(City Slang/Universal) Beständig, verlässlich und unaufgeregt könnte man den bisherigen Verlauf der deutschen Gruppe THE NOTWIST beschreiben. Sich dieser Qualitäten bewusst, haben sich die Herren nun mehr sechs Jahre Zeit gelassen, ihr nächstes Werk "Close To The Glass" zu veröffentlichen. Vor einigen Wochen dann, ohne große Ankündigung, stand plötzlich "Close To The Glass" im Netz und versetze Fangemeinde und Musikfreunde in allgemeine Frohlockung. Den Titelsong könnte man als typisch für die Band kategorisieren, da der Fokus auf schier unbändigen elektronischen Klängen liegt. Darüberhinaus birgt die gesangliche Qualität einige Überraschungen. Gelangweilt von seiner eigenen brüchig zurückgenommen Stimme beschloss Sänger Markus Acher, sein Spektrum zu erweitern. Mit Erfolg! Schon beim Titelsong bemerkt man ganz deutlich die klangliche Veränderung zu den Vorgängern und erinnert dabei leicht an Hot Chip Frontmann Alexis Taylor. Als zweiten Vorgeschmack folgte 'Konk'. Mit bestechenden Indie-Klängen à la The Shins ist dieser Titel dynamischer und erfrischender, als die anderen und wirkt wie ein Exkurs aus der Elektro-Schiene. Die beiden Vorboten spiegeln dabei die Struktur des Albums wieder. Rein elektronische Titel wechseln sich mit stimm-und gitarrenlastigen Songs ab und bescheren eine ungeheuerliche Vielfalt, die in sich jedoch wie eins wirkt. Das wohl schönste Lied stellt 'Casino' dar. Es handelt von einem Paar, dass seinen tristen Alltag dem Glückspiel verschreibt und gleich auf sein Leben damit verschwendet. Musikalisch untermalt von Achers schwermütigen und zugleich zerbrechlichen Stimme, dazu leichte Akustikgitarre und Schellenkranz. 'Run Run Run' ist dagegen minimalistisch, futuristisch, einprägsam und avanciert schnell zu einem der Lieblinge auf der Platte. Gegen Ende trumpft noch einmal das knapp neunminütige 'Lineri' mit seiner Ambivalenz zwischen Jam-Session und perfekt inszenierter Spontanität. Tatsächlich wurde das komplex programmiert wirkende Stück hauptsächlich auf analogen Synthesizern live eingespielt. "Close To The Glass" beweist einmal mehr das THE NOTWIST eine Instanz sind. Und diese Instanz steht für sich selbst. Sie verfolgt und kopiert keine Trends, lässt sich vom drum herum nicht beirren oder verwirren und schon gar nicht stressen. Die Brüder Markus Acher und Micha Acher sowie Martin Gretschmann bilden seit langem den festen Kern des Ganzen. Nach diversen Wechseln in der Band verhalfen Andi Haberl (Schlagzeug, Percussion, Gesang), Max Punktezahl (Gitarre, Keyboard) und Karl Ivar Refsetz (Vibraphon) THE NOTWIST zu einer einmaligen Live-Kompetenz. Zwei Jahre hat nun also die Studioarbeit zu "Close To The Glass" in Anspruch genommen. Gelohnt hat es sich alle mal. Der 12-stückige Long Player schwebt zwischen einem Rausch aus Unkontrollierbarem und gezielter Perfektion, zwischen Ekstase und Schwermut. Genau dies macht die Musik von THE NOTWIST so interessant und absolut grandios. Alles scheint naturgegeben so richtig zu sein, wie es ist. Album-VÖ: 21.02.2014