(Steamhammer / SPV) Bei der deutschen Gothic Metal-Band CREMATORY stehen alle Zeichen auf Wandel. Nach dem letzten Album aus dem Jahre 2010 wechselte man das Plattenlabel und begann, sich an ein zwölftes Album zu setzen. "Antiserum" heißt das gute Stück und wurde zusammen mit Elmar Schmidt von der EBM Band Centhron produziert. Und so viel sei schon einmal verraten, dies hat deutliche Auswirkungen auf das Album. Aber eine Band die schon 23 Jahre im Geschäft ist, darf ja gerne mal ein bisschen rum experimentieren. Der Opener namens 'Apocalyptic Vision' macht schon gut deutlich wo die Reise hingeht. Zwar ist es nur ein Instrumentalstück, aber anstatt das die Gitarren im Vordergrund stehen, fliegen uns die wildesten Elektrobeats um die Ohren. Somit ist schon dieses Stück eher was für die schwarze Gothicszene, als den Metalhead da draußen. 'Until The End' ist eigentlich gar kein wirklich neues Stück, bedient es sich doch komplett der Melodie des Openers und geht auch ohne Pause aus diesem hervor. Eigentlich kommt jetzt nur noch der Gesang in Form von Growls und Clean Vocals dazu und die Gitarre, Bass und das Drumset bringen nun die gewohnte Härte hervor. Im letzten Viertel wird dann aber nochmal der düster-elektronische EBM-Einschlag besonders deutlich. Der 'Shadow Maker' ändert daran nichts und man sollte nun erkannt haben, dass CREMATORY ein EBM-Metal-Album abgeliefert haben. Die Growls und die schnellen und harten Riffs harmonieren in diesem Song aber wirklich besonders gut. Nach wenigen Durchläufen muss man diesem Song definitiv ein Ohrwurmpotential attestieren. Mit 'If You Believe' wird es dann zum ersten Mal deutschsprachig. Zumindest die Strophen kommen nämlich in der Muttersprache der Band daher, bevor der Refrain wieder in englischer Sprache ertönt. Nach dem Beginn geht diesmal der elektronische Einfluss weitestgehend zurück und lässt viel Platz für Gitarre und Bass. Tatsächlich fehlt dem Lied aber dadurch das gewisse Etwas. 'Inside Your Eyes' bietet dafür wieder ein gelungenes Spiel zwischen den Genres. Death Metal trifft auf Hardcore und EBM und zwar in einer sehr unterhaltsamen Weise. Der Bass dröhnt wirklich ordentlich aus den Boxen und harmoniert perfekt mit den Keyboardklängen. Crematory BandWie tief dieses Album in der schwarzen Szene verwurzelt ist, hört man bei 'Kommt Näher'. Diesen Song kann man schon getrost in die Industrial-Ecke stecken. Er kommt komplett auf Deutsch daher und die Elektronik dominiert hierbei klar über die Instrumente. Ein Song der bestimmt schon bald in den Szene-Discos rauf und runter laufen und auf diesem Album wohl das Fanlager endgültig spalten wird, da von den Death Metal-Einflüssen hier eigentlich kaum noch etwas vorhanden ist. Da hat man es bei 'Irony Of Fate' schon wieder etwas einfacher, weil hier wieder ein deutlicher Mix der nun schon so oft angeführten Genres geboten wird. Das 'Virus' greift als nächstes um sich und ist ein bisschen zwiegespalten, teilweise ist es ein Metaltrack und im nächsten Moment ist es dann doch wieder sehr stark elektronisch. Bei 'Back From The Dead' gibt es zum Glück wirklich gekonnte und harte Riffs, sonst wäre der penetrante elektronische Beat in dem Lied vielleicht zu viel des Guten gewesen. In 'Welcome' existiert immerhin kein durchgehender Elektrobeat und er ist wohl von allen Tracks noch am ehesten in dem klassischen Gothic Metal-Bereich einzuordnen. Somit bietet sich zum Schluss noch einmal eine gelungene Abwechslung, die auf den ganzen Elektronik-Schnick-Schnack verzichtet. Und genau auf demselben Pfad verschlägt es einen auch beim abschließenden Titeltrack 'Antiserum'. Auch hier sind alle EBM-Einflüsse auf einmal verschwunden und es hört sich wie ein komplett klassisches CREMATORY-Stück an. Somit endet alles mit einem Knall und vielleicht will man sich auch so mit den Fans versöhnen, die schon am liebsten bei 'Kommt Näher' ihr Geld zurück haben wollten. "Antiserum" macht es seinen Hörern nicht gerade einfach. Das Album ist musikalisch wirklich auf einem hohen Niveau und viele der Lieder machen wirklich Spaß. Allerdings sollte man sich von Anfang an im Klaren sein, wie hoch doch der elektronische Einschlag diesmal ist. So ist das Album eher Freunden der Electronic  Body Music zu empfehlen. Wer CREMATORY eher wegen der Mischung aus Death Metal und Gothic-Elementen gehört hat, wird zwar auch mit den letzten zwei Tracks glücklich, sollte das Album vor dem Kauf, aber am besten ein paar Mal probe hören. Es ist halt schon eine ziemlich krasse Weiterentwicklung des Stils, die höchstwahrscheinlich nicht jedem Fan gefallen wird. So ist die Wertung hier auch eher so ein Mittelding, wer auf EBM steht, findet die Scheibe bestimmt ne ganze Ecke besser und wer damit nix anzufangen weiß, rollt bei 4 Blitzen genauso mit den Augen. Anspieltipps: 'Shadow Maker', 'Kommt Näher', 'Antiserum' Album-VÖ: 21.02.2014 (Photo courtesy of Steamhammer/SPV)