(Washington Square) THE HOLD STEADY sind so eine Band, die viele ganz oben auf Ihrer Liste haben, wenn es um herausragende und eigenständige Rockbands unserer Zeit geht. Sie sind vielerorts Kritiker-Lieblinge und haben eine feste Base an Die-Hard Fans, aber links und rechts davon lässt der ganz große Durchbruch irgendwie doch noch auf sich warten. "Teeth Dreams" ist mittlerweile schon das 6. Alben seit 2004. Eigentlich gehört seit "Boys And Girls in America" jede Platte in eine halbwegs gut sortierte Sammlung und insbesondere "Stay Positive", 2008 erschienen, mit einem Titelsong, der mir die Gänsehaut über den Rücken jagt, ist ein Volltreffer (Textprobe: „When the Youth of Today and the early 7 Seconds taught me some of life's most valuable lessons“ und „'Cause the kids at the shows, they’ll have kids of their own, and the sing-along songs will be our scriptures“) Vielleicht liegt es am Sound, der nicht hip oder modern ist. THE HOLD STEADY sind eine Indie-Rock-Band, aber keine Indie-Band. Und irgendwie auch keine richtige Rock-Band. Der Sound klingt wie eine Mischung aus Schlabber-Rock-Bands die Lynyrd Skynyrd - Songs zu Bruce Springsteen-Texten spielen. Altbacken klingende (im positiven Sinne) R-O-C-K-Riffs treffen auf nöligen-grummeligen Gesang und Song-Arrangements aus der Indie-Schublade. Dabei geht ihnen völlig der alberne Pathos des American Rock'n'Roll ab. Die „große Geste“ ist bei THE HOLD STEADY nicht der Griff zwischen die Beine. Warum auch über chauvinistischen Mist singen und seine eigene Oberflächlichkeit durch Belanglosigkeiten zur Schau stellen, wenn man einen Craig Finn als Sänger/Schrägstrich/Rock-Poeten hat. Er ist sicherlich einer der begnadetsten Geschichtenerzähler im Rock-Zirkus. Seine Stories über den Rand der Gesellschaft, Drogen, Verlust (Teeth Dreams haben in der Traumdeutung häufig mit Verlustängsten zu tun) und gescheiterte Existenzen erzählt er mehr, als das er richtig singt. Auch wenn seine Stimme weniger grummelig ist, als noch auf früheren Alben. Diese Ernsthaftigkeit der Texte bringt auch die Nähe zu Herrn Springsteen. Doch wo der Boss eher beobachtet und beschreibt, steckt Finn mitten drin im Leben und verleiht seinen Texten dadurch einen zusätzlichen Authentizitäts-Boost. HS-2-300dpi_Danny Clinch"Teeth Dreams“ ist das zweite Album nach dem Abgang von Franz Nicolai, der für einen großen Teil des Songwritings zuständig war. "Heaven Is Whenever", 2011 erschienen, war eine gute Platte, aber auch die einer Band, die sich wieder finden musste. Ich denke, anno 2014 sind die Jungs wieder besser in der Spur und stärker denn je. Der Classic-Rock Einfluss ist größer als früher. Großartiges Riffing, doppelläufige Gitarren-Solis, - alles an Board. Mit Keyboards weiter im Hintergrund und insgesamt weniger verschroben wagt "Teeth Dreams" eine Spur mehr Rock-Attitude. Und das steht den Jungs sehr gut. THE HOLD STEADY: So würde Rock'n'Roll immer klingen, hätte es die 80iger nicht gegeben und wären Indie-Rock direkt aus dem Sound der 70er entstanden. Insofern jetzt also doch: ein großes Rock-Album. Album-VÖ: 21.03.2014 (Photo by Danny Clinch)