(Side One Dummy Records) Das vierte Album auf Solopfaden, verstärkt durch die Backing Band The Camaraderie, Gastauftritte von Chad Price (ALL), Dave Hause (The Loved Ones), Jon Snodgrass (Armchair Martian) und Ben Nichols (Lucero) - es klingt auf dem Papier alles perfekt. Aber kann "Till Midnight" auch so viel? Zuerst sollte man einfach mal akzeptieren, dass man im Bereich des Lagerfeuer-Akustik-Folk Rock keine großen kreativen Sprünge erwarten darf. Von daher ist es schon ungewöhnlich, wieviele Instrumente hier aufgefahren werden, um die Aufmerksamkeitsspanne des geneigten Hörers auf hohem Level zu halten. Geige, Kontrabass, Piano, Mundharmonika und die normale Konstallation werden zu einem technisch versierten Songwriting zusammengebracht. Leider habe ich das Gefühl, das genau das einfach zuviel des Guten ist, da ich mich dabei erwischt habe, wie meine Gedanken abschweiften und ich teilweise einzelne Songs gar nicht bewusst wahrgenommen habe. Dazu gehören z.B. 'Wake With You' und 'For All We Care', die ich mal Füllmaterial nennen möchte. Aber CHUCK RAGAN hat auch wieder exzellent abgeliefert mit grandiosen Songperlen der Marke 'Something May Catch Fire', ein perfekter Opener, der klassisch eingezählt wird, um dann auch gleich als Sieger des Albums hervorzugehen. 'Non Typical' und 'Bedroll Lullaby' sind auch Liedgut, welches sich im Gehörgang festsetzt und Endorphine ausschütten lässt. Nur gibt es wie erwähnt davon viel zu wenig. Und es tut mir in der Seele weh, dem neuen Output von CHUCK RAGN nicht die Höchstpunktzahl geben zu können, aber man sollte auch fair sein, das Fanherz darf in diesen Momenten nicht die Überhand gewinnen, aber 'ne EP hätte locker gereicht. Chuck RaganEventuell ist auch Übersättigung ein Problem, da gefühlt jede Woche eine neue Single erscheint, der aus Gainesville stammende CHUCK etwas ruhelos wirkt, durchgehend auf Tournee verweilt und und und.... Eine kreative Pause von den Soloaktivitäten wäre vielleicht mal angeraten. Wenn er Musik produzieren muss, dann doch bitte zusammen mit Chris Wollard bei Hot Water Music. Fazit: Das vorliegende Album "Till Midnight" ist keinesfalls schlecht und grottenlangweilig, es fehlt halt einfach der Überraschungseffekt. Vielleicht sind die Zeiten der Punkrocker, die einen mit teils epischen Akustikalben mit offenen Mündern zurückgelassen haben, auch vorbei (vgl. Frank Turner oder Dave Hause, deren letzten Veröffentlichungen auch nicht so pralle waren)? Es ist auch nur meine subjektive Meinung und ich möchte niemanden den Spass nehmen, aber eine gewisse Langeweile ist eingetreten. Trotz allem gibt es aufgrund der songwriterischen Qualität 4 Blitze!! Album-VÖ: 21.03.2014 (Photo by Lisa Johnson Rock Photographer)