. Den Arsch habe ich mir damals weggelacht, als ich seinen Ausführungen über das Debüt-Album einer Band aus Castrop Rauxel mit dem Namen ESKIMO CALLBOY folgte. Die EMP exklusive Special Edition musste ich mir daraufhin natürlich zulegen und sie pflegt auch heute noch einen besonderen Platz in meiner Kuriositätensammlung. In Eigenregie wurde bereits 2010 eine selbstbetitelte EP ins Land geworfen und das erste Shirt war im Mailorder Katalog des Unternehmens aus Lingen erhältlich. Kleine Gigs, Festivals und Touren diverser Genregrößen wurden im Vorprogramm bewältigt und mit Eingangs erwähntem Album mit dem Titel "Bury Me In Vegas" gelang dann der große Wurf für Sebastian „Sushi“ Biesler und seine Callboys. Die Messlatte liegt nun sehr hoch für den Nachfolger "We Are The Mess", der nun das noch junge Jahr 2014 erfrischen und musikalisch bereichern soll. Zugegebenermaßen muss man gut drauf sein, um sich ESKIMO CALLBOY im kompletten Durchlauf zu geben, denn der Mix aus derben Elektro-/Technoeinlagen und Metal ist nichts für traurige Emos oder böse Black Metaller als solche. Nein, hier muss gesungen, getanzt und gelacht werden. Was also kommt auf die Volksmusikgemeinde des kreativen Metal(core)s zu? Ohne die Überraschung vorweg zu nehmen, geht das Ganze mit einem Intro los und die Buchstabenfolge des Titels lässt für kluge Rätsellöser oder Glücksradfreunde nur die Vermutung zu, es könne sich mit 'CSTRP' um die Heimatstadt der Jungs handeln und in guten deutschen und englischen Lyrics samt cooler Pimp-Attitüde wird der Ratefuchs auch sogleich mit der Lösung belohnt. Zum Ende dieser guten Minute gibt es auch gleich noch einen derben Ausblick darauf, wie hart es zum Teil werden könnte. Und schon lässt der Titeltrack im Anschluss die Frische des Genre-Mixes durch die heimischen Boxen wehen. Alles was sich die Fangemeinde der ESKIMO CALLBOYs wünscht und erträumt hat, kommt hier zum tragen, samt des schön klebrigen Chorusses. Auch 'Party At The Horror House' lässt uns feiern und den Namen zum Programm werden. Viel Geballer und dicke Eier hinterlassen auch hier erwartungsgemäß einen feuchten Schritt. Das Rein und Raus durch Ups and Downs weiss eben zu gefallen. 'Blood Red Lips' ist etwas für Schnellspritzer. ESKIMOCALLBOY_2013_querDas Tempo zieht an ohne allerdings den Melodiefaktor zu gefährden und auch der Metaller kann sich hier an ordentlich Geschrammel erfreuen. 'Never Let You Know' hingegen funktioniert etwas anders. Der Aufbau unterscheidet sich durch treibendere, leicht an die Eighties erinnernde Gitarrenparts. Geiles Ding. Alter Radiosound samt Telefonstreich zeigt '#elchtransformer' als Zwischengeplänkel und hat wohl irgendeinen (Un)Sinn zu erfüllen. Kommen wir mit 'Jagger Swagger' wieder in die tragenderen Gefilde zurück und werden von Slipknot-artigen Psychoklängen eingeführt. Die Gitarren brummen hier etwas intensiver und bringen den Swag (Zosse?!) mit. Wer es lyrisch deutsch mag, wird ebenfalls kurz bedient. Zu meinem Buddy Alex (Sauer, Ex-His Statue Falls) würde ich jetzt laut „Deschnoooo“ (zu deutsch „Techno“….kleiner Insider) rufen, um den Start von 'Ghosts Of The Night' zu beschreiben. Danach gibt es wie gewohnt Metal, Gebrüll und Orgasmen am Stück. Wir kommen zwar noch nicht zum Finale, aber 'Final Dance' steht an und hier ist der Name ausnahmsweise mal nicht Programm. Durch seine vielen Elemente nur schwer tanzbar, verknoten sich meine drei (!!!) Beine ob des Dargebotenen doch recht schnell. Schnell, Schneller 'Voodoo Circus'. Hier überschlagen und überholen sich alle Member gegenseitig. Dieses Teil wird live ordentlich Schwitzwasser aus der Tanzgemeinde pressen. 'Broadway’s Gonna Kill Us' ist dagegen eher die chillige Groovenummer. Weniger hart und dafür subtiler geht es hier an die Arbeit. Die ESKIMO CALLBOYs können eben auch zärtlich sein, ohne natürlich den Rock auszuziehen. Danach ist dann mit dem Outro 'RXL' schon offiziell Schluss mit lustig und Unterhaltung, aber immerhin darf die gelungene Akustikversion von 'Never Let You Know' als Bonus noch zum Kuscheln gehört werden. Das Jahr hat gut angefangen und daran können auch ESKIMO CALLBOY nichts ändern. Ein wenig fehlt es vielleicht an den sofort zündenden Songs wie auf dem Vorgänger "Bury Me In Vegas", aber nichtsdestotrotz oder gerade deshalb klingt "We Are The Mess" etwas spannender und gezielter. Ein ordentlicher Start ins Musikjahr 2014, Bitches! Album-VÖ: 10.01.2014 (Photo courtesy of Redfield Records)