(Xtra Mile Recordings/Indigo) Wenn ich mich auf ein Album in der ersten Jahreshälfte 2014 gefreut habe, dann eindeutig auf das der Mannen um Laura Jane Grace (ehemals Tom Gabel). Nach dem medialen Overkill wegen der Geschlechtsangleichung von Laura und den spektakulären Besetzungswechseln innerhalb der Band wie z.B. der neue Drummer Atom Willard (u.a. bei Alkaline Trio, Danko Jones und Rocket From The Crypt aktiv) und die Neuverpflichtung am Bass Inge Johannson (Refused & The International Noise Conspriracy) geht es jetzt dank neuem Schwung und der üblichen Kreativität wieder um Musik. Das neue Album "Transgender Dysphoria Blues" startet mit einem befreienden "Yeah!" in den Titelsong und klingt so unbeschwert und gutgelaunt wie lange nicht mehr. Nach dem sehr poppig angehauchten Vorgängeralbum "White Crosses" geht es hier scheinbar wieder etwas back to the roots. Und dieser Umstand ist es auch, welcher Lust auf mehr macht. 'True Trans Soul Rebel' hat wieder alle Attribute, die AGAINST ME! zu sowas Besonderen machen, diese unfassbar einfachen aber sich festsetzenden Melodien, die unnachahmliche Stimme von Laura, ein gewaltiger Chorus, der sich Bahn bricht und zum Mitsingen und Finger-in-die-Luft animiert. Der dritte Song 'Unconditional Love' kommt etwas countryesker rüber, hat Handclaps zu bieten und zeigt das Gespür für unaufdringliche, aber zupackende Songstrukturen. Kurz darauf ist es vorbei mit der Gemütlichkeit, denn 'Drinking With The Jocks' ist ein kurzer, fast schon heftiger Old-School PunkRocker, der zuletzt Anfang der 2000er Jahre von dieser Band abgefeuert wurde. Überraschung gelungen. Abwechslung ist auf jedenfall gegeben auf dem neuen Output. Auch zu merken am Folgetitel 'Obama Bin Laden As The Crucified Christ', der völlig anders ist, als alles was AGAINST ME! sonst produziert haben. Kann es fast gar nicht richtig einordnen, aber klingt schon etwas nach StonerRock, aber eben trotzdem nach der in Gainesville geheimateten Band. Neue Sachen werden ausprobiert ohne den Background aus den Augen zu verlieren - sowas nennt man wohl Weiterentwicklung, die aber alte Fans nicht verschreckt, sondern mit auf die Reise nimmt. 'Fuckmylife666' wurde ja schon im Vorfeld veröffentlicht und hat Appetit auf mehr gemacht....ein toller eingängiger Song, der auch der Hit des Albums sein könnte. Am Bass übrigens Fat Mike (NOFX), der sich aber dem Song angenehm unterordnet und somit nur eine spektakuläre Randnotiz darstellt. against-me-transgender-dysphoria-blues-5291'Dead Friend' überzeugt wiederum mit einem gelungenen melodischem Up-Tempo und tollen Background Gesängen. Gefolgt von der Ballade 'Two Coffins' welche Laura Jane Grace mit Sicherheit auch auf ihren Soloauftritten zum Besten gibt, da nur von Akustikgitarre und ihrer unnachahmlichen Stimme getragen. 'Paralytic States' zeigt zum wiederholtem Male, dass der Popappeal stark zurückgefahren wurde, was das Interesse an AGAINST ME! aber eher steigert, weil man sich selbst als HardCore Fan nie sicher sein kann, mit was die Truppe einen überraschen wird. 'Black Me Out' ist eine Reminiszenz an die Alben "New Wave" und "White Crosses", völlig genialer Abschluss mit laut herausgesungen Strophen und gänsehauterzeugendem Chorus. Man muss sagen, dass das aktuelle Meisterwerk ziemlich rauh rüberkommt, aber sämtliche Erwartungen erfüllt. Alle Fans und Sympathisanten der Band bekommen einen frischen und kreativen Schlag vor den Latz geknallt. Es zündet nicht sofort, aber es wächst, umso öfter man es hört. Könnte wirklich eines der Alben 2014 werden. Gebt dem Ganzen eine Chance. Ich bin in meiner Rezi mit Absicht nicht auf die Transgender-Thematiken im Umfeld der Veröffentlichung eingegangen, sondern möchte die Musik für sich sprechen lassen. Und die rockt und überzeugt mich vollends.... 5,5 Blitze!! Album-VÖ: 24.01.2013 (Photo by Ryan Russell)