Die ehemalige Kantine der deutschen Bahn ist voll. Einige wenige Fans stehen am Eingang und versuchen ihr Glück, noch irgendwie an ein Ticket zu gelangen. Vermutlich vergebens. Denn auch ohne neues Album im Gepäck, gelingt es den fünf Jungs von BRAND NEW die Osnabrücker Freiheit auszuverkaufen. Um Punkt 20:00 Uhr legen dann auch die FRONT BOTTOMS mit ihrem Support los. Notorische Spätkommer werden es bereits zu diesem Zeitpunkt schwer haben, sich einen Weg in den Veranstaltungssaal zu bahnen. Für die "Nicht-Gerne-Im-Gedränge-Steher" bleibt der Thekenbereich als einziger Ausweg. Die Konzertgänger in "Front-of-Stage" sehen ein kurzes und knackiges, melodiegetriebenes Live-Set der FRONT BOTTOMS. Dem Publikum gefällt es und wenn man den Worten von BRAND NEW Sänger Jesse Lacey später am Abend Glauben schenken darf, gehören die Jungs aus New Jersey zu den menschlich wertvollsten Supports mit denen BRAND NEW bisher auf Tournee waren. Um 21.00 Uhr wurde es dann Zeit für BRAND NEW's nachdenkliche Post-Emo-Raumklangentwürfe. Die New Yorker eröffnen mit ihrem wohl zornigstem Stück 'Vices' den Abend. Vor allem auf der Bühne ein Lieblingsstück der Band, welches sie laut eigener Aussage am liebsten drei Mal nacheinander spielen würden. Der Beginn des Konzertes gehörte ganz den Songs vom Album "Daisy", welches mit vier Stücken in der Setlist bedacht wurde. Mit 'Sic Transit Gloria' wurde dann die "Deja Entendu"-Phase des Abends eingeläutet. Auch hier wurden die Stücke des 2003er Albums in einem Block hintereinander gespielt. Wirkte die Band zu Beginn noch etwas steif, befanden sie sich spätestens bei 'Guernica' auf höchster Betriebstemperatur und waren von nun an auch zu Ansagen und Späßen mit dem Publikum bereit. Als sich Sänger Jesse Lacey nach Songwünschen im Publikum erkundete, beendete er die Diskussion mit der Ansage, dass man nun doch wieder zum Script zurückkehren werde, da dort sowieso alle Hits draufstünden und sie die "boring-crappy" schon bewusst aussortiert hätten. Das Publikum honorierte die Songauswahl mit kräftigem Applaus nach jedem Song und bei den Emo-Krachern zeigten sich viele Zuschauer trotz ihres jugendlichen Aussehens doch erstaunlich textsicher. Selbst bei 'Seventy Times 7' sind die inzwischen 13 Jahre alten Lyrics nicht in Vergessenheit geraten, wie man deutlich hören konnte. Und live wirken die Songs von BRAND NEW ohnehin wie eine unmittelbare Windböe nach zehn Stunden Busfahrt ohne funktionierende Klimaanlage – herrlich erfrischend. Das letzte Drittel des Konzertes sollte dann ganz im Zeichen von "The Devil And God Are Raging Inside Me" stehen. Wohl das Album an welchem sich der Fünfer aus New York immer messen lassen muss. Zu keinem anderen Zeitpunkt ihrer Karriere haben es BRAND NEW geschafft, solche spannenden, raumgreifenden Songentwürfe zwischen Unmut, Spielwitz, Aufstand, Schönheit, Stille, Brachialität und Querdenkertum zu erschaffen. Die Tatsache, dass BRAND NEW sieben Stücke ihres Meisterwerks in die heutige Setlist einfließen lassen, zeugt einmal mehr von deren Realitätssinn. Als Rausschmeisser dient an diesem Abend 'You Won't Know', welches in einer schier nicht enden wollenden, mit allerlei Geräuscheffekten garnierten, Liveversion das Publikum in die Nacht entlässt. Zugaben gibt es keine, aber die Band hat an diesem Abend über 100 Minuten solch eine Spielfreude und Sympathie versprüht, dass dies im Publikum auch keiner übel nimmt. Auf persönliche Bitte der Band durften keine professionellen Fotoaufnahmen vom Konzert gemacht werden. Somit können wir Euch lediglich ein Foto der Setlist bieten, welche ein glücklicher Fan zum Ende des Konzertes erkämpfen konnte.