(Gain Music) Nicht wenige Bands würden das Handtuch werfen, wenn ihnen in einer überschaubaren Zeitperiode Manager, Sänger und Booker den Rücken gekehrt hätten. Im Falle von DEATH DESTRUCTION war zumindest die Entscheidung von Ex-Shouter Jimmie Strimell nachvollziehbar, denn dessen Hauptband Dead By April ging aufgrund der Teilnahme am schwedischen Eurovision Song Contest durch die Decke und er hatte einfach keine Zeit für eine zweite Kapelle. Der Rest der "zerstörerischen" Göteborger Formation dachte aber nicht an Aufgabe, denn dafür war das Material des Debüts zu ausgereift und der daraus resultierende Deal mit Sony Music kam nicht von ungefähr. Und wenn man wie der Verfasser dieser Zeilen "II" zum ersten Mal hört, weiß man, dass Totgesagte nicht nur länger leben, sondern, dass Veränderung Kreativität fördern und eine Steigerung bewirken kann! Damit es eine zweite Platte überhaupt geben konnte, musste ein prägnanter Sänger gefunden werden. Noch bevor man Kandidaten zum Vorsingen einlud, traf Gitarrist Henrik zufällig auf seinen alten Kumpel und Stimmwunder Tony Jelencovich, der unter anderem bei den großartigen Transport League hinter dem Mikro stand. Der Sänger hatte ein paar Ideen im Kopf und man verabredete sich spontan für eine Session. Nach einer Stunde stand schon das erste Stück und von da an waren der Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Tony war regelrecht angefixt, kniete sich voll und ganz in die Ausarbeitung der Gesangsarrangements und Texte und wurde zum vollwertigen Bandmitglied. Was beim Genuss von "II" sofort auffällt, ist, dass das neue Material eine hörbar größere musikalische Bandbreite als die Songs des Debüts besitzt, die wegen des permanenten Growl-Gesangs kräftig aber limitierter klangen. Das solch ein Trash-Brett wie der Erstling oder nun die Groove-Metal-Wand des Nachfolgers von ehemaligen Power und True Metal Veteranen kommt, kann man kaum glauben, was keine qualitative Wertung sein soll! deathdestruction-2014Die tighte Instrumentalgruppe besteht aus Gitarrst Henrik Danhage (Ex-Evergrey), Drummer Jonas Ekdahl (Ex-Evergrey) und Bassist Fredrik Larsson (Hammerfall). Produzent Roberto Laghi war ebenfalls vom neuen Material überaus begeistert und zauberte der Band einen derben und rohen Live-Sound, der viel Platz für jedes Instrument und den herausragenden Gesang lässt. Das brutal eröffnende 'Divine Justice' ist ein Einstieg nach Maß, der allerdings in dieser Form auch auf dem Vorgänger Platz gefunden hätte. Mit 'Dead Pilot' beginnt dann der Trip in neue Gefilde. Die Nummer ist ein böser Bastard aber mit gesanglichen Parallelen zu Faith No More oder Alice In Chains. Und so stiloffen geht es weiter! 'Money, Blood, Crucifixus' ist ein derber Rocker mit Stoner und New Metal-Einflüssen. 'Towards The Light' stellt dann aber abermals alle Erwartungen auf den Kopf. Hier verbeugt man sich gar vor den großartigen Muse. Doch keine Bange, finstere Einschübe sorgen für genügend Authentizität und Eigenständigkeit. Die Walze 'I Am The Plague' ist dann wieder etwas für das Banger-Herz! Puh - so viel Hass in der Stimme - da muss man sich fast ernsthaft Sorgen um den Gemütszustand von Tony machen. Die nächsten Tracks machen erstmal keine Gefangenen, wobei 'Give It A Try' wieder eine wahre musikalische Achterbahnfahrt darstellt! 'False Flag' ist eine wüste Mischung aus Pantera-Energie und Van Halen-Riffing. So geht es munter weiter und das Schöne ist: Kein Song klingt wie der andere! Immer wieder wird man überrascht, wie im orientalisch angehauchten 'A Shelter From Harm'. Manchmal brauchen die Lieder etwas, bis sie sich dem Hörer in ihrer Gesamtheit erschließen aber es ist ja auch spannend so (heraus)gefordert zu werden! Hoffentlich bleiben DEATH DESTRUCTION in dieser kreativen Formation noch lange bestehen. Wer hieran gefallen findet, der muss unbedingt auch Tonys Transport League ausprobieren, die haben uns im letzten Jahr nach langer Pause mit dem wüst rockenden Album "Boogie From Hell" beschenkt! Album-VÖ: 28.04.2014 (Photo courtesy of Gain Music)