(Victory Records/Soulfood) Ein neues Jahr heißt anscheinend auch immer ein neues Album von THE BUNNY THE BEAR. Nachdem die letztjährigen "Stories" alles andere als zu überzeugen wussten, kann man sogar schon mal Angst vor der "Food Chain" kriegen. Das Erste was einem auffällt, ist diesmal definitiv das Cover. Anstatt wie auf den Alben davor mit gezeichneten und teils geschmacklosen Bildern zu werben, sehen wir diesmal ein stimmiges in schwarz-weiß gehaltenes Bandfoto. Das dies nicht die einzige Überraschung bleibt, ist aber fast selbstverständlich, so hat die Band ihren musikalischen Stil nochmal massiv umgekrempelt. Interessant ist auch der Fakt das Chris Hutka, der ehemalige Bär, die Band nach dem Release von "Stories" verlassen hat. Als Ersatz wurde Joseph Garcia eingestellt, welcher allerdings schon wieder im November, dank Chris Hutkas Rückkehr, auch wieder gehen durfte. Im Endeffekt blieb also alles beim Alten. Das erste Stück 'Food Chain' beginnt mit ein paar elektronischen Beats und wird dann schnell recht hart durch Growls und, hier haben wir die erste positive Überraschung, durch die Gitarren und den Bass. Die Rock-Instrumente, die man auf dem Vorgängeralbum kaum wahrgenommen hat, sind endlich wieder zurück. Wer jetzt anhand des Openers eine Rückkehr zu alten Tugenden erwartet, wird mit 'The Seeds We Sow' sein blaues Wunder erleben. Zwar bleiben die Instrumente zum Glück erhalten und es wird auch viel gegrowlt, aber anstatt das es tiefer in die harten Gefilde geht, gibt es melodiösen Rock mit einer tollen Melodie und verträumtem Gesang. 'Cancer' ist sogar noch ein bisschen ruhiger angelegt und die Gitarren werden anstatt für harte Riffs zur gelungenen Unterstützung benutzt und auch die Drums erklingen eher seicht. Vor allem der Refrain weiß zu gefallen und alles erinnert eher an seichten Pop-Rock, der vereinzelt mit Growls durchzogen ist, aber hervorragend funktioniert. Die 'Pale Green Eyes' sind stark elektronisch geprägt, inklusiver Stimmverzerrer und solchem Schnick Schnack. Hierbei bleibt zum ersten Mal ein bisschen die Melodie auf der Strecke und es wird einfach nur tief und aggressiv gesungen. Insgesamt der erste relativ schwache Track, der eher auf "Stories" gepasst hätte. Bereits 'So Smooth, So Appealing' nimmt dann aber wieder den vorangegangen Kurs auf. Sprich: schöne verträumte Clean-Vocals, eine eingängige Melodie und auch ein Klavier ist diesmal zu hören, welches sich sehr gut macht. Bei dem Stück handelt es sich übrigens um eine Neuaufnahme eines älteren Songs. Richtig verrückt wird es mit 'A Mother‘s Love', einem sehr kurzen melodiösen Lied, welches anstatt mit Gesang von Hase oder Bär mit einer Kinderstimme aufwartet. Fast schon eine Annäherung an Chartmusik stellt 'First Met You' dar. Growlings sind auf ein Minimum reduziert und die Melodie ist ziemlich poppig, dafür aber auch sehr gelungen und extrem eingängig. Was dabei rauskommt, ist ein verdammt schönes Gute-Laune-Lied. thebunnythebear-2014Den endgültigen Beweis, dass die Jungs wirklich gute Musik schreiben können, liefern sie mit 'Skyscrapers' welcher auch sofort ins Ohr geht. Schöne Abwechslung ist hier auch die Einführung einer weiblichen Stimme, welche den Refrain singt. Die komplette relativ ruhige Schiene des Albums mag für manche befremdlich wirken, aber sie funktioniert erstaunlich gut. Auch 'Flying Like A Bird' ist nicht wirklich neu, sondern nur eine überarbeitete Version eines Stücks vom Debütalbum. Es passt aber auch sehr gut ins Konzept des Albums und ist dabei einer der rockigeren Tracks und kommt nicht ganz so verträumt wie der Rest daher. Bei 'High Tides and Swimming Conditions' regiert zu Beginn erst einmal die Elektronik, bevor sich deutlich die restlichen Instrumente dazugesellen und alles viel runder wird. Ein wirklich softer aber eingängiger Song, zu dem es sich gut entspannen lässt. Noch softer wird es mit dem Schlussakt des Albums namens 'Lost'. Hierbei handelt es sich dann schon um richtige Chill-Out Musik, daran ändern auch die Growls nichts. Tolle Clean Vocals, eine wunderschöne Melodie und dann darf der Song auch noch drei Minuten lang ausfaden. Was für ein gelungener Abschluss. Ob es nun mit dem kurzfristigen Austritt vom Bären und seiner spontanen Rückkehr zu tun hat oder es andere Gründe gab, sei mal völlig egal, aber "Food Chain" ist schon wieder komplett anders als die Alben zuvor. Dieses Mal allerdings zum Glück ein gewaltiger Fortschritt. Klar, wer wieder die gelungene Mischung aus Techno und Metalcore von "If You Don’t Have Anything Nice To Say" haben will, wird wieder enttäuscht werden. Aber alle Vergleiche außen vor lassend, liegt uns hier ein sehr hochwertiges Album vor. Man serviert uns diesmal eher ruhigere Rocklieder, die aber durchgehend mit tollen Melodien begeistern und sich sehr schnell im Gehörgang festsetzen. Vielleicht ist es diesmal kein Album, zu dem man live gut abrocken kann, aber es ist ein sehr gutes um sich mal fallen zu lassen. Damit ist für mich der ideale Soundtrack für anstehende Joggingrunden oder auch abendliche Heimfahrten von der Arbeit gefunden. Beste Chill-Out Musik also, nicht das was ich unbedingt von diesem Duo erwartet habe, aber mir soll es recht sein. Anspieltipps: 'First Met You', 'Syscrapers' Album-VÖ: 14.03.2013 (Photo courtesy of Victory Records)