(Dine Alone Records) Der Coverboy des gepflegten Emos ist wieder da! Chris Carrabba, der schon seit 1991 umtriebig unterwegs ist und mit einer beeindruckenden Discographie punkten kann (sei es solo oder als Leadsänger von Dashboard Confessional und Further Seems Forever), meldet sich mit seinem neuen Projekt TWIN FORKS fulminant zurück. Und passend zu den ersten Frühlingsanzeichen in der Natur, scheint auch diesem selbstbetitelten Album die Sonne konsequent aus dem Arsch! 🙂 Wer melancholischen Emo erwartet, dem werden mit dem luftig-positiven Folk-Rock alle Tränensäcke glattgebügelt. Zu der lupenreinen Instrumentenkonstellation Gitarre, Schlagzeug, Bass gesellt sich mit der Mandolinistin Suzie Zeldin das auflockerne Element hinzu, welches die Hymnenhaftigkeit und Tanzbarkeit der einzelnen Songs enorm aufwertet. Mit 'Can't Be Broken' wird die ersten zwei Minuten auch noch verhalten gestartet, der einzigartige Gesangsstil von Herrn Carrabba rundet den Einstieg gekonnt ab. Dieses angehauchte, irgendwie traurige Timbre in der Stimme jagt einem entweder einen wohligen oder schaurigen Schauer den Rücken runter. Kommt halt darauf an, wie man zu Chris Carrabba steht. Eine dieser Personen, bei dem es nur das Für oder Wider gibt. Mich packt es sofort und nach den eingangs erwähnten paar Minuten geht es gutgelaunt, fröhlich weiter. Die Mandoline wird ausgepackt und als zentrales Element über die gesamte Albumlänge eingesetzt. Der immer wieder aufflammende Doppelgesang (den weiblichen Teil übernimmt ebenfalls Suzie Zeldin), reisst einen mit und lässt vermuten, dass TWIN FORKS es bei Buchung auf diversen Festivals schaffen könnten, dem ähnlich gelagerten Frank Turner den Rang abzulaufen. Und die Qualität der schnelleren Songs Marke Mumford & Sons, haben TWIN FORKS schon auf ihrem Debüt hingezaubert. TwinForks-Final-55-b_rich_approvedDie erste Singleauskopplung 'Cross My Mind' beginnt mit einer extrem gutgelaunten und eingängigen Pfeifmelodie und auch wenn das eigentlich ein No-Go ist, muss ich sagen, dass ich mich selbst pfeifend unter der Dusche erwischt habe. Um den Ganzen die Krone aufzusetzen, werden auch noch HandClaps eingebaut und diverse Oh-Oh-Oh Chöre zum Besten gegeben. Wenn die Welt gerecht wäre, müsste das verdammt nochmal der Sommerhit des Jahres 2014 werden. Allerdings gäbe es dafür auch noch diverse andere Kanditaten auf diesem live aufgenommenen Album, welches die Spontaneität und den Spass der Band greifbar macht (man hört im Hintergrund teilweise Jauchzer des Glücks und eingestreute Lacher). Fantastisch, wie geerdet das klingt. 'Kiss Me Darling' ist ein wunderschöner Lovesong und lässt mich selbst schon fast emoesk werden. Dieser stellt aber nur eine kleine Verschnaufpause dar, weil es danach gleich wieder mit 'Scraping Up The Pieces' schwungvoll weitergeht. Der Track 'Reason And Roughened' erinnert am ehesten an die Herkunft Dashboard Confessional, da sich hier Chris Carrabba mit seiner Akustikklampfe emotional gehen lässt. Alles im Allem muss man konstatieren, dass TWIN FORKS einem ein überraschend vielschichtiges und gutgelauntes Werk anbieten und wer gewillt ist, Alternativen zu den bekannteren Acts des intimen Folk-Rocks zu entdecken, müsste hier auch definitiv zugreifen..... 5 Blitze mit Einschlag! Album-VÖ: 14.03.2014 (Photo courtesy of Dine Alone Records)